Was passiert eigentlich im KitKatClub Berlin? Diese neue Doku lässt jetzt (fast) alle rein

Was passiert eigentlich im KitKatClub Berlin? Diese neue Doku lässt jetzt (fast) alle rein

Veröffentlicht am20. August 2026

Aktualisiert am20. August 2026

Add us on

Über den Berliner KitKatClub gibt es unzählige Geschichten. Wie es sich dort wirklich anfühlt, wissen allerdings vor allem diejenigen, die an der Tür vorbeikommen. Fetisch-Outfits, Sex, BDSM und eine strenge Einlasspolitik gehören längst zum Mythos des Clubs. Was hinter den Türen passiert, bleibt dagegen weitgehend dort. Fotos und Videos aus dem Inneren sind selten, denn Privatsphäre gehört hier nicht zum netten Zusatz, sondern zum Konzept. Wer feiert, soll bloß nicht damit rechnen müssen, am nächsten Morgen irgendwo auf einem Handyvideo aufzutauchen.

Umso ungewöhnlicher ist KitKatClub – Kinks of Berlin (2026). Regisseur Philipp Fussenegger durfte mit seiner Kamera dorthin, wo Kameras normalerweise unerwünscht sind, und begleitet mehrere Menschen durch Nächte, Beziehungen und sehr unterschiedliche Formen von Sexualität. Der Dokumentarfilm startet am 10. September 2026 in den deutschen Kinos und ist ab 18 Jahren freigegeben – jeden lässt das KitKat also auch dieses Mal nicht rein. Wer bislang aber vor allem wissen wollte, „was da drinnen eigentlich passiert“, bekommt Bilder zu sehen, die sonst fast ausschließlich den Menschen vorbehalten bleiben, die tatsächlich hineinkommen.

Die Doku zeigt Sex, aber sie macht daraus keine Freakshow

Natürlich wäre es leicht gewesen, einen Film über das KitKatClub-Publikum vor allem über möglichst spektakuläre Bilder zu verkaufen. Im Club können Menschen offen Sex haben, BDSM gehört ebenso zu seiner Kultur wie Fetisch, Drag und andere Formen sexueller oder körperlicher Selbstinszenierung. KitKatClub – Kinks of Berlin versteckt all das nicht. Fussenegger scheint sich aber stärker dafür zu interessieren, was hinter diesen Nächten steckt. Der Film begleitet Menschen, die hier etwas ausprobieren, das ihnen außerhalb des Clubs schwerer möglich wäre: neue Seiten ihrer Sexualität, andere Rollen und Formen von Nähe. Damit beantwortet die Doku die Google-Frage „Was passiert im KitKatClub Berlin?“ zwar durchaus wörtlich, bleibt bei nackten Körpern und ungewöhnlichen Praktiken aber nicht stehen.

Das ist wichtig, weil der Club von außen schnell wie ein Ort wirken kann, an dem schlicht alles erlaubt ist. Tatsächlich spielt Konsens aber vor allem in diesem Club eine zentrale Rolle. Wer Grenzen überschreitet, macht damit nicht besonders wild Party, sondern verletzt eine der Grundlagen, auf denen solche Räume funktionieren.

Raven, Elisa und David zeigen die persönliche Seite des KitKatClubs

Statt eine Kamera einfach durch Räume wandern zu lassen, konzentriert sich der Film auf konkrete Menschen. Tim alias Raven Van Krueger möchte als Drag-Künstler durchstarten und erlebt den Club als Bühne für eine Identität, die sich nicht auf einen gewöhnlichen Partyabend reduzieren lässt. Elisa entdeckt gemeinsam mit Freunden neue Seiten ihrer Sexualität, während ein BDSM-Paar seine Beziehung auch öffentlich lebt.

KitKatClub Berlin Doku

Ein Dog-Play-Duo verbindet wiederum einen stabilen Alltag mit einer Form des sexuellen Spiels, die Außenstehenden zunächst ziemlich fremd erscheinen dürfte. David bringt einen ernsteren Ton in den Film, denn er versucht, sich aus einer Sucht zurückzukämpfen. Daneben begegnet die Doku auch Clubgründer Simon Thaur, einem der Menschen, die den KitKatClub und seine besondere Vorstellung vom Berliner Nachtleben mit aufgebaut haben.

