
Steven Spielbergs neues Horrorprojekt erklärt: Was steckt hinter „The Mandela Catalogue“?
Hollywood sucht das nächste Backrooms (2026) – und hat es vielleicht gefunden. Anfang Juli 2026 wurde bekannt, dass Steven Spielberg die virale YouTube-Horrorserie The Mandela Catalogue (2026) als Kinofilm produziert. Nach einem Bieterkampf zwischen elf Studios sicherten sich Spielbergs Amblin Entertainment, Scott Stubers United Artists und die Amazon MGM Studios die Rechte. Regie führt Serienerfinder Alex Kister selbst, das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Tyler Clifton. Für ein Werk, das ein einzelner Teenager im Sommer 2021 auf seinem Handy zu schneiden begann, ist das ein bemerkenswerter Aufstieg. Doch was genau ist The Mandela Catalogue – und warum löst die Nachricht solche Aufregung aus? Ein Überblick über die Serie, ihren Hintergrund und wo man sie sehen kann.
Was „The Mandela Catalogue“ erzählt
Die Serie spielt im fiktiven Mandela County im US-Bundesstaat Wisconsin, hauptsächlich in den frühen 1990er und späten 2000er Jahren. Die Region wird von Wesen heimgesucht, die „Alternates“ genannt werden: gestaltwandelnde, nahezu unsterbliche Kreaturen, die die Gestalt von Menschen annehmen können.

Ihr Ziel ist es, die Menschheit auszulöschen, indem sie ihre Opfer psychisch zermürben und häufig in den Suizid treiben. Angeführt werden sie von einer verzerrten Gestalt, die sich als Erzengel Gabriel ausgibt – stark angedeutet wird, dass es sich in Wahrheit um Satan handelt. Die Alternates manipulieren Fernseher, Computer und GPS-Geräte. Die Serie verhandelt biblische und mystische Motive und macht das Ur-Motiv des Doppelgängers zu ihrem Kern: die Angst, dass ein geliebter Mensch bereits ersetzt sein könnte.
Ein Teenager, ein Handy, ein Phänomen
Erschaffen wurde The Mandela Catalogue vom damals 17-jährigen Alex Kister aus Richfield, Wisconsin, der die ersten Folgen im Sommer 2021 als kurze Videos produzierte. Der erste Kurzfilm, „Overthrone“, erschien am 9. Juni 2021. Die Serie gehört zum Subgenre des Analog-Horrors: Die Folgen imitieren Found-Footage-Material, alte VHS-Kassetten, Notfallsendungen und Überwachungsaufnahmen. Der erste Akt ist in VHS-Optik gehalten, der zweite im Stil früher Digitalvideos – passend zum Wandel der dargestellten Zeit.

Insgesamt besteht das Werk aus dreizehn Kurzfilmen und sechs „Volumes“ in zwei Akten. Über ihre offiziellen Folgen hat die Serie mehr als 100 Millionen Aufrufe gesammelt und gilt neben Local 58 und The Backrooms als eines der prägendsten Werke des Genres. Populär wurde sie auch durch Reaktions- und Analysevideos anderer YouTuber.
Wo man „The Mandela Catalogue“ kostenlos sieht
Die gute Nachricht für Neugierige: The Mandela Catalogue ist vollständig und kostenlos auf YouTube verfügbar. Alle offiziellen Folgen stehen auf dem Kanal von Alex Kister. Wer sich auf das Phänomen einlassen will, sollte mit „Overthrone“ und Vol. 1 beginnen und die Folgen in Veröffentlichungsreihenfolge schauen, da die Serie ihre Geschichte nicht linear, sondern in Bruchstücken erzählt. Ein Kinostart des Spielberg-Films steht bisher nicht fest.

