
Diese 6 Filmemacher feiern KI im Kino – und diese 6 lehnen sie ab
Jede neue Technologie, die ins Kino kommt, bringt eine Debatte mit sich: Die einen sagen, das Handwerk stirbt. Die anderen sagen, das Handwerk wird noch innovativer. Meistens haben am Ende beide ein wenig recht und ein wenig unrecht.
Wer gefragt wird, hält sich aber kaum noch zurück. Peter Jackson hat in Cannes KI mit Stop-Motion verglichen und erklärt, er sehe keinen Grund zur Aufregung. Guillermo del Toro hat in einem Interview erklärt, er würde lieber sterben, als generative KI in seinen Filmen einzusetzen.
Diese Debatte spaltet das Kino gerade in zwei Lager. Unsere Liste versammelt je sechs Stimmen aus jeder Richtung.
Diese Filmemacher sind pro Künstliche Intelligenz
1. Peter Jackson.
Die Ehrung in Cannes kam von Elijah Wood, der auf der Bühne stand und seinem Regisseur sagte, er habe der Welt etwas gezeigt, das sie noch nie gesehen hatte. Am nächsten Morgen saß Jackson in einer Masterclass und sagte zwei Dinge, die sich auf den ersten Blick widersprechen: KI werde wohl die Welt zerstören. Und im Film stört sie ihn kein bisschen.

Für ihn ist sie schlicht ein Spezialeffekt wie jeder andere, nicht gefährlicher als Stop-Motion oder CGI, solange kein Gesicht ohne Erlaubnis verwendet wird. Dass jemand, der drei Filme über den Kampf gegen das Böse gemacht hat, bei dieser Frage so pragmatisch bleibt, sagt vielleicht mehr über ihn aus als jede technologiekritische Grundsatzrede.
Was Jackson wirklich umtreibt, ist eine Nebenwirkung der Debatte: Andy Serkis werde für seine Gollum-Darstellung in Der Herr der Ringe nie einen Oscar bekommen. Die Branche reagiere inzwischen so nervös auf alles, was nach KI oder künstlicher Manipulation aussieht, dass sie selbst eine vollständig menschliche Performance nicht mehr klar davon unterscheiden könne.
2. Darren Aronofsky.
Ein Studio zu gründen, ist eine Sache. Es Primordial Soup zu nennen, nach dem Begriff, den Aronofsky selbst im Regiekommentar zu Mother! verwendet hat, um zu beschreiben, woraus Kreativität entsteht, ist eine andere.
Mit diesem Namen macht er klar, wie er über KI denkt: nicht als Bedrohung, sondern als Ursuppe, aus der etwas Neues entstehen kann. Im Mai 2025 präsentierte er auf der Google I/O sein neues Unternehmen und eine Partnerschaft mit Google DeepMind, die Filmemachern Zugang zu generativen KI-Werkzeugen geben soll, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Technologie unter künstlerische Kontrolle zu stellen statt umgekehrt. Der erste Film, der aus dieser Zusammenarbeit entstand, lief beim Tribeca Festival.
Aronofsky ist kein naiver Technologieoptimist, dafür sind seine Filme zu sehr von Kontrollverlust und Obsession durchzogen, von Requiem for a Dream bis Black Swan. Er ist jemand, der neue Werkzeuge immer dann am aufmerksamsten betrachtet, wenn alle anderen noch debattieren, ob man sie überhaupt anfassen darf. Auf dieser Liste steht er, weil er von allen Pro-Stimmen die konkreteste Wette eingegangen ist.
3. Demi Moore.
Als Jurymitglied beim Cannes Film Festival 2026 wurde Moore gefragt, wie Hollywood mit KI umgehen solle, und sie antwortete ohne Zögern: Widerstand sei ein Kampf, den die Branche verlieren werde. Besser sei es, Wege zu finden, mit der Technologie zu arbeiten.