So entstehen neben Performances und Sex offenbar auch wesentlich leisere Szenen: Gespräche mit Vätern, Unsicherheiten, Beziehungen und die Frage, wie viel Freiheit Menschen überhaupt aushalten oder brauchen. Schauspieler gibt es dabei natürlich nicht, denn Fussenegger porträtiert reale Menschen und keine nachgestellten Clubgeschichten.

Philipp Fussenegger kennt die Verbindung von Sex und Selbstinszenierung

Für den österreichischen Regisseur ist das Umfeld nicht völlig neu. Gemeinsam mit Judy Landkammer drehte er bereits Teaches of Peaches (2024), den preisgekrönten Dokumentarfilm über die Musikerin Peaches. Auch dort ging es um einen Menschen, der Sexualität, Geschlechterrollen und Provokation offensiv auf die Bühne bringt.

Beim KitKatClub verschiebt sich der Blick jedoch. Hier steht nicht eine berühmte Künstlerin im Zentrum, sondern eine ganze Umgebung, in der Menschen selbst entscheiden, wie sichtbar sie sein möchten. Das macht die Anwesenheit einer Filmkamera zum interessantesten Widerspruch des Projekts: Ein Club, der seine Besucher vor fremden Blicken schützt, erlaubt einem Regisseur, genau hinzusehen.

Die spannendste Frage lautet nicht nur: Was passiert dort?

Wer hauptsächlich neugierig auf Sex, Fetisch und Dog Play ist, dürfte in KitKatClub – Kinks of Berlin durchaus bekommen, wonach er sucht. Interessanter ist aber, was der Film daraus macht. Hinter Praktiken, die auf den ersten Blick ungewöhnlich oder extrem wirken können, steckt für die Beteiligten möglicherweise etwas sehr Alltägliches: Vertrauen, Zugehörigkeit, Verliebtheit, Selbstzweifel oder schlicht der Wunsch, sich nicht ständig erklären zu müssen.

Die Doku verspricht deshalb keinen neutralen Clubführer und auch keinen praktischen Kurs darin, wie man an der Tür vorbeikommt. Sie öffnet für 96 Minuten einen Raum, der sonst bewusst geschlossen bleibt, und beobachtet, was Menschen dort miteinander machen, aber auch, was dieser Ort mit ihnen macht. Wer danach selbst ins KitKat will, muss sich mit der echten Tür trotzdem noch ganz alleine auseinandersetzen.

In diesem Dokumentarfilm tauchen wir ein in die geheimnisvolle Welt eines der ikonischsten Clubs weltweit – und begleiten ganz unterschiedliche Menschen durch ihre Berliner Nächte. Wir erleben Tim alias Raven Van Krueger, wie er als Drag-Künstler durchstarten will. Elisa entdeckt mit ihren Freunden eine neue Sexualität, ein BDSM-Pärchen liebt öffentlich, ein Dog-Play-Duo lebt Stabilität und Exzess. David versucht, sich aus der Sucht zurückzukämpfen, und Clubgründer Simon scheint wie aus der Zeit gefallen – so wie viele, die einst das Fundament des legendären KitKatClubs legten. Performances, Kämpfe um Konsens, zarte Gespräche mit Vätern, Begegnungen zwischen Körpern und Seelen. KITKATCLUB – KINKS OF BERLIN ist eine cineastische Erfahrung über Freiheit, Nähe, Identität, Sex und das Verlernen von Scham – ungeschönt und poetisch zugleich.
Aktuell kannst du KitKatClub: Kinks of Berlin nicht streamen.
Wir benachrichtigen dich, sobald er verfügbar ist.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtlaufzeit

1h 36min

Genres

Dokumentationen

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Der Titel in dieser Liste ist noch bei keinem Streamingdienst verfügbar.