Muttertag des Grauens: Die 10 schlimmsten Filmmütter des Kinos

Muttertag des Grauens: Die 10 schlimmsten Filmmütter des Kinos

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 10. Mai 2026

Aktualisiert am 10. Mai 2026

Der Muttertag ist normalerweise der eine Sonntag im Jahr, an dem Menschen Blumen kaufen, WhatsApp-Nachrichten mit Herzen verschicken und kurz vergessen, wie viele passive-aggressive Kommentare ihre Mutter ihnen in den letzten dreißig Jahren gemacht hat. Filme haben allerdings schon sehr früh verstanden, dass Mutterschaft auch ganz anders aussehen kann. 

Während der Feiertag das Bild der warmherzigen, geduldigen Frau zelebriert, die immer das Richtige sagt, haben Regisseure und Drehbuchautoren jahrzehntelang eine ganz andere Figur erforscht: die Mutter, bei der man froh sein sollte, nicht ihr Kind zu sein. Diese zehn Filme zeigen, was passiert, wenn mütterliche Liebe irgendwo sehr falsch abbiegt. Wer sie gesehen hat, ruft danach garantiert bei seiner eigenen Mutter an – nicht aus schlechtem Gewissen, sondern aus purer, aufrichtiger Erleichterung, dass sie so ist, wie sie ist.

Margaret White betet, bestraft und liebt ihr Kind auf eine Weise, die einen noch Tage später nicht loslässt. Brian De Palmas Verfilmung des ersten Stephen-King-Romans ist auf dem Papier ein Horrorfilm über ein Mädchen mit Telekinese, aber eigentlich ist Carrie – Des Satans jüngste Tochter ein Film über das, was passiert, wenn religiöser Fanatismus und mütterliche Kontrolle so eng zusammenwachsen, dass kein Licht mehr durchkommt. Piper Laurie spielt Margaret mit einer Intensität, die Oscar-nominiert wurde und es verdient hatte – eine Frau, die genuinen Schrecken auslöst, ohne je eine Waffe in der Hand zu halten. Sissy Spacek als Carrie trägt die gesamte emotionale Last des Films, und man sieht ihr zu, wie sie langsam zerbricht, und glaubt ihr jede Stufe davon. Dass am Ende Blut fließt und Feuer brennt, ist nur die logische Konsequenz von allem, was Margaret angerichtet hat. Der Abschlussball ist ikonisch. Die Mutter dahinter ist es genauso.

02

Psycho
Psycho

Psycho

1960

Norman Bates hat ein Problem, und sein Problem wohnt im Haus hinter dem Motel. Alfred Hitchcocks Psycho ist der älteste Film auf dieser Liste und in gewisser Weise der Einzige, in dem die Mutter gar nicht wirklich existiert und trotzdem alles bestimmt. Was Hitchcock hier gebaut hat, ist eine psychologische Horrorgeschichte über das, was übrigbleibt, wenn Mutterliebe und Abhängigkeit so tief in jemanden eingebrannt sind, dass die Grenze zwischen zwei Menschen aufhört zu existieren. Anthony Perkins spielt Norman mit einer nervösen Sanftheit, die einem das Unbehagen umso tiefer in den Magen drückt, weil man ihn die ganze Zeit fast sympathisch findet. Der Film hat das Psychothriller-Genre so grundlegend geprägt, dass man heute kaum noch ermessen kann, wie radikal er 1960 war. Wer ihn zum ersten Mal sieht, wird die Duschszene erwarten und trotzdem nicht wirklich vorbereitet sein.