Moore, die in The Substance eine Frau gespielt hat, die vom Unterhaltungsbetrieb buchstäblich zerstört wird, weil sie nicht mehr jung genug ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie brutal die Industrie mit denen umgeht, die sich nicht anpassen. Ihre KI-Haltung trägt diese Erfahrung in sich, auch wenn sie das nicht explizit sagt. Sie fügte hinzu, die Branche schütze sich wahrscheinlich noch nicht genug vor den Risiken, aber das sei kein Argument gegen die Technologie, sondern ein Argument für mehr Sorgfalt im Umgang mit ihr. Dass es eine Schauspielerin ist, die das sagt, verdient eine eigene Notiz: Die KI-Debatte hat längst nicht nur Regisseure und Produzenten erreicht, sondern alle, die vom Kino leben.
4. James Cameron.
Wer Avatar gedreht hat, darf sich kaum als Technikfeind bezeichnen, und Cameron tut es auch nicht. Seit er im Herbst 2024 dem Board von Stability AI beigetreten ist, hat er mehrfach erklärt, warum: nicht weil er glaubt, KI könne Schauspieler ersetzen, sondern weil er glaubt, dass Blockbuster der Größe, die er liebt und dreht, ohne eine massive Kostensenkung im VFX-Bereich irgendwann nicht mehr finanzierbar sein werden.
Die Hälfte der Kosten einsparen, dabei niemanden entlassen, sondern alle schneller arbeiten lassen – das ist sein erklärtes Ziel. Gleichzeitig ließ er Avatar: The Way of Water mit einem Hinweis im Abspann starten, der explizit darauf hinweist, dass keine generative KI verwendet wurde. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Widerspruch, sondern eine präzise Haltung: KI als Produktionswerkzeug, nicht als kreativen Akteur. Cameron, der in Terminator einst vor Maschinen warnte, die die Kontrolle übernehmen, hat für sich eine Grenze gezogen, die er für vertretbar hält. Er ist der interessanteste Fall auf dieser Liste, weil er beide Seiten der Debatte kennt und sich trotzdem für eine entschieden hat.
5. Gareth Edwards.
Es gibt Regisseure, die über KI reden, und es gibt welche, die einfach einen Film damit drehen. Edwards hat mit The Creator letzteres getan, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Der Film handelt zwar von einem Krieg zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz, aber das war nicht der eigentliche Grund, warum KI-Werkzeuge während der Produktion eine Rolle spielten.
Edwards hat The Creator mit einem Budget von 80 Millionen Dollar auf echten Locations in Thailand, Vietnam und Japan gedreht, mit einer Sony FX3, einer Kamera, die normalerweise Hochzeitsfilmer benutzen. Dass der Film dabei aussieht wie eine 300-Millionen-Dollar-Produktion, liegt vor allem an einem extrem schlanken digitalen Arbeitsablauf und daran, wie Edwards mit kleinem Team, echten Locations und vergleichsweise günstiger Technik gearbeitet hat, statt sich auf die klassische Studio-Maschinerie zu verlassen.
Edwards nennt das Demokratisierung, und er meint es ernst: Schon sein Debütfilm Monsters entstand mit Minimalbudget und maximaler Erfindungskraft. KI ist für ihn die logische Fortsetzung dieser Haltung, ein Werkzeug, das Filmemachern erlaubt, Bilder zu schaffen, für die früher zehnmal so viel Geld nötig gewesen wäre.
6. Steven Soderbergh.
Soderbergh hat immer klargemacht, dass er neue Werkzeuge nicht bewertet, bevor er sie ausprobiert hat, und KI ist dabei keine Ausnahme. In seinem Dokumentarfilm John Lennon: The Last Interview, der bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 seine Premiere feierte, setzte er generative KI ein, um surreale Bildwelten zu schaffen, die kein Archivmaterial hätte liefern können. Für jene zehn Prozent des Films, in denen Lennon und Yoko Ono in abstrakte, philosophische Gefilde abgleiten.
