
„House of the Dragon“: 7 Unterschiede zum Buch bei der Schlacht um Stolperstadt
Der Kampf um Stolperstadt gehört zu den berüchtigtsten Ereignissen des „Tanzes der Drachen“, doch House of the Dragon (seit 2022) setzt ihn im Finale der dritten Staffel deutlich anders um als George R. R. Martin in „Feuer und Blut“. Dass sich die Serie dabei Freiheiten nimmt, passt allerdings durchaus zur Vorlage. Denn die ist schließlich kein klassischer Roman, sondern als historische Chronik angelegt, in der verschiedene Quellen die Ereignisse teilweise widersprüchlich schildern, was sie offen für Interpretationen macht.
Nur die groben Eckpunkte bleiben deshalb erhalten: In Stolperstadt treffen die Armeen der Grünen und Schwarzen aufeinander, Rhaenyras Truppen erleiden eine schwere Niederlage und es kommt zum folgenschweren Verrat. Die Vorgeschichte, wer überhaupt an der Schlacht teilnimmt und wie sich der Sieg gestaltet, unterscheidet sich allerdings erheblich von der Buchvorlage. Das sind die größten Unterschiede.
1. Angreifer und Verteidiger sind vertauscht
Der vielleicht grundlegendste Unterschied betrifft bereits die Ausgangslage. In „Feuer und Blut“ befindet sich Stolperstadt vor der Schlacht nämlich in den Händen der Schwarzen Fraktion. Ormund Hohenturm und seine Armee sind es wiederum, die auf die Stadt vorrücken und dort stationierte Truppen von Rhaenyra angreifen.
In House of the Dragon ist es hingegen genau umgekehrt: Ormund (James Norton) hat Stolperstadt bereits zuvor erobert und zu seinem Stützpunkt gemacht. Daemon (Matt Smith) und die Männer der Flusslande müssen die Stadt deshalb zurückerobern. Damit ist auch Ormunds perfider Plan eine Erfindung der Serie: Er lässt Kinder auf den Zinnen positionieren und nimmt Daemon damit die Möglichkeit, die Verteidigung einfach mit Caraxes zu durchbrechen.
Die Änderung sorgt dafür, dass die schwarze Fraktion ihren größten militärischen Vorteil zunächst nicht nutzen kann. Stattdessen müssen sich die Winterwölfe um Roderick Staublin (Tommy Flanagan) unter hohen Verlusten zu den Toren vorkämpfen.
2. Daemon kämpft im Buch nicht in Stolperstadt
Apropos Daemon: Der hat mit der Schlacht von Stolperstadt in „Feuer und Blut“ eigentlich nichts zu tun. Im Buch kämpfen allerdings ebenfalls die Flusslande-Armee und Rodericks Winterwölfe auf Rhaenyras Seite. Mehrere der dort beteiligten Kommandeure – darunter Ser Garibald Grau – hat die Serie allerdings gar nicht erst eingeführt. Stattdessen rückt sie mit Daemon eine ihrer Hauptfiguren ins Zentrum der Schlacht.

Damit sind natürlich auch mehrere konkrete Ereignisse neu. Sein Zweikampf mit Ser Jon Roxton (Joplin Sibtain) findet im Buch ebenso wenig statt. Noch wichtiger ist jedoch das Ende: Der sonst so kriegslüsterne Prinz wirkt vom tatsächlichen Grauen des Drachenkriegs erstmals regelrecht erschüttert. Stolperstadt wird in der Serie damit womöglich zu einem kathartischen Moment für Daemon, den er im Buch nicht erlebt.
3. Gawan dürfte eigentlich gar nicht mehr am Leben sein
Noch drastischer fällt die Änderung im Fall von Gawan Hohenturm (Freddie Fox) aus. Denn „Feuer und Blut“ zufolge dürfte er die Schlacht um Stolperstadt überhaupt nicht erleben.
Im Buch befindet er sich noch in Königsmund, als Rhaenyra und Daemon die Hauptstadt einnehmen, und ist stellvertretender Kommandeur der Stadtwache. Und als solcher wird er von seinem Vorgesetzten, Ser Luthor Largent, getötet, als sich die Goldröcke gegen die Grünen und Gawans Familie wenden.
Da er in der Serie noch lebt, kann Gawan im Finale eine völlig neue Rolle einnehmen: Er versucht gemeinsam mit Daeron (Benjamin Evan Ainsworth), die scheinbar aussichtslose Schlacht zu verhindern, zieht unter Friedensbanner zu Daemon und bietet eine Teilung des Reiches an. Außerdem hält er seinen Neffen davon ab, mit Tessarion in den Kampf einzugreifen.
Und anders als Ormund überlebt Gawan sogar das anschließende Inferno: Nach der Schlacht erwacht er auf dem Schlachtfeld und ruft verzweifelt nach Daeron.
4. Corlys ist im Buch weder Gefangener noch Friedensvermittler
Auch Corlys Velaryon (Steve Toussaint) hat in „Feuer und Blut“ bei Stolperstadt eigentlich nichts verloren. Er wird dort weder von den Grünen gefangen gehalten noch von Gawan als Teil eines Friedensangebots an Daemon übergeben. Stattdessen gerät Corlys zu diesem Zeitpunkt mit Rhaenyra aneinander und wird von ihr festgesetzt.
Entsprechend neu ist auch Gawans Angebot, Corlys freizulassen und das Reich zu teilen: Rhaenyra soll Königin bleiben, während Daeron von Altsass aus über die Weite herrscht. Ausgerechnet Corlys hält diesen Kompromiss für vernünftig, doch Daemon lehnt ihn ab.