03

Freitag der 13.
Die meisten Leute denken bei Freitag der 13. an Jason Voorhees, an die Hockeymaske, an das ikonische Ki-ki-ki-ma-ma-ma. Das ist das Beste an diesem Film: Er lässt einen das glauben, bis er den Teppich wegreißt. Der eigentliche Killer ist Pamela Voorhees, eine Mutter, die den Tod ihres Sohnes nie verwunden hat und ihre Trauer in etwas Tödliches verwandelt hat. Betsy Palmer spielt sie mit einer Wärme, die umso verstörender wirkt, je klarer wird, was sie tut – man hört ihr beim Reden zu und begreift, dass sie selbst vollkommen überzeugt ist, das Richtige zu tun. Das ist das eigentliche Vermächtnis des Films, nicht das Franchise, das danach kam, sondern diese eine Performance einer Frau, deren Liebe zu ihrem Kind eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Als Slasher ist Freitag der 13. solide. Als Mutterfilm ist er erstaunlich.
Was Hereditary so unerträglich macht, ist nicht das Übernatürliche, das sich langsam durch den Film frisst, sondern die Familie darunter. Toni Collette spielt Annie Graham, eine Frau, die nicht nur um ihre Tochter trauert, sondern gleichzeitig mit dem Erbe ihrer eigenen Mutter kämpft – einem Erbe, das sich als weitaus konkreter herausstellt, als sie ahnte. Ari Asters Regiedebüt funktioniert in seiner ersten Hälfte als präzises Porträt von Trauer und familiärer Dysfunktion, bevor er in der zweiten Hälfte in etwas Dunkleres kippt, das man nicht mehr loswird. Collettes Performance gehört zu den besten des gesamten Horrorgenres: Sie ist laut, wo sie laut sein muss, und in den stillen Momenten noch beunruhigender. Dass am Ende die Frage offenbleibt, wo Trauma aufhört und Besessenheit anfängt, macht den Film schwerer loszulassen als jeden Jump-Scare. Hereditär ist das Wort für etwas, das vererbt wird. Der Titel lügt nicht.

05

Der Babadook
Amelia schläft nicht mehr richtig, seit ihr Mann gestorben ist, und ihr Sohn Samuel macht es nicht leichter. Jennifer Kents australischer Horrorfilm Der Babadook benutzt seine Kreatur als das, was sie ist: eine Metapher, die so präzise sitzt, dass man sie danach nicht mehr loswird. Die eigentliche Geschichte handelt von einer Frau, die unter der Last ihrer Trauer langsam zusammenbricht und deren unterdrückte Erschöpfung und Wut sich in etwas Greifbares verwandeln. Essie Davis trägt den Film auf Schultern, die sichtbar zittern, und macht aus Amelia eine der ehrlichsten Darstellungen von Muttersein im Kino der letzten zwanzig Jahre – nicht die liebende Heilige, nicht das Monster, sondern jemand, der gerade noch so die Oberfläche hält. Was Kent daraus baut, ist kein Film, der einem sagt, wie man Trauer richtig macht. Er zeigt nur, was passiert, wenn man sie nicht macht.

