
„Mayday“ hat mehr „Top Gun“-DNA, als man denkt: Sogar Tom Cruise musste eine Szene absegnen
Wer 1987 in der Sowjetunion eine Raubkopie von Top Gun (1986) mehr als hundertmal schaut, dürfte für amerikanische Popkultur einiges übrig haben. Nikolai Ustinov (Kenneth Branagh), ehemaliger KGB-Agent in Mayday (2026), liebt westliche Filme und Musik und kennt Tom Cruises Fliegerhit fast auswendig. Dann stürzt Troy „Assassin“ Kelly (Ryan Reynolds) in seinem Land ab, und plötzlich steht genau so ein US-Navy-Pilot in seinem Haus, wie Nikolai ihn bislang nur aus Hollywood kannte. Seit dem 4. September läuft die Actionkomödie bei Apple TV, und die Regisseure John Francis Daley und Jonathan Goldstein haben rund um den Start erzählt, wie stark Top Gun die Entstehung von Mayday beeinflusst hat. Während Top Gun: Maverick (2022) Daley und Goldstein wieder an den Kultstatus amerikanischer Navy-Piloten erinnerte, durfte Troy innerhalb der Geschichte selbst noch vom Erfolg des Originals profitieren. Für einen echten Ausschnitt aus dem ersten Film brauchten die Regisseure am Ende sogar Tom Cruises Zustimmung.
Am Anfang von „Mayday“ stand noch gar kein Fliegerfilm
Daley und Goldstein arbeiteten zunächst mit einer ganz anderen Grundidee. Sie stellten sich eine komische Variante von Misery (1990) vor: Ein verletzter Mann ist auf jemanden angewiesen, dessen Begeisterung für ihn allmählich etwas unheimlich wird. Aus diesem Gedanken entwickelte sich Nikolai, nur sollte dessen Begeisterung nicht einem bestimmten Menschen gelten, sondern Amerika. Während die Regisseure daran arbeiteten, wurde Top Gun: Maverick zum Kinohit und rückte den amerikanischen Navy-Piloten wieder ins Rampenlicht. Ein Mann wie Troy passte bestens zu Nikolais Amerika-Schwärmerei, weil schon sein Beruf all das mitbringt, was Nikolai an amerikanischen Filmen liebt. Aus der Begegnung wurde so kein zweites Top Gun, sondern eine ziemlich verkehrte Kalter-Krieg-Situation: Der gefeierte Pilot sitzt plötzlich ohne Maschine bei einem früheren KGB-Agenten fest und braucht ausgerechnet dessen Hilfe.
1987 ist Troy zu Hause fast schon ein kleiner Star
Für diese Idee ist das Jahr 1987 ziemlich praktisch. Top Gun war gerade erst zum Kinohit geworden, und Daley zufolge profitiert Troy ganz konkret davon, dass Navy-Piloten plötzlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Früh im Film zieht er mit seinen Kameraden durch San Diegos Gaslamp Quarter, wo die Männer beinahe wie Prominente behandelt werden. Troy genießt das sichtbar, denn Zurückhaltung gehört ohnehin nicht zu seinen größten Talenten. In der Sowjetunion hilft ihm dieser Status allerdings überhaupt nicht weiter. Dort kennt niemand den coolen Amerikaner aus San Diego, sein Flugzeug ist weg, und ausgerechnet Nikolai weiß besser als er, wie man ihn lebend aus der Sache herausbekommt. Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) und Troy teilen damit vor allem eines: Beide treten mit dem Selbstbewusstsein von Männern auf, die ziemlich genau wissen, wie gut sie fliegen können. Mayday nimmt Troy nur sehr viel schneller das Cockpit weg.
Nikolais „Top Gun“-Liebe macht die Begegnung noch schräger
Nikolai erlebt denselben Film von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs. Seine VHS ist 1987 kein nostalgischer Schatz, sondern die illegale Kopie eines brandneuen Hollywoodhits, den er nach Aussage der Regisseure mehr als hundertmal gesehen hat. Entsprechend begeistert ist er, als plötzlich ein echter Navy-Pilot bei ihm auftaucht. Troy passt auf den ersten Blick perfekt in das Amerika, das Nikolai sich aus Filmen, Musik und anderen westlichen Importen zusammengesetzt hat. Nur fällt die Realität schnell etwas weniger glamourös aus: Der Amerikaner braucht Hilfe, kennt das Land kaum und muss sich auf jemanden verlassen, den er wegen dessen KGB-Vergangenheit zunächst eher misstrauisch betrachtet. Nikolai kennt amerikanische Kampfpiloten zu diesem Zeitpunkt vor allem aus Top Gun und bekommt nun einen echten ins Haus, der gerade wesentlich weniger souverän durch seine Mission kommt als Maverick im Kino.
Für Nikolais Fernseher brauchte es Tom Cruises Erlaubnis
Als Nikolai seinen Lieblingsfilm einschaltet, läuft dort tatsächlich Material aus Top Gun. Daley und Goldstein konnten diese Bilder nicht einfach verwenden, sondern mussten Tom Cruise um Erlaubnis bitten. Persönlich gesprochen haben sie nach eigener Aussage nicht mit ihm; die Anfrage wurde weitergereicht, Cruise kannte den Zusammenhang und soll das Drehbuch gelesen haben, bevor er zustimmte. Auch bei den Flugaufnahmen half Erfahrung aus Top Gun: Maverick: Einer der Mayday-Editoren hatte zuvor an Cruises Sequel gearbeitet und kannte die besonderen Anforderungen solcher Szenen. Einen Monat lang nahm das Team echte Flugzeuge in Südfrankreich auf, passte die Maschinen später digital an und holte unter anderem zwei ehemalige SR-71-Piloten als Berater dazu. Selbst bei den Kamerapositionen blieb man so bodenständig wie möglich: Gefilmt werden sollte nur aus Winkeln, an denen bei einem echten Flug tatsächlich eine Kamera befestigt werden könnte. So reicht die Top Gun-Verbindung am Ende weit über Nikolais alte VHS hinaus - bis direkt hinter die Kamera






























