
6 Streaming-Highlights, die ihr im Juli vielleicht verpasst habt
Der Juli 2026 gehörte den ganz großen Kinoereignissen. Christopher Nolans Die Odyssee (2026) sorgte ab Mitte des Monats für Gesprächsstoff, ehe Spider-Man: Brand New Day (2026) Ende Juli den Staffelstab übernahm. Zwischen diesen beiden Schwergewichten gerieten einige bemerkenswerte Filme und Serien fast zwangsläufig unter den Radar.
Während alle über die großen Blockbuster sprachen, schlichen sich ein paar kleinere Filme und Serien fast unbemerkt ins Programm – ohne große Kampagne, ohne Titelseiten, dafür teils mit überraschend starken Kritiken.
Genau um diese Titel geht es hier. Keine großen Kassenschlager und keine Pflichttermine, sondern sechs Produktionen, die im Juli-Trubel leicht untergingen und gerade deshalb einen Blick wert sind: von einer rabenschwarzen Hochzeitskomödie über einen Schafskrimi mit Starbesetzung bis zu einer Betrügerin auf der Flucht. Das sind die Geheimtipps des Monats.
Das Drama – Noch mal auf Anfang (2026) klingt im Titel nach seichter Romantik und meint doch das Gegenteil. Der Norweger Kristoffer Borgli, zuletzt mit dem Nicolas-Cage-Film Dream Scenario (2023) aufgefallen, inszeniert eine rabenschwarze Komödie um ein Paar kurz vor der Hochzeit: Emma, gespielt von Zendaya, und Charlie, gespielt von Robert Pattinson.
Was als klassische Wohlfühl-Anbahnung beginnt, kippt früh, als eine überraschende Enthüllung die Beziehung ins Wanken bringt. Was genau das ist, verschwieg schon die Trailer-Kampagne bewusst, und daran halte auch ich mich. Der Film sorgte nach dem US-Kinostart im April für hitzige Debatten, weil er sich keiner Schublade fügt. Ins deutsche Heimkino kam er Mitte Juli. Pattinson agiert herrlich panisch, stets knapp an der Grenze zum Overacting, Zendaya hält dagegen mit einer Rolle, die im letzten Drittel unbequem wird. Ein kantiger, streitbarer Film, den man mit möglichst wenig Vorwissen ansehen sollte.
Was, wenn die einzigen Zeugen eines Mordes auf der Weide grasen? Glennkill: Ein Schafskrimi (2026) nimmt diese Schnapsidee ernst und macht daraus eine der charmantesten Überraschungen des Jahres. Der Animationsfilm folgt dem Schäfer George Hardy, dem Hugh Jackman seine Stimme leiht: Er liest seiner Herde abends Kriminalromane vor, ohne zu ahnen, dass die Tiere jedes Wort verstehen. Als er eines Morgens tot im Gras liegt, glauben die krimierfahrenen Schafe der Polizei kein Wort und ermitteln selbst.
Regie führt Kyle Balda, ein erfahrener Animationsregisseur aus dem Umfeld der Minions-Reihe, das Drehbuch schrieb ausgerechnet Craig Mazin, das Mastermind hinter Chernobyl (2019) und The Last of Us (2023), der den Roman von Leonie Swann fürs Kino adaptierte. Im englischen Original sprechen unter anderem Emma Thompson, Bryan Cranston und Patrick Stewart mit, in der deutschen Fassung leihen Anke Engelke und Bastian Pastewka den Schafen ihre Stimmen. Seit dem 8. Juli läuft der Film im Streaming-Abo. Ein flauschiges Krimi-Leichtgewicht mit viel Herz, das bei Rotten Tomatoes über neunzig Prozent positive Kritiken erreichte.
Anya Taylor-Joy, seit Das Damengambit (2020) eines der bekanntesten Gesichter des Streamings, kehrt mit einer eigenen Serie zurück. Lucky (2026) startete Mitte Juli und erzählt von einer Trickbetrügerin, deren millionenschwerer Coup schiefgeht. Danach ist sie auf der Flucht, gejagt vom FBI und einer skrupellosen Unterweltgröße zugleich.
