
Megan Foxs verkanntes Horror-Juwel bekommt eine Fortsetzung – und diesmal versteht die Welt es
Jennifer's Body (2009) hat 31 Millionen Dollar eingespielt. Bei einem Budget von 16 Millionen klingt das nach Gewinn …bis man bedenkt, dass der Film als einer der größten Enttäuschungen des Jahres galt, dass Megan Fox in jedem Interview über ihr Aussehen und nicht über ihre Arbeit befragt wurde, und dass Diablo Cody, die für Juno (2007) gerade einen Oscar gewonnen hatte, sich erklären musste, warum ihr nächstes Projekt bei Kritikern so wenig ankam.
Sechzehn Jahre später schreibt Cody die Fortsetzung. Und sie sagt, es sei das erste Mal seit langem, dass sich Drehbuchschreiben nicht wie Arbeit angefühlt hat. Das sagt eigentlich alles.
Ein Film, der seinem Publikum um zehn Jahre voraus war
Was 2009 passierte, ist inzwischen gut dokumentiert, aber es lohnt sich, es noch einmal in seiner vollen Absurdität zu betrachten: Fox Atomic vermarktete Jennifer's Body als Horrorfilm für Jungs, der auf Megan Fox in einem Minirock basierte. Die Zielgruppe, die den Film tatsächlich hätte lieben sollen – junge Frauen, die eine Geschichte über Trauma-Exploitation, toxische Freundschaft und den Preis des Begehrens sehen wollten –, erfuhr davon kaum. Die Jungs, die man ins Kino locken wollte, sahen einen feministischen Rachefilm und verstanden ihn nicht. Beide Seiten gingen enttäuscht nach Hause.
Dabei war der Film präzise. Jennifer Check wird von einer Band mittelmäßiger Männer rituell geopfert, weil sie glauben, ein Mädchen zu besitzen, das sie begehren. Die Pointe: Sie überleben als Rockstars. Sie verbrauchen Jennifer für ihren eigenen Erfolg – und das ist kein Horror-Gimmick, sondern eine ziemlich genaue Beschreibung von etwas, das Frauen in der Unterhaltungsindustrie sehr gut kennen. Megan Fox selbst hat später in Interviews bestätigt, dass sie die Erfahrungen am Set des Films als direktes Echo ihrer eigenen Erlebnisse in Hollywood empfunden hat. Dass das Publikum das 2009 nicht hören wollte, ist keine Überraschung. Dass es das heute tut, auch nicht.
Was die Neuentdeckung bedeutet
TikTok hat viel damit zu tun, wie immer. Das #jennifersbody-Tag hat über zwei Milliarden Aufrufe, was eine Zahl ist, die man kurz wirken lassen sollte: zwei Milliarden. Für einen Film, der 2009 als Flop galt. Halsey samplete eine gelöschte Szene für killing boys (2020). Letterboxd-Einträge, Essaysammlungen, Filmkurse – Jennifer's Body ist inzwischen Gegenstand einer Art nachträglicher Kanonisierung, die so schnell und so vollständig verlief, dass sie selbst für Kultklassiker ungewöhnlich ist.
Was das Publikum entdeckte, war nicht nur ein guter Film, der falsch vermarktet wurde – sondern ein Film, dessen Themen sich in der Zwischenzeit als dringlicher herausgestellt hatten als ursprünglich erkennbar. Die Freundschaft zwischen Jennifer und Needy, die von Bewunderung, Eifersucht, Begehren und Abhängigkeit gleichzeitig durchzogen ist, lässt sich nicht auf eine einfache Formel bringen, und genau das macht sie so schwer loszulassen. Die Art, wie Jennifer buchstäblich von Männern ausgebeutet und dann als Monster behandelt wird, wenn sie aufhört, gefällig zu sein – das klingt 2026 nicht wie Metapher, sondern wie Beschreibung.
Die Fortsetzung – und was Cody diesmal anders machen kann
Diablo Cody schreibt Jennifer's Body 2, Karyn Kusama führt wieder Regie, und Amanda Seyfried hat klar gemacht, dass sie nur dabei ist, wenn Megan Fox dabei ist – was wiederum bedeutet, dass die Frage, ob Fox zurückkommt, die eigentliche offene Frage bleibt. Cody selbst beschreibt den Prozess in einem Interview mit Bloody Disgusting mit einer Direktheit, die man selten von Drehbuchautorinnen hört: Sie fühle sich diesmal entfesselt. Alles, worin sie beim ersten Film eingeschränkt war, sei jetzt möglich. Die Fortsetzung sei thematisch eine direkte Antwort auf die Wiederentdeckung des Originals – nicht Nostalgie, sondern Weiterdenken.
Was das konkret bedeutet, weiß noch niemand. Aber die Ausgangsbedingungen sind radikal andere als 2009: Cody muss ihren Film nicht mehr einem Publikum erklären, das die Referenzen nicht kennt. Das Publikum kennt sie. Es hat den ersten Film nicht nur gesehen, sondern analysiert, diskutiert, zerlegt und wieder zusammengesetzt. Jennifer's Body 2 startet mit einem Vertrauensvorschuss, den das Original nie hatte – und mit einer Drehbuchautorin, die das weiß.
Ob das reicht, wird sich zeigen. Kultklassiker-Fortsetzungen haben eine lange Geschichte des Scheiterns, weil sie versuchen, nachzubauen, was beim Original durch Zufall oder Missverständnis entstanden ist. Aber wenn irgendjemand weiß, was Jennifer's Body bedeutet und warum es wichtig ist, dann ist es Cody. Und diesmal hört ihr jemand zu.

















