Die 10 meistunterschätzten Dramedys der vergangenen zehn Jahre

Die 10 meistunterschätzten Dramedys der vergangenen zehn Jahre

Veröffentlicht am25. September 2026

Aktualisiert am25. September 2026

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Wenn das Leben gleichzeitig komisch, traurig und gelegentlich ziemlich absurd wirkt, landet man schnell bei der Dramedy. Kaum ein Genre eignet sich besser dafür, Figuren nicht nur durch ihre Krisen, sondern auch durch ihre Widersprüche zu zeigen. In den vergangenen zehn Jahren sind zahlreiche Filme und Serien erschienen, die diese Mischung besonders gut beherrschen, aber trotzdem vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommen haben. 

Unser Artikel versammelt zehn dieser Produktionen, die trotz starker Kritiken, prominenter Besetzungen oder ungewöhnlicher Ideen leicht übersehen wurden. Manche sind rabenschwarz, andere warmherzig, einige ausgesprochen mutig. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Komik nicht neben dem Drama steht, sondern unmittelbar daraus resultiert. Wer Dramedys mag, die gleichzeitig komisch, traurig und manchmal ziemlich unbequem sind, findet hier zehn sehr unterschiedliche Empfehlungen.

01

Flowers
Flowers

Flowers

2016

Flowers (2016) beginnt mit einer Familie, bei der die üblichen Sitcom-Reparaturversuche längst nicht mehr ausreichen. Kinderbuchautor Maurice Flowers (Julian Barratt) leidet unter schweren Depressionen, seine Frau Deborah (Olivia Colman) versucht verzweifelt, ihre bröckelnde Ehe zusammenzuhalten, und die erwachsenen Zwillinge Amy (Sophia Di Martino) und Donald (Daniel Rigby) tragen ihre eigenen Neurosen durch das ohnehin chaotische Familienhaus. Serienschöpfer Will Sharpe findet dafür einen Ton, der schwarzen Humor, Surrealismus und echte Verzweiflung erstaunlich selbstverständlich zusammenbringt. Psychische Erkrankungen werden nie zur Pointe, wohl aber die grotesken Situationen, die entstehen, weil diese Familie kaum vernünftig miteinander reden kann. Kidding (2018) behandelt später ähnlich schwere Themen mit vergleichbarer Lust am Absurden, wirkt dabei aber wesentlich kontrollierter. Wer britischen Humor dort am interessantesten findet, wo das Lachen bereits ein wenig unangenehm wird, bekommt mit Flowers eine der eigenwilligsten Serien dieser Liste.
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02

So ist das nicht
So ist das nicht

So ist das nicht

2026

So ist das nicht (2026) schlägt deutlich wärmere Töne an. Pastor Malcolm Jeffries (Scott Foley) muss nach dem Tod seiner Frau drei Kinder allein großziehen, während Lori Soto (Erinn Hayes), die beste Freundin seiner verstorbenen Frau, nach ihrer Scheidung selbst versucht, mit zwei Kindern einen neuen Alltag aufzubauen. Weil beide Familien seit Jahren eng miteinander verbunden sind, entwickelt sich aus gegenseitiger Unterstützung langsam eine Nähe, die ihre bisherige Beziehung infrage stellt. Die Serie macht daraus erfreulicherweise kein künstlich aufgeblähtes Liebesdrama, sondern interessiert sich stärker für Familie, Trauer, Glauben und die Frage, wie Erwachsene nach einem Verlust wieder Platz für etwas Neues schaffen. After Life (2019) verarbeitet Trauer wesentlich bissiger und schwärzer, während So ist das nicht eher auf Wärme und leise Komik setzt. Gerade deshalb ist die erst 2026 gestartete Serie eine gute Wahl für alle, die Dramedys lieber tröstlich als zynisch mögen.

03

After Life
After Life

After Life

2019

After Life (2018) beginnt an einem Punkt, an dem Tony Johnson (Ricky Gervais) mit seinem bisherigen Leben eigentlich abgeschlossen hat. Nach dem Tod seiner Frau Lisa (Kerry Godliman) verliert der Lokaljournalist jeden Grund, auf andere Menschen noch besondere Rücksicht zu nehmen, und erklärt seine neue Rücksichtslosigkeit kurzerhand zu einer Art persönlicher Freiheit. Ricky Gervais schrieb und inszenierte die Serie nicht nur, sondern nutzt seine typische Mischung aus Zynismus und Fremdscham, um Trauer erstaunlich direkt zu behandeln. Entscheidend ist allerdings, dass Tony mit seiner Weltsicht nie vollständig recht bekommt. Die schrulligen Menschen um ihn herum erweisen sich nach und nach als genau jene Verbindung zur Welt, die er eigentlich gekappt hatte. Gegenüber Flowers ist After Life konventioneller erzählt und deutlich sentimentaler, trifft seine emotionalen Höhepunkte dafür oft sehr präzise. Drei kompakte Staffeln machen die Serie besonders attraktiv für alle, die schwarzen Humor mögen, aber keine vollkommen hoffnungslose Geschichte sehen möchten.