06

Ich seh, Ich seh
Wenn die eigene Mutter nach einer Gesichtsoperation mit Verbänden im Gesicht nach Hause kommt, ist das erstmal nichts Ungewöhnliches. Dass einer der beiden Söhne in Veit Helds österreichischem Horrorfilm trotzdem nicht glaubt, dass die Frau unter den Bandagen wirklich seine Mutter ist, schon eher. Ich seh, ich seh erklärt nichts davon, und genau das ist seine stärkste Eigenschaft. Der Film arbeitet mit einer Unruhe, die sich von der ersten Szene an aufbaut und nie wirklich auflöst, weil er dem Zuschauer konsequent verweigert, was Horrorfilme meistens versprechen: Gewissheit. Was die Mutter weiß, was sie tut, was sie ist – alles bleibt in einer Schwebe, die sich wie ein Druck hinter den Augen anfühlt. Dass man am Ende selbst nicht mehr sicher ist, wem man geglaubt hat, ist kein Fehler des Films, sondern sein eigentlicher Triumph. Ich seh, ich seh ist der leiseste Film auf dieser Liste. Er ist auch derjenige, der am längsten sitzt. Übrigens: Es gibt ein amerikanisches Remake mit Naomi Watts – Goodnight Mommy ist solide, aber wer das Original kennt, wird den Unterschied merken.
Mary Jones schlägt ihre Tochter. Sie tut es mit den Händen, mit Worten und mit einer jahrelangen, systematischen Demontage, die Lee Daniels' Film so unerträglich und so wichtig macht. Precious – Das Leben ist kostbar ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, aber er gehört auf diese Liste, weil das, was Precious jeden Tag erlebt, erschreckender ist als alles, was ein Drehbuch erfinden könnte. Mo'Nique spielt Mary mit einer physischen Präsenz, die ihr zu Recht den Oscar eingebracht hat: eine Frau, die selbst gebrochen wurde und diese Brüche an ihre Tochter weitergibt, ohne je zu begreifen, dass sie es tut. Gabourey Sidibe als Precious hält dagegen mit einer Würde, die einen gleichzeitig hoffnungsfroh macht und das Herz bricht. Dieser Film schaut nicht weg. Er zwingt den Zuschauer, dasselbe zu tun.
Diane Sherman ist eine aufopferungsvolle Mutter. Sie kocht, pflegt, unterrichtet ihre Tochter Chloe zu Hause und ist rund um die Uhr für sie da, was in Aneesh Chagantys Thriller Run – Du kannst ihr nicht entkommen nicht unbedingt beruhigend ist. Chloe sitzt im Rollstuhl und weiß seit jeher, dass sie ohne ihre Mutter nicht auskommt. Was sie nicht weiß, entdeckt sie erst, als sie anfängt, Fragen zu stellen, die Diane ihr lieber nicht beantwortet hätte. Sarah Paulson spielt diese Mutter mit einer Freundlichkeit, die sich von Szene zu Szene enger um einen legt, und genau darin liegt die eigentliche Stärke des Films: Der Horror kommt nicht als Schock, sondern als langsam wachsendes Begreifen, dass Fürsorge und Kontrolle manchmal kaum zu unterscheiden sind. Wer glaubt, Mutterliebe könne per Definition nichts Schlimmes sein, wird hier eines Besseren belehrt.

09

Coraline
Coraline

Coraline

2009

Die „andere Mutter" lächelt sehr viel. Sie kocht, hört zu und sorgt dafür, dass alles genau so ist, wie Coraline es sich immer gewünscht hat, was in Henry Selicks Animationsfilm Coraline natürlich der Moment ist, in dem man anfangen sollte, sehr vorsichtig zu sein. Die Bedrohung kommt hier nicht mit Klauen und Schreien, sondern mit perfekter Freundlichkeit, die einen Preis hat, und genau das macht sie so effektiv. Selicks Stop-Motion-Welt ist atemberaubend anzuschauen, aber Neil Gaimans Geschichte darunter ist die eines Kindes, das begreift, dass bedingungslose Liebe manchmal eine Falle ist. Offiziell ist Coraline ein Kinderfilm. Dass er sich trotzdem ins Gedächtnis brennt wie kaum ein anderer Horrorfilm, sagt eigentlich alles.
Eva hat ihren Sohn nicht ermordet. Sie hat ihn zur Welt gebracht, versucht ihn zu lieben, ist daran gescheitert, es erneut versucht und am Ende zugesehen, wie er etwas Unvorstellbares tut. Lynne Ramsays We Need to Talk About Kevin ist der einzige Film auf dieser Liste, in dem die Mutter das Opfer ist und gleichzeitig die Einzige, die sich fragt, ob sie selbst schuld daran ist. Tilda Swinton spielt Eva als eine Frau, die permanent in einer Art innerem Verhör mit sich selbst lebt, und diese Ruhelosigkeit ist körperlich spürbar in jeder Szene. Der Film gibt keine Antworten darauf, ob Kevin so geboren wurde oder so gemacht wurde. Er lässt diese Frage bewusst offen und macht damit etwas, das viele Horrorfilme anstreben und kaum einer schafft: echtes, dauerhaftes Unbehagen. Dass Eva am Ende trotzdem wiederkommt, ist der eindringlichste Moment des gesamten Films. Und der menschlichste.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

15,45 €

Gesamtlaufzeit

17h 18min

Genres

Drama, Horror, Mystery & Thriller

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