
„Nürnberg“ und 7 weitere Filme, die den Schrecken des Zweiten Weltkriegs zeigen
Pünktlich zum 81. Jahrestag der Kapitulation der Nazis am 8. Mai startete James Vanderbilts Film Nürnberg in den deutschen Kinos. Er ist der aktuellste Beitrag eines umfangreichen Katalogs aus Spiel- und Dokumentarfilmen, die versuchen, die unvorstellbaren Kriegsverbrechen der Nazis vor Augen zu führen, an sie zu erinnern und das Undenkbare als mahnende Realität im Bewusstsein zu halten.
Die folgende Liste zeigt nur einen kleinen Ausschnitt dieser internationalen Filmgeschichte und versammelt bewusst sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze, die versuchen, die Verbrechen des Nationalsozialismus über persönliche Schicksale und menschliches Leid begreifbar zu machen.
Die Nürnberger Prozesse gehören nicht nur zu den umfangreichsten juristischen Aufarbeitungen von Kriegsverbrechen aller Zeiten – sie stehen auch bis heute symbolisch für die Bedeutung internationaler rechtlicher Aufarbeitung staatlicher Verbrechen. Ein Großteil der für Mord und Genozid verantwortlichen Nazis hat sich auf unterschiedliche Weise einem Prozess entzogen. Hermann Göring hingegen wurde von den Alliierten festgenommen und als ranghöchster Täter in Nürnberg angeklagt. Der Film Nürnberg konzentriert sich ganz auf diesen Teil jener umfangreichen Prozesse und kleidet sich stilistisch ins Gewand des Subgenres Courtroom-Drama. Durch die Augen eines Psychologen erleben wir den von Russell Crowe eindringlich gespielten Göring. Wie so oft bei ähnlichen Ansätzen, wenn Nazi-Täter dämonisch aufgeladen werden, droht auch dieser Film dabei, sich im Gesicht des Bösen zu verlieren.
Stanley Kramers berühmtes Urteil von Nürnberg (1961) beispielsweise war dem nicht erlegen. Denn der konzentrierte sich auf die Richter-Prozesse und damit nicht auf ein einzelnes Gesicht des Bösen, sondern auf den perfiden Kern der verbrecherischen Nazidiktatur, die Vernichtung und Entrechtung von Menschen durch das Recht selbst zu betreiben versuchte.
Im Stile des dokumentarischen Theaters interessierte sich auch der deutsche Dramatiker Peter Weiss weniger für „prominente“ Nazi-Protagonisten, sondern für Strukturen und das Wesen des Nazi-Faschismus. In seinem Drama Die Ermittlung verarbeitete er Originalmaterial aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963–65 zu einem fassungslos machenden Dokument jener „Banalität des Bösen“, von der Hannah Arendt gesprochen hatte. Regisseur RP Kahl hat das berühmte Stück für seinen Film Die Ermittlung bearbeitet.
In seiner Inszenierung reduziert Kahl alles Filmische darauf, den dokumentierten Zeugenaussagen den größten erdenklichen Raum zu bieten. 240 Minuten in der Originalfassung und 186 Minuten in der gekürzten Fassung fordern heraus, aber gerade Kahls radikale Inszenierungsidee sowie die Riege großartiger Schauspieler:innen ermöglichen einen selten puren Blick auf die historischen Ereignisse.
Eine gänzlich andere Perspektive auf den Frankfurter Auschwitz-Prozess erlaubt die nach Annette Hess entstandene deutsche Miniserie Deutsches Haus. Erzählt wird hier aus der Perspektive der jungen Eva Bruhns, die eher zufällig als Dolmetscherin für den Prozess einspringt und zum ersten Mal überhaupt beginnt, von der Vernichtungsmaschinerie Auschwitz zu erfahren.
Eva Bruhns steht hier stellvertretend für eine bundesdeutsche Gesellschaft, die nach Ende der Nazidiktatur überwiegend schwieg, verdrängte und beschönigte. Damit stellt die Serie auch die Bedeutung all der Gerichtsverfahren gegen Kriegsverbrechen für das Herausbilden einer Erinnerungskultur in Deutschland heraus. Unter der Regie von Randa Chahoud und Isabel Prahl ist ein faszinierendes Porträt der bundesdeutschen 60er-Jahre-Gesellschaft entstanden, in der man endlich begann, nachdrücklich Fragen nach Schuld und Verantwortung zu stellen.