Obwohl Amerikanische Fiktion (2023) zu den namhaftesten Titeln dieser Liste zählt, blieb dem Werk abseits eines anspruchsvollen Cineasten-Publikums die gebührende Beachtung weitgehend verwehrt. Thelonious „Monk“ Ellison (Jeffrey Wright) ist Schriftsteller und Literaturprofessor, dessen anspruchsvolle Bücher kaum Käufer finden. Aus Frust schreibt er unter Pseudonym einen Roman, der genau jene Klischees über Schwarzes Leben bedient, die er besonders verachtet. Und plötzlich wird er zum gefeierten Literaturstar. Regisseur und Drehbuchautor Cord Jefferson begnügt sich dabei nicht mit einer Satire auf den Literaturbetrieb, sondern zeigt ebenso, wie widersprüchlich Monk selbst mit seiner Familie und seinem eigenen Selbstbild umgeht. Kevin can F himself (2021) nimmt ebenfalls vertraute Erzählmuster auseinander, nur mit anderen Mitteln: Die Serie wechselt zwischen klassischer Sitcom und düsterem Drama und zeigt, wie anders dieselben Figuren und Situationen wirken, sobald das künstliche Gelächter verstummt.

05

Mid90s
Mid90s

Mid90s

2018

Mid90s (2018) sieht zunächst wie eine nostalgische Erinnerung an Skateboards, VHS-Kassetten und die Popkultur der Neunziger aus. Jonah Hills Regiedebüt ist dafür jedoch viel zu rau und unsentimental. Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) wächst in Los Angeles mit seiner Mutter und seinem aggressiven älteren Bruder Ian (Lucas Hedges) auf und sucht schließlich Anschluss bei einer Clique älterer Skater. Hill interessiert sich dabei weniger für deren Coolness als für Stevies verzweifelten Wunsch, endlich irgendwo dazuzugehören. Genau deshalb zeigt der Film auch, wie schnell aus Bewunderung Gruppendruck wird und wie eng Freundschaft, Männlichkeitsrituale und Selbstüberschätzung beieinanderliegen können. The Holdovers (2023) erzählt ebenfalls von einem Jugendlichen, der seinen Platz sucht, stellt ihm aber Erwachsene zur Seite, die sich irgendwann ihrer Verantwortung stellen. Stevie muss vieles dagegen selbst herausfinden. Gerade diese Härte macht Mid90s zu einem der glaubwürdigeren Coming-of-Age-Filme der vergangenen Jahre.

06

In den Gängen
In den Gängen

In den Gängen

2018

In den Gängen (2018) braucht weder spektakuläre Wendungen noch besonders redselige Figuren, um einen erstaunlich eigenen kleinen Kosmos zu erschaffen. Christian (Franz Rogowski) beginnt einen neuen Job in einem Großmarkt, wo ihn der erfahrene Bruno (Peter Kurth) in die Regeln der Getränkeabteilung einführt. Zwischen meterhohen Regalen, Gabelstaplern und Nachtschichten lernt Christian außerdem Marion (Sandra Hüller) aus der Süßwarenabteilung kennen. Thomas Stuber macht aus diesem unscheinbaren Arbeitsplatz eine Welt mit eigenen Ritualen, Hierarchien und stillen Sehnsüchten. Der Humor steckt in beiläufigen Bemerkungen und der fast feierlichen Ernsthaftigkeit, mit der alltägliche Aufgaben erledigt werden. Champions (2023) erzählt ebenfalls davon, wie Menschen über eine zunächst rein funktionale Gemeinschaft zueinanderfinden, setzt dabei aber wesentlich stärker auf klassische Wohlfühlmechanismen. In den Gängen bleibt sperriger, trauriger und konsequent leise. Wer Sandra Hüller und Franz Rogowski in einem der ungewöhnlichsten deutschen Filme des vergangenen Jahrzehnts erleben möchte, sollte dieser Perle eine Chance geben.

