
Warum „Vaiana“ in den USA „Moana“ heißt – die Geschichte hinter der Namensänderung
Seit dem 9. Juli läuft die Realverfilmung Vaiana (2026) in den deutschen Kinos. Doch warum heißt Disneys Heldin hierzulande eigentlich Vaiana, während sie im Rest der Welt meist als Moana bekannt ist? Die Antwort führt zu Markenrecht – und zu einer pikanten Geschichte aus Italien.

Als Disney seinen großen Südsee-Film Moana (2016) für den weltweiten Start vorbereitete, stellte sich in mehreren Ländern eine unerwartete Frage: Konnte die Heldin überall denselben Namen tragen? Offenbar nicht. Während sie in den USA, Kanada und weiten Teilen Asiens bis heute Moana heißt, wurde sie in Deutschland, Frankreich, Spanien und vielen weiteren europäischen Ländern zu Vaiana. Offiziell begründete Disney die Namensänderung mit rechtlichen, genauer gesagt markenrechtlichen Gründen. Rund um die Umbenennung hält sich allerdings bis heute eine weitere Geschichte: In Italien soll auch die große Bekanntheit der Erotikdarstellerin Moana Pozzi eine Rolle gespielt haben.
Der Wunschname war längst vergeben
Der nüchternste Teil der Geschichte spielt sich im Markenregister ab. Als der Animationsfilm Moana weltweit in die Kinos kommen sollte, stieß Disney in mehreren europäischen Ländern auf markenrechtliche Hürden. Welche konkrete Marke oder welcher Rechtskonflikt dahinterstand, hat der Konzern bis heute nie öffentlich gemacht. Bestätigt wurde lediglich – unter anderem von Disneys spanischer Niederlassung –, dass der Name in Spanien und weiteren europäischen Ländern bereits markenrechtlich problematisch war.

Anstatt einen langwierigen Rechtsstreit zu riskieren, entschied sich Disney für eine pragmatische Lösung: In Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, den Niederlanden, Skandinavien und weiteren Teilen Europas wurde aus Moana kurzerhand Vaiana.
Aus den rechtlichen Hürden entstand am Ende eine Lösung, die erstaunlich gut zur Figur passte. Moana bedeutet in mehreren polynesischen Sprachen so viel wie „Meer“ oder „offener Ozean“ und beschreibt damit genau die Reise der jungen Häuptlingstochter, die das schützende Riff ihrer Heimatinsel hinter sich lässt. Auch Vaiana greift diesen Bezug zum Wasser auf: Der Namensbestandteil „vai“ bedeutet in mehreren polynesischen Sprachen „Wasser“. So blieb die enge Verbindung der Heldin zum Ozean trotz des neuen Namens erhalten. Welcher Name schließlich auf dem Kinoticket stand, hing deshalb weniger von der Geschichte als vom jeweiligen Land ab.
Der italienische Sonderfall
Richtig pikant wird die Geschichte erst südlich der Alpen. Dort ist Disney sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat nicht nur den Namen der Heldin, sondern auch den Filmtitel geändert. Während sie in Italien wie in vielen anderen europäischen Ländern Vaiana heißt, läuft der Film dort unter dem Titel Oceania.
Auslöser dafür soll eine Namensvetterin gewesen sein, die kaum weiter von einem Kinderfilm entfernt sein könnte. Moana Pozzi, die in den 1980er-Jahren als Erotikdarstellerin berühmt wurde, war in Italien weit über die Branche hinaus eine bekannte Figur der Popkultur. Ihr Vorname ist dort so eng mit ihr verbunden, dass Disney ihn für einen Familienfilm lieber vermieden habe.
Offiziell bestätigt hat Disney diesen Zusammenhang allerdings nie und verwies stattdessen lediglich auf rechtliche, genauer gesagt markenrechtliche Gründe. In der italienischen Berichterstattung gilt Moana Pozzi dennoch bis heute als ein möglicher Auslöser für die Umbenennung.
Was hinter der Vorsicht steckt
So skurril die einzelnen Fälle wirken, sie folgen einer klaren Logik. Ein Film dieser Größenordnung startet gleichzeitig in Dutzenden Ländern – jedes mit eigenen Markenrechten, eigenen Sprachräumen und eigenen kulturellen Besonderheiten. Ein Name, der in Hollywood problemlos funktioniert, kann anderswo längst geschützt sein oder unerwünschte Assoziationen wecken. Disney versucht, solche Konflikte möglichst schon vor dem Kinostart zu vermeiden – notfalls mit unterschiedlichen Titeln oder Figurennamen für ein und denselben Film.

Für das Publikum bleibt dieser Aufwand meist unsichtbar. Erst wer im Ausland ins Kino geht oder zwischen den Länderversionen eines Streamingdienstes wechselt, merkt plötzlich, dass dieselbe Heldin dort einen anderen Namen trägt. In Deutschland ändert sich dagegen auch mit der Realverfilmung nichts: Vaiana läuft hierzulande weiterhin unter dem Namen, den das Publikum seit 2016 kennt. International bleibt sie dagegen für die meisten Zuschauer Moana – dieselbe Heldin, dieselbe Geschichte, nur mit einem anderen Namen.