Dadurch verschärft die Serie die Tragik der folgenden Schlacht: Das Blutvergießen erscheint unmittelbar zuvor noch vermeidbar. Und am Ende ist es Corlys, der den geschockten Daemon aus der zerstörten Stadt holt und ihm klarmacht, dass Stolperstadt verloren ist.
5. Daeron und Tessarion kämpfen im Buch tatsächlich mit
Während die Serie mehrere Figuren nach Stolperstadt versetzt, die im Buch gar nicht dort sind, macht sie bei Daeron das Gegenteil und hält einen der wichtigsten Teilnehmer der Schlacht augenscheinlich aus dem Kampfgeschehen heraus.

Denn in „Feuer und Blut“ steigt Daeron auf Tessarion in die Lüfte, kämpft aktiv für die Grünen und trägt entscheidend dazu bei, Rhaenyras Truppen zu schlagen. Der Daeron der Serie will zwar ebenfalls auf Tessarion in den Kampf ziehen, Gawan hält ihn jedoch davon ab. Anschließend verschwindet Daeron aus dem Blickfeld, und selbst als sein Onkel nach der Schlacht nach ihm ruft, gibt es keine Antwort. Aus einem entscheidenden Akteur der Schlacht macht die Serie damit einen der größten Cliffhanger des Staffelfinales.
6. Hugo wird nicht zum zweiten Verräter neben Ulf
Ein weiterer interessanter Unterschied betrifft Hugo Hammer (Kieran Bew). Im Buch nämlich sind es zwei von Rhaenyras Drachenreitern, die bei Stolperstadt die Seiten wechseln: Ulf und Hugo wenden sich mit Silberschwinge und Vermithor gegen die Schwarze Fraktion. Daraufhin gehen sie als die „Zwei Verräter“ in die Geschichte von Westeros ein. Warum sie Rhaenyra verraten, lässt die Chronik wiederum ausdrücklich offen; als mögliche Motive stehen unter anderem Gier und die Aussicht auf größere Belohnungen im Raum.
In der Serie widersetzt sich Hugo zwar Rhaenyras Befehl, Königsmund zu bewachen, tut dies aber nicht, um zu den Grünen überzulaufen. Seine Ehefrau Kat (Ellora Torchia) befindet sich in Stolperstadt, weshalb er sich in die Schlacht begibt und nach ihr sucht. Einem offenen Verrat kommt das nicht gleich, dennoch bleibt fraglich, ob Rhaenyra und Daemon ihm deswegen mehr Milde entgegenbringen werden.
7. Aus dem Sieg der Grünen wird in der Serie eine Katastrophe für beide Seiten
All diese Änderungen sorgen schließlich dafür, dass sich auch die Bilanz der Schlacht in der Serie gänzlich anders anfühlt. In „Feuer und Blut“ geht Stolperstadt als verheerende Niederlage für Rhaenyras Seite und triumphaler Sieg der Grünen in die Geschichte ein. Zwar muss die Schwarze Fraktion die Stadt letztlich auch in der Serie aufgeben, von einem Triumph aber ist in der Serie nichts zu spüren.

Das aber widerspricht vermutlich gar nicht George R. R. Martins Intentionen im Hinblick auf die Schlacht. Schließlich ist sein Buch als eine Chronik angelegt, in der Geschichte von den Überlebenden und Siegern geschrieben und ausgeschmückt wird. House of the Dragon zeigt lediglich, wie ein solcher vermeintlich glorreicher Sieg tatsächlich ausgesehen hat: chaotisch, überaus blutig und für Sieger wie Besiegte von entsetzlichen Verlusten geprägt.
Darin liegt ohnehin eine der großen Stärken der Serie: Hinter all den Drachen und strategischen Manövern verliert sie sich nicht in fantastischen Heldengeschichten, sondern zeigt immer wieder, was Krieg für die bedeutet, die ihn tatsächlich erleben müssen.




