Die Miniserie stammt von Jonathan Tropper und basiert auf dem Bestseller von Marissa Stapley, produziert unter anderem von Reese Witherspoon und Taylor-Joy selbst. An ihrer Seite spielen Annette Bening als gefährliche Bandenchefin, Timothy Olyphant als Luckys Vater und Aunjanue Ellis-Taylor als ermittelnde Agentin. Sieben Folgen, die eine geschlossene Geschichte erzählen, wöchentlich bis Mitte August. Die Kritik lobte vor allem Tempo und Hauptdarstellerin, merkte aber an, dass die Serie mehr verspricht, als sie am Ende einlöst. Für Freunde von schnellen Gauner-Thrillern trotzdem ein sehenswerter Sommerfund.
Ride or Die (2026) nimmt eine simple Prämisse und dreht sie ins Rasante. Judith und Debbie halten sich für beste Freundinnen, bis Debbie herausfindet, dass Judith kein ruhiges Leben als forensische Buchhalterin führt, sondern als hochtrainierte Auftragskillerin arbeitet. Als ein Einsatz schiefgeht, müssen die beiden gemeinsam quer durch Europa fliehen, verfolgt von einem Gegner, der sie totsehen will.
Hannah Waddingham, bekannt aus Ted Lasso (2020), und Oscarpreisträgerin Octavia Spencer bilden das ungleiche Duo, dazu kommt Bill Nighy als undurchsichtiger Drahtzieher. Die Action-Komödie von Schöpferin Tessa Coates lief seit Mitte Juli und macht aus der Agentenflucht vor allem eine Geschichte über eine Freundschaft, die plötzlich sehr viel mehr aushalten muss als verletzte Gefühle. Wer Spionage-Spaß mit Tempo und zwei starken Hauptrollen sucht, ist hier richtig, auch wenn die Serie neben den Juli-Riesen kaum Aufmerksamkeit bekam.
Jennifer Garner trägt The Five-Star Weekend (2026), eine Miniserie nach dem Bestseller von Elin Hilderbrand, die Anfang Juli mit allen acht Folgen erschien. Garner spielt Hollis Shaw, eine erfolgreiche Foodbloggerin und Bestsellerautorin, deren perfekte Fassade nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Risse bekommt. Um wieder zu sich zu finden, lädt sie drei Freundinnen aus verschiedenen Lebensabschnitten auf die Insel Nantucket ein, dazu eine unerwartete fünfte Gästin. Aus dem Heilungswochenende wird bald eine Abrechnung: Alte Verletzungen brechen auf, Geheimnisse rutschen heraus.
Das Ensemble ist der eigentliche Reiz, mit Regina Hall und Chloë Sevigny an Garners Seite. Die Serie erfand das Genre nicht neu, bot aber solide gemachtes Erwachsenendrama für einen ruhigen Abend. Im lauten Juli ging dieser leise Titel fast unter, obwohl er genau die Zielgruppe bedient, die zwischen Multiversum und Antike einmal durchatmen wollte.
Zum Abschluss ein Rückkehrer, der seit Jahren zu den wärmsten Serien im Programm zählt und trotzdem selten laut gefeiert wird. Trying (2020) begleitet das Londoner Paar Nikki und Jason, gespielt von Esther Smith und Rafe Spall, seit fünf Staffeln durch Kinderwunsch, Adoption und Patchwork-Alltag.
Die fünfte Staffel startete am 8. Juli und wirft das mühsam geordnete Familienleben gleich wieder um: Kat, die leibliche Mutter der beiden Kinder, gespielt von Charlotte Riley aus Peaky Blinders (2013), steht plötzlich vor der Tür. Die britische Komödie von Andy Wolton bleibt sich treu: Sie erzählt von schweren Themen mit leichter Hand und einer Herzlichkeit, die nie kitschig wird. Neue Folgen laufen wöchentlich bis Ende August. Wer Nikki und Jason schon länger begleitet, bekommt ein Wiedersehen, das sofort wieder mitnimmt. Neueinsteiger beginnen dagegen besser mit Staffel 1, weil die fünfte direkt an offene Handlungsstränge anknüpft.






