Black Bag – Doppeltes Spiel hatte er noch klassisch gedreht. Einen geplanten Spielfilm über den Spanisch-Amerikanischen Krieg will er mit erheblichem KI-Einsatz realisieren. Soderbergh ist der pragmatischste Kopf auf dieser Liste, jemand, der Traffic – Macht des Kartells auf 35mm drehte und Unsane auf einem iPhone, und dem es schlicht egal ist, welches Werkzeug das beste Ergebnis liefert. Er hat auch klargemacht, dass ihn die Jobs, die dabei verloren gehen könnten, beunruhigen, aber er hält Wegschauen für keine Antwort darauf. Was ihn hierher bringt, ist nicht Begeisterung für Technologie, sondern Konsequenz: Soderbergh tut, was die meisten nur diskutieren.
Diese Filmemacher sind gegen Künstliche Intelligenz
1. Wim Wenders.
Beim Lumière Festival 2023 in Lyon sagte Wenders etwas, das ruhig klang und trotzdem eine Warnung war: Mit KI gehe alles rasant, man gebe ein paar Ideen ein, und am nächsten Tag liege ein Drehbuch vor, das viele Studiochefs sofort verwenden würden. Für Drehbuchautoren wäre das das Ende.
Wenders, der in Der Himmel über Berlin einen Film über unsichtbare Wesen gemacht hat, die die Gedanken der Menschen auffangen und aufbewahren, hat ein sehr genaues Gespür dafür, was verloren geht, wenn menschliche Stimmen durch effizientere ersetzt werden. Er ist kein Apokalyptiker. Er ist jemand, der Kino als kollektiven Akt des Zuhörens begreift, und der deshalb genau weiß, was auf dem Spiel steht, wenn dieser Akt rationalisiert wird. Als Jurypräsident der Berlinale 2026 kehrte er in eine Institution zurück, die sich diese Frage ebenfalls stellt.
2. Celine Song.
Song, deren Past Lives – In einem anderen Leben zu den berührendsten Debüts des letzten Jahrzehnts gehört, hat kein Interesse daran, ihre Formulierungen zu mildern. Sie sagte, KI kolonisiere die Art, wie wir Bilder und Klänge wahrnehmen, und das sei keine übertriebene Diagnose, sondern eine nüchterne Beobachtung.
Was sie antreibt, sei nicht Technologiefeindlichkeit, sondern die Überzeugung, dass Kino von Erfahrungen lebt, die kein Algorithmus hat: Schmerz, Schwierigkeit, das Scheitern, das oft der Moment ist, in dem etwas Echtes entsteht. Ihr zweiter Film Was ist Liebe wert ist trotz größerem Budget und Starbesetzung erneut ein Film über Menschen in vertrackten emotionalen Situationen, den keine KI hätte erfinden können, weil er aus einer sehr persönlichen Sprache stammt. Song ist auf dieser Liste die jüngste Stimme und die schärfste.
3. Scarlett Johansson.
Es gibt kaum einen Fall in der Geschichte der KI-Debatte, der so präzise zeigt, worum es geht, wie ihrer. Im Mai 2024 veröffentlichte OpenAI eine neue Stimme für ChatGPT namens „Sky“, und die Ähnlichkeit mit Johanssons Stimme aus dem Science-Fiction-Film Her war so offensichtlich, dass OpenAI-Chef Sam Altman nach der Präsentation nur ein einziges Wort auf X postete: „Her.“
Johansson hatte Altmans Anfrage, ihre Stimme zu lizenzieren, zuvor abgelehnt. Sie war schockiert und wütend, schaltete Anwälte ein, und OpenAI zog die Stimme zurück. Dass ausgerechnet eine Schauspielerin zu einer der bekanntesten Gegnerinnen von KI-Missbrauch wurde, ist kein Zufall. Die Debatte hat die gesamte Branche erfasst, nicht nur die, die Filme drehen, sondern auch die, die darin zu sehen sind. Johansson steht auf dieser Liste, weil ihr Fall nicht abstrakt war: keine Grundsatzrede, kein Festival-Statement, sondern ein konkreter Eingriff in ihre Identität, dem sie sich mit konkreten Mitteln widersetzt hat. Das ist eine andere Art von Haltung als die der anderen hier und vielleicht die ehrlichste.
