
„Jackass: Einer geht noch!“ bald im Kino – aber einer fehlt
Es war das wohl anarchischste Kulturphänomen der MTV-Ära: eine Mischung aus Skater-Kultur, Klamauk, Ekel und Selbstzerstörung, deren Protagonisten mit sagenhaft dummen Stunts zu Popikonen wurden. Und mittendrin, als eines ihrer prägendsten Gesichter, stand Bam Margera.
Der Skater aus West Chester, Pennsylvania, war Anfang der 2000er ein echter Superstar: erst Teil der Originaltruppe von Jackass, dann mit dem eigenen MTV-Spin-off Viva La Bam (2003–2005) so omnipräsent wie kaum ein anderer junger Star seiner Zeit. Margera war der mit dem größten Starpotenzial, mehr noch als Knoxville. Dekadent, unvernünftig, jung und besiegbar.

Wenn am 25. Juni 2026 mit Jackass: Einer geht noch (2026) der finale Film der Reihe in die deutschen Kinos kommt, ist die alte Bande fast vollzählig wieder beisammen. Margera aber fehlt gänzlich. Traurig? Ja, aber leider so gar nicht überraschend.
Als Bam ein Superstar war
Um zu begreifen, was sein Fehlen bedeutet, muss man sich erinnern, wie groß er einmal war. Die Original-Serie lief zwar nur knapp ein Jahr, von Oktober 2000 bis August 2001, doch für Margera und Johnny Knoxville reichten diese Monate, um zu zwei der präsentesten Gesichter der frühen 2000er zu werden.
Margera brachte das Rohmaterial gleich mit: Mit seiner Familie und seinen Freunden hatte er unter dem Namen CKY eigene Skate- und Stunt-Videos gedreht, die zur Blaupause des ganzen MTV-Formats wurden. Während Knoxville der Stuntman war, erschien Margera als der hyperaktive Skater-Lausbub, der sogar seinen eigenen Vater in der Küche überfiel und die Aufnahmen um die Welt schickte. Danach bekam er mit Viva La Bam sein eigenes Spin-off, vier Staffeln lang, dazu weitere Formate.
Der Film nutzt nur Margera-Archivmaterial
Beim Abschiedsfilm ist von dieser Präsenz wenig geblieben. Margera taucht zwar auf, jedoch ausschließlich über bislang ungezeigtes Archivmaterial aus früheren Jahren. Es ist der erste Jackass-Film, für den er nichts Neues vor die Kamera gebracht hat. Schon beim Vorgänger Jackass Forever (2022) war er nur noch in zwei kurzen Sequenzen zu sehen. Margera wurde früh aus der Produktion entlassen, weil er gegen eine vertraglich festgehaltene Wellness-Vereinbarung verstoßen hatte, die regelmäßige Drogen- und Alkoholtests vorschrieb. Für den neuen Film stimmte er Anfang 2026 einem Deal zu, über altes Material vertreten zu sein, ohne neue Stunts zu drehen.
Der Wendepunkt: Ryan Dunns Tod
Der Absturz beginnt nicht mit dem Streit, sondern mit einem Verlust. Im Sommer 2011 stirbt Ryan Dunn, einer der engsten Freunde der Truppe und Stammgast aller Jackass-Produktionen, bei einem alkoholbedingten Autounfall in Pennsylvania.
Für Margera, mit Dunn seit der Highschool befreundet, ist das der Moment, ab dem es bergab geht. Es folgen Jahre des Kampfes gegen Alkohol und Schmerzmittel, zahlreiche Reha-Aufenthalte, von denen er einige abbricht; aus zwei Kliniken in Florida flüchtet er sogar. 2022 spricht er davon, im Krankenhaus zeitweise dem Tod nahe gewesen zu sein, 2024 sitzt er nach einem Verstoß gegen Bewährungsauflagen in Haft und geht danach erneut in Behandlung. Sein Weggefährte Steve-O, selbst seit Jahren nüchtern, fleht ihn öffentlich an, sich helfen zu lassen. Nach eigenen Angaben ist Margera inzwischen seit rund zwei Jahren trocken.
Der Streit, der von ihm ausging
Der Bruch mit Jackass verlief alles andere als leise. Nach seiner Entlassung verklagte Margera 2021 Knoxville, Regisseur Jeff Tremaine, Spike Jonze und Paramount wegen unrechtmäßiger Kündigung; er habe die Wellness-Vereinbarung unter Druck und während eines Klinikaufenthalts unterschrieben. Die Klage zog er 2022 nach einem außergerichtlichen Vergleich zurück. Der öffentliche Zorn blieb: Margera attackierte Knoxville und Tremaine wiederholt in Interviews und sozialen Medien, forderte Knoxville sogar zu einem Faustkampf heraus und sagte noch 2024, er könne den beiden nie verzeihen, sie hätten das Vermächtnis von Jackass beschädigt. Auch zum neuen Film sagte er, kein Geld der Welt bringe ihn noch einmal an ein Jackass-Set; die jahrelange Auseinandersetzung habe ihn traumatisiert. Knoxville reagierte versöhnlich, sagte, er wolle das Drama nicht und wünsche dem früheren Freund Genesung.
Enttäuschend – aber verständlich
Dass einer der prägendsten Köpfe der Truppe in einem Film, der 25 Jahre Jackass feiert, nur in alten Bildern erscheint, ist für Fans eine Enttäuschung. Margera gehörte zum Kern dessen, was die Marke groß gemacht hat. Und doch ist sein Fernbleiben nachvollziehbar. Neue Stunts hätten körperliche und seelische Belastung bedeutet für einen Mann, der sich mühsam stabilisiert hat, und die Wunden des Streits sind erkennbar nicht verheilt.
Dass beide Seiten sich überhaupt auf das Archivmaterial einigen konnten, ist daher ein Zeichen. Besser als nichts. Man hätte es sich anders gewünscht. Es wäre schon gewesen, die Chaotentruppe noch einmal gemeinsam zu sehen. Zur Premiere wurde er eingeladen, er sagte ab. Offiziell wegen einer anderweitigen Verpflichtung. Dass auch der 2011 verstorbene Ryan Dunn über Archivaufnahmen präsent ist, gibt diesem Abschied eine zusätzliche, stille Note.










