07

Kevin can F himself
Kevin can F himself (2021) macht seine besondere Prämisse schon mit dem ersten Stilwechsel unmissverständlich klar. Sobald Allison McRoberts (Annie Murphy) gemeinsam mit ihrem Ehemann Kevin (Eric Petersen) im Mittelpunkt steht, sieht die Serie wie eine klassische Multi-Camera-Sitcom aus: grelles Licht, breite Pointen und Gelächter vom Band. Sobald Kevin aus dem Bild verschwindet und Allison allein zurückbleibt, kippt die Inszenierung ins düstere Drama. Plötzlich wird sichtbar, wie frustrierend und bedrückend ihr vermeintlich komischer Ehealltag tatsächlich ist. Nachbarin Patty O’Connor (Mary Hollis Inboden) wird dabei zu einer der wenigen Figuren, die zwischen beiden Welten vermittelt. Während Amerikanische Fiktion zeigt, wie bereitwillig stereotype Geschichten über Schwarzes Leben vermarktet werden, fragt Kevin can F himself, warum toxisches Verhalten in klassischen Sitcoms so lange als harmloser Witz durchgehen konnte. Gerade dieser Kniff macht die Serie ungewöhnlich und zwingt uns dazu, vertraute Fernsehkonventionen mit anderen Augen zu betrachten.

08

Champions
Champions

Champions

2023

Champions (2023) bewegt sich auf vertrauterem Terrain. Marcus (Woody Harrelson), ein ebenso talentierter wie hitzköpfiger Basketballtrainer, muss nach mehreren Fehltritten Sozialstunden ableisten und übernimmt deshalb das Training einer Mannschaft von Spielern mit intellektueller Behinderung. Dass daraus eine Geschichte wird, in der auch der Trainer etwas lernt, überrascht niemanden. Interessanter ist, wie Bobby Farrelly mit dieser bekannten Dramaturgie umgeht. Die Mitglieder des Teams werden von Schauspielern mit Behinderungen gespielt und bekommen genügend Raum, um nicht bloß als pädagogische Stichwortgeber für Marcus zu fungieren. Gerade diese Besetzung hebt Champions von vielen ähnlich gestrickten Feelgood-Filmen ab. The Holdovers erzählt ebenfalls von einem Erwachsenen, der erst lernen muss, anders mit den Menschen um ihn herum umzugehen, bleibt dabei aber deutlich zurückhaltender und weniger vorhersehbar. Champions ist geradliniger und stärker auf Wohlfühlmomente ausgerichtet. Wer eine warmherzige Sport-Dramedy mit viel Herz und einem sympathischen Cast sucht, liegt hier richtig.

09

Kidding
Kidding

Kidding

2018

Kidding (2018) nutzt Jim Carreys öffentliche Persona fast so geschickt wie seine schauspielerischen Fähigkeiten. Jeff Piccirillo (Jim Carrey) ist unter dem Namen Mr. Pickles der freundliche Star einer erfolgreichen Kindersendung, in der für jedes Problem eine Geschichte, eine Puppe oder eine verständliche Lektion bereitsteht. Privat funktioniert diese Logik nicht mehr. Nach einer Familientragödie zerbricht Jeffs bisheriges Leben, während sein Vater und Produzent Sebastian (Frank Langella) gleichzeitig versucht, die makellose Fernsehfigur Mr. Pickles zu schützen. Michel Gondry inszeniert Kidding mit Puppen, surrealen Bildern und schwarzem Humor, ohne Jeffs Krise ins Lächerliche zu ziehen. Im Vergleich zu Flowers ist die Serie weniger chaotisch und stärker auf eine einzelne Figur konzentriert. Besonders stark ist Jim Carrey, der hier weit entfernt von seinem früheren Slapstick spielt und Jeffs Zusammenbruch erstaunlich subtil darstellt. Wer Carrey vor allem aus harmlosen Komödien kennt, wird ihn in Kidding völlig neu entdecken.
The Holdovers (2023) sieht aus, klingt und fühlt sich stellenweise an wie ein Film, der fünf Jahrzehnte lang unentdeckt im Archiv gelegen hat. Im Mittelpunkt steht Paul Hunham (Paul Giamatti), ein unbeliebter Lehrer an einem Internat in Neuengland, der über die Weihnachtsferien den Schüler Angus Tully (Dominic Sessa) beaufsichtigen muss. Gemeinsam mit der Schulköchin Mary Lamb (Da’Vine Joy Randolph), die um ihren im Vietnamkrieg gefallenen Sohn trauert, sitzen sie über die Feiertage auf dem fast verlassenen Campus fest. Alexander Payne macht daraus keinen gemütlichen Weihnachtsfilm, sondern eine Geschichte über drei Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen nirgendwo so recht dazugehören. Wie Mid90s erzählt auch The Holdovers von einem Jugendlichen, der nach Halt sucht. Stevie findet ihn bei einer Clique Gleichaltriger, Angus ausgerechnet bei einem Lehrer, den er zunächst kaum ausstehen kann. Gerade dieser Gegensatz macht Paynes Film so interessant: Aus dem klassischen Konflikt zwischen Schüler und Lehrer wird nach und nach eine ungewöhnliche Freundschaft, ohne dass einer von beiden dafür plötzlich ein anderer Mensch werden muss.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

10,95 €

Gesamtlaufzeit

51h 3min

Genres

Drama, Komödien, Produziert in Europa

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