4. Guillermo del Toro.
Auf die Frage, wie seine Haltung zu KI sei, hat del Toro geantwortet, er würde lieber sterben, als KI zu benutzen. Das ist keine rhetorische Überspitzung, jedenfalls nicht nur. In einem NPR-Interview Ende 2025, kurz vor der Veröffentlichung seines Frankenstein auf Netflix, erklärte er ausführlich, warum generative KI für ihn das technologische Pendant zu Victor Frankenstein ist: jemand, der erschafft, weil er kann, nicht weil er sollte.
Del Toro, der in Pans Labyrinth und Shape of Water – Das Flüstern des Wassers immer wieder Außenseiter ins Zentrum gestellt hat, versteht Kunst als Akt des Widerstands gegen Vereinheitlichung. KI, so sein Argument, produziert immer den kleinsten gemeinsamen Nenner, weil sie aus dem trainiert wird, was bereits existiert. Was noch nie gedacht wurde, kann sie nicht denken. Er sagt das nicht als Kulturpessimist, sondern als jemand, der sein Leben damit verbracht hat, Dinge zu erschaffen, die er vorher noch nirgendwo gesehen hatte, und der genau deshalb weiß, was dabei auf dem Spiel steht.
5. Werner Herzog.
Er hat KI-generierte Kurzfilme gesehen und sein Urteil war knapp: Sie sehen vollkommen tot aus. Sie haben keine Seele. Was Herzog meint, wenn er Seele sagt, lässt sich aus seiner Arbeit ablesen.
Fitzcarraldo entstand, weil er darauf bestand, ein echtes Schiff über einen echten Berg zu ziehen. Nicht weil das dramaturgisch notwendig gewesen wäre, sondern weil er glaubte, dass man dem Wahnsinn seiner Hauptfigur nur glaubt, wenn der Wahnsinn der Entstehung real war. Aguirre, der Zorn Gottes wurde gedreht, während Klaus Kinski ausrastete und der Dschungel das Team langsam aufrieb, und das ist in jedem Frame zu spüren.
Herzog hat KI in anderen Feldern immer wieder gelobt, in der Medizin, in der Wissenschaft. Aber im Film, sagt er, benötige man den menschlichen Schmerz als Grundstoff, und den könne eine Maschine nicht liefern, weil sie ihn nicht kenne. Das Schöne an dieser Position ist ihre Kompromisslosigkeit. Das Unbequeme daran auch.
6. Steven Spielberg.
Bei der SXSW im März 2026 sagte Spielberg, er habe noch nie KI in einem seiner Filme eingesetzt, und das Publikum applaudierte. Er ließ den Applaus kurz stehen, dann fügte er hinzu, er sei nicht gegen KI in vielen anderen Bereichen, aber in seinen Schreibräumen gebe es keinen freien Stuhl mit einem Laptop davor.
Das ist ein Bild, das sitzt. Spielberg, dessen Filmografie von Der weiße Hai bis Schindlers Liste reicht und der mit A.I. – Künstliche Intelligenz bereits 2001 einen Film über sentiente Maschinen gedreht hat, der heute erschreckend aktuell wirkt, ist kein Technikfeind. Er hat CGI früher angenommen als die meisten und Jurassic Park mit damals revolutionären digitalen Kreaturen gebaut. Aber zwischen Werkzeugen, die dem Menschen helfen, besser zu erzählen, und einer Technologie, die den Menschen aus dem kreativen Prozess herausdrängt, zieht er eine Linie. Er formuliert sie ruhig und ohne Pathos, was diese Haltung überzeugender macht als jede Grundsatzrede.















































