
Wie die abgesagte „He-Man“-Fortsetzung zu einem Film von Jean-Claude Van Damme wurde
Die Macht von Greyskull half auch Jean-Claude Van Damme zu seiner Karriere – und das, obwohl er gar nicht im Masters-of-the-Universe-Kosmos auftaucht. Wie das geht?
Nun, 1987 baut Cannon Films Kulissen für zwei Blockbuster gleichzeitig: ein Sequel zu Masters of the Universe – Kämpfer im Weltraum (1987) und einen Live-Action Spider-Man. Regisseur Albert Pyun beide parallel drehen. Das Resultat: Beide scheitern, bevor eine einzige Klappe fällt. Was bleibt, sind zwei Millionen Dollar verbautes Produktionsmaterial, ein Regisseur mit freien Drehtagen und ein aufstrebender Belgier namens Jean-Claude Van Damme. Das Ergebnis ist Cyborg (1989) – einer der ungewöhnlichsten Produktionsfälle der Actionfilmgeschichte, der sich ausgerechnet in den letzten Jahren von Cannon Pictures als einer ihrer wenigen Erfolge erweist.
Cannons Absturz
Menahem Golan und Yoram Globus hatten Cannon Films 1979 übernommen und mit einem einfachen Kalkül groß gemacht: viele billige Filme drehen, auf drei von zehn setzen, die Verluste der anderen damit auffangen. Chuck Norris, Charles Bronson, Ninjas – das Modell funktionierte bis Mitte der 1980er. Dann wollten Golan und Globus mehr. Sie stiegen in teure Prestige-Produktionen ein. Lifeforce kostete 25 Millionen Dollar – und floppte. Sie übernahmen Superman IV und kürzten das Budget – der Film fiel durch. Gleichzeitig geriet Masters of the Universe – Kämpfer im Weltraum während der Produktion permanent in Geldnöte: Schecks sprangen zurück, finanziell sah es alles andere als rosig aus. Der Film kostete zwischen 17 und 22 Millionen Dollar und spielte knapp 17 Millionen ein. In Kombination mit Superman IV war das der Anfang vom Ende.
Was das He-Man-Sequel hätte werden sollen
Noch auf dem Cannes-Festival 1987 kündigte Golan einen zweiten He-Man-Film an. Dolph Lundgren sagte ab – er mochte den ersten Film nicht und zog Cannons Red Scorpion (1989) vor. Als Ersatz war Laird Hamilton vorgesehen, ein Profi-Surfer ohne Filmvergangenheit.

Das Sequel sollte He-Man zurück auf die Erde schicken – dieses Mal getarnt als American-Football-Quarterback. Als Regisseur war Albert Pyun vorgesehen, der gleichzeitig auch Cannons geplante Spider-Man-Verfilmung inszenieren sollte. Für beide Produktionen waren bereits Kulissen und Kostüme angefertigt worden. Doch dann fielen beide Projekte auseinander: Spielzeughersteller Mattel war mit dem Drehbuch zu He-Man 2 unzufrieden und zog die Lizenz zurück, nachdem Cannon die vereinbarten Gebühren nicht bezahlt hatte. Auch Spider-Man wurde eingestellt. Übrig blieben fertig gebaute Sets und Kostüme – aber keine Filme, für die sie noch gebraucht wurden.
Ein Wochenende, ein Drehbuch, zehn Millionen Dollar Einspielergebnis
Pyun bekam den Auftrag, an einem Wochenende ein Skript zu schreiben, das das vorhandene Material nutzen konnte. Er erfand eine postapokalyptische Welt, benannte alle Figuren nach Gitarrenmarken – Gibson Rickenbacker, Fender Tremolo, Pearl Prophet – und schrieb die Hauptrolle ursprünglich für Chuck Norris.
Golan entschied anders: Van Damme, gerade seinen Durchbruch mit Bloodsport (1988) gefeiert, sollte der Hauptdarsteller werden. Pyun schrieb den Charakter um. Gedreht wurde in 23 Tagen in Wilmington, North Carolina, mit unter 500.000 Dollar Budget, inklusive Van Dammes Gage. Cyborg spielte über zehn Millionen Dollar ein – und lief in amerikanischen Fernsehprogrammen zeitweise unter dem inoffiziellen Titel Masters of the Universe II: The Cyborg. Kein autorisierter Titel. Aber einer, der die Entstehungsgeschichte zufällig exakter beschreibt als jeder Text.
He-Man 2026
Wer sich nach dieser seltsamen Produktionsgeschichte fragt, wo das Franchise heute steht: Travis Knights Masters of the Universe (2026) mit Nicholas Galitzine als Prinz Adam und Jared Leto als Skeletor läuft seit dem 4. Juni 2026 in den deutschen Kinos.
Wer vor dem Kinobesuch noch tiefer in die Geschichte des Franchise eintauchen will, findet mit Die Macht von Grayskull: Die definitive Geschichte von He-Man und den Masters of the Universe (2017) den besten Einstieg – kostenlos auf JustWatch TV.









