Bis dahin bleibt der Originalstoff die einzige Möglichkeit, in die Welt der Alternates einzutauchen – und angesichts der düsteren Themen empfiehlt sich das nicht für schwache Nerven. Der Film soll traditionelle Realfilm- und Found-Footage-Elemente verbinden und vor allem eines erzeugen: bleibende Angst.
Warum gerade jetzt: der Analog-Horror-Boom
Die Spielberg-Nachricht fällt in eine Zeit, in der Hollywood den viralen Internet-Horror für sich entdeckt. Den Weg bereitete Backrooms, die A24-Verfilmung von Kane Parsons’ YouTube-Serie, die weltweit über 330 Millionen US-Dollar einspielte und zum erfolgreichsten Titel in der Geschichte des Studios wurde. Parsons war bei Drehbeginn erst 20 Jahre alt. Sein Erfolg zeigte den Studios, dass sich aus kostenlosen Internet-Serien mit treuer Fangemeinde profitable Kinofilme machen lassen.

The Mandela Catalogue ist der nächste logische Schritt – und mit Spielberg als Produzent der bislang prominenteste. Der Analog-Horror lebt von niedriger Bildqualität, kryptischen Botschaften und dem Verzicht auf klassische Schockmomente. Statt lauter Schreckeffekte setzt er auf ein schleichendes Gefühl, dass mit der vertrauten Wirklichkeit etwas nicht stimmt.
Der direkte Vergleich
Der direkte Vergleichsfall und vielleicht auch der Grund, warum The Mandela Catalogue überhaupt verfilmt wird. Backrooms von Regisseur Kane Parsons basiert auf der gleichnamigen Creepypasta und Parsons’ eigener YouTube-Serie. Der Film erzählt von einer geheimnisvollen Tür im Keller eines Möbelhauses, die in ein endloses Labyrinth aus leeren, gelblich ausgeleuchteten Räumen führt. In den Hauptrollen sind Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve zu sehen. In den USA startete der Film am 29. Mai 2026, in Deutschland am 18. Juni 2026 im Verleih der Constantin Film. Wer verstehen will, warum Studios plötzlich um YouTube-Horror kämpfen, kommt an diesem Film nicht vorbei – er ist der kommerzielle Beweis, dass das Genre auf der großen Leinwand funktioniert.
Wer den Analog-Horror in Reinform sucht, landet bei Skinamarink (2023), dem experimentellen Debüt von Kyle Edward Ball. Der Film erzählt von zwei kleinen Kindern, die nachts aufwachen, ihren Vater nicht mehr finden und feststellen, dass auch Türen und Fenster aus ihrem Haus verschwunden sind. Ball arbeitet fast ausschließlich mit Dunkelheit, Bildrauschen, kindlicher Hilflosigkeit und dem Gefühl, dass der vertrauteste Ort der Welt plötzlich keine Sicherheit mehr bietet. Klassische Handlung, Erklärung und Auflösung sucht man vergebens – der Film spaltet die Kritik genau deshalb. Wie The Mandela Catalogue versteht Skinamarink den vertrauten Raum selbst als den eigentlichen Horror und verzichtet konsequent auf schnelle Schockmomente zugunsten eines zermürbenden Grauens.
Etwas abseits des reinen Analog-Horrors, aber thematisch eng verwandt: I Saw the TV Glow (2024) von Jane Schoenbrun. Der Film erzählt von zwei einsamen Jugendlichen, deren Bindung an eine mysteriöse Fernsehserie ihr Verhältnis zur eigenen Realität verändert. Popkultur wird hier zum Zufluchtsort und zugleich zum Riss in der Oberfläche des Alltags. Die Nähe zu The Mandela Catalogue liegt im Motiv der manipulierten Medien und einer Wirklichkeit, die sich langsam falsch anfühlt: Wo Kisters Serie den Doppelgänger-Horror aus Fernsehsignalen schöpft, macht Schoenbrun aus alten Fernsehbildern und verdrängten Sehnsüchten einen stillen Albtraum. Das ist weniger unmittelbar unheimlich, dafür emotional umso schmerzhafter – ein Film über die Angst, im falschen Leben gefangen zu sein.