Jonathan Glazers 2024 mit dem Oscar als Bester internationaler Film ausgezeichnetes Werk führt zurück in die Jahre, als das Lager Auschwitz als Vernichtungslager in Betrieb war. The Zone of Interest gehört zweifellos zu den eindrücklichsten Filmen, die je über die Verantwortlichen des Holocaust gemacht wurden. Denn Jonathan Glazer zeigt sie nicht bei der Ausübung von Grausamkeiten, sondern er erzählt davon, wie die Familie des Lagerkommandanten Mauer an Mauer mit dem KZ gelebt hat, ihren „Paradiesgarten“ gepflegt und Kaffeekränzchen ausgerichtet hat.
Gerade Sandra Hüller als Ehefrau des Kommandanten Höß gelingt es auf intensivste Weise, jene unfassbare Akzeptanz und Hinnahme zu verkörpern, mit der die deutschen Täter:innen einem beispiellosen Massenmord begegneten. Darin liegt ein Grauen, das allgegenwärtig scheint.
Einer der bedeutendsten Dokumentarfilmer, die sich zeitlebens kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt haben, ist der 2025 verstorbene Marcel Ophüls. Sein Film über die Nürnberger Prozesse und deren Nachhall in der Gegenwart: Nicht schuldig? (1976) zählt zu den wichtigsten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Faschismus.
1989 wurde er mit dem Dokumentarfilm-Oscar ausgezeichnet für Hotel Terminus – Leben und Zeit von Klaus Barbie (1988). Darin zeichnet Ophüls in seiner unnachahmlich scharfen und kompromisslosen Art das Leben eines für seine Grausamkeiten bekannten ehemaligen Gestapo-Chefs nach, dessen Taten vierzig Jahre lang ungesühnt blieben. Ein kluges, wichtiges und kraftvolles viereinhalbstündiges Werk.
Der wahre Chronist des Holocaust, dessen Werk bis heute wirkt und viele zur Weiterführung animiert, ist aber fraglos Claude Lanzmann. Seine 566 Minuten Film werden als Shoah für immer das wichtigste filmische Dokument bleiben, das zum Thema Holocaust je erschaffen wurde.
Und das vor allem, weil Lanzmann in strukturierter Weise Zeitzeugen gesucht und besucht hat, sich ausschließlich auf ihre Berichte konzentriert und sie auf der Bildebene mit Orten der Vernichtung kombiniert hat. In elf Jahren hat Lanzmann vor allem Shoah-Überlebende, aber auch vereinzelt Täter befragt und so die neunstündige Basis heutiger Holocaust-Dokumentation gelegt.
Viele Spielfilme haben versucht, die Verbrechen der Nazis und ganz besonders den Genozid an den Juden direkt zu thematisieren. Der deutsche Produzent Artur Brauner gehörte mit seinem Film Morituri (1948) zu den ersten. Aber erst der US-Serie Holocaust: Die Geschichte der Familie Weiss (1978) gelang es, für das Thema breite, internationale Aufmerksamkeit zu erlangen – bis Schindlers Liste kam.
Es lässt sich über die Hollywooddramaturgie und die starke Emotionalisierung von Steven Spielbergs Schindlers Liste sicherlich streiten. Es dürfte aber feststehen, dass es nichts und niemandem je gelungen ist, mit einem Werk mehr Menschen für die Shoah zu sensibilisieren und den öffentlichen Diskurs darüber so nachhaltig zu bestimmen.
Und ohne diese Wirkungsmacht von Schindlers Liste gäbe es vermutlich auch nicht Roberto Benignis Das Leben ist schön. Der Film wagte mit seinem Versuch, die Kraft der Fantasie dem Grauen der Nazis entgegenzusetzen, alles – und gewann.
Großer Preis der Jury in Cannes, Oscar, Europäischer und Deutscher Filmpreis – Benigni fand eine Perspektive, die Menschen weltweit rührte und die seinem Medium der großen Illusionsmaschine mehr als gerecht wurde.











































