
Kino statt Kicken: 15 Fußballer, die in Filmen mitspielten
Fußballer, die in Filmen auftauchen, sind keine Seltenheit, aber fast immer eine Überraschung. Franz Beckenbauer spielte sich 1973 in dem semi-dokumentarischen Kinofilm Libero selbst, und das Ergebnis war so beeindruckend, dass der Film Jahrzehnte später in der Sendung „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ landete – oscarreif war das also wahrlich nicht. Aber trotzdem legendär.
Seitdem sind Fußballer in Historiendramen gelandet, in Asterix-Verfilmungen, in Oscar-prämierten Biopics und in deutschen Schulkomödien. Und einer von ihnen hat daraus tatsächlich eine ernsthafte Zweitkarriere gemacht!
Diese Liste versammelt 16 Spieler, die den Sprung vor die Kamera gewagt haben, manche mit mehr Erfolg als andere, aber immer mit Unterhaltungswert.
John Huston brauchte für seinen Kriegsfilm über alliierte Kriegsgefangene, die gegen eine deutsche Mannschaft antreten, echte Fußballer – und bekam den besten der Welt.
Pelé spielt in Flucht oder Sieg den trinidadischen Corporal Luis Fernandez, schlägt Sylvester Stallone und Michael Caine in jeder Szene, in der er auftaucht, und landet einen Fallrückzieher, der bis heute der eindrucksvollste Moment des Films ist.
Stallone versuchte monatelang, das Goalkeeping zu lernen, und scheiterte so konsequent, dass echte Ipswich-Town-Spieler seine Szenen im Tor übernehmen mussten. Dass Flucht oder Sieg funktioniert, liegt hauptsächlich daran, dass Pelé nicht so tut als ob – er bringt einfach mit, was er hat, und das reicht vollkommen.
Mit dreißig hängte Cantona die Fußballschuhe an den Nagel und fing an, richtig zu schauspielern – ohne Schauspielschule, ohne Ausbildung, einfach so. Sein erster großer Auftritt war keine kleine Nebenrolle, sondern eine echte Rolle im oscarnominierten Historienfilm Elizabeth von Shekhar Kapur. Die Rolle: der französische Botschafter Paul de Foix, an der Seite von Cate Blanchett. Cantona spielt ihn mit der ruhigen Autorität eines Mannes, der weiß, dass er im Raum die interessanteste Person ist, was bei seiner Vita keine große Schauspielleistung erfordert, aber trotzdem nicht jeder hinbekommt.
Seitdem hat er über vierzig Rollen gespielt, darunter Ken Loachs Looking for Eric, in dem er sich selbst spielt und dabei besser ist als die meisten Schauspieler in vergleichbaren Rollen. Cantona ist der einzige auf dieser Liste, bei dem man sagen kann: Der hat das ernst gemeint.
Zwei Jahre nach dem Kopfstoß gegen Materazzi im WM-Finale 2006, der sein letztes Bild als aktiver Spieler wurde, tauchte Zidane in Asterix bei den Olympischen Spielen auf – eine der teuersten französischen Produktionen aller Zeiten.
Er spielt einen ägyptischen Athleten namens Numérodis, trägt eine Perücke und Kleopatra-Make-up und darf trotzdem zeigen, was er mit einem Ball kann. Die Selbstironie, die dafür nötig ist, hat man ihm nicht unbedingt zugetraut – Zidane war nie für seinen Humor bekannt, sondern eher für seinen Blick, der Gegenspieler einschüchterte, bevor er überhaupt zum Ball kam. Dass er sich hier so entspannt zur Schau stellt, ist die eigentliche Überraschung.
Guy Ritchie und David Beckham kennen sich seit Jahren, ihre Kinder gehen auf dieselbe Schule und sie teilen dieselbe Stammkneipe in London, was die Besetzung in King Arthur: Legend of The Sword zwar erklärt, aber nicht entschuldigt.
Beckham spielt einen mittelalterlichen Soldaten namens Trigger, hat genau eine Szene, spricht nur sehr wenige Sätze, und wirkt dabei so deplatziert wie ein Freistoßspezialist im Mittelalter. Die Szene wurde im Internet sofort zum Meme. Was sie trotzdem sehenswert macht: Beckham nimmt es nicht ernst, und das ist die einzig richtige Entscheidung. Wer mit diesem Gesicht, diesem Ruf und dieser Frisur in einem Artusfilm auftaucht, hat die Wahl zwischen Grandiosität und Selbstironie – und Beckham wählte instinktiv die zweite Option.
Vinnie Jones ist der Sonderfall auf dieser Liste. Er spielte in den Achtzigern und Neunzigern harten Fußball für Wimbledon, Leeds und Chelsea, war für Fouls bekannt, die heute Karriereenden würden, und begann dann – noch als aktiver Profi – eine Filmkarriere, die bis heute bereits über hundert Rollen umfasst.
Bube, Dame, König, Gras war der Anfang, Snatch der Beweis, dass es kein Zufall war. Jones spielt keine Rollen, er spielt sich selbst in immer neuen Kostümen, aber er tut das mit einer Konsequenz und Verlässlichkeit, die echtes Handwerk ist. Neben Cantona ist er der einzige auf dieser Liste, der den Sprung ins Kino wirklich ernst gemeint hat, und der dabei nie so getan hat, als wäre er etwas anderes als Vinnie Jones.
Drei Männer, die zusammen mehr Meistertitel geholt haben als die meisten Vereine, standen 2017 für einen Drehtag im Englischen Garten München und hatten einen kurzen Gastauftritt. Der Film war Fack ju Göhte 3, der dritte und letzte Teil der erfolgreichsten deutschen Kinokomödien-Trilogie aller Zeiten, und die Szene, in der Hummels, Alaba und Kimmich neben Jella Haase als Chantal auftauchen, ist kurz und klein.
Aber dass drei Männer, die es gewohnt sind, in Champions-League-Finals zu spielen, sich dafür einen Tag freinahmen und dabei offenbar so entspannt waren wie sonst nur auf dem Trainingsplatz, hat eine Komik, die der Film gar nicht extra kommentieren muss. Hinterher schossen alle drei Erinnerungsselfies.
Zidane spielte bei Asterix einen Ägypter. Zlatan spielte fünfzehn Jahre später einen Römer – Caius Antivirus, Feldherr, kämpft mit den Fäusten und darf zwischendurch einen Ball kicken. Der Unterschied zu Zidane: Zlatan ist seit Jahrzehnten sein eigenes Meme, und Asterix und Obelix: Im Reich der Mitte weiß das und nutzt es konsequent.
Die Szenen mit ihm funktionieren nicht trotz seiner begrenzten Schauspielleistung, sondern wegen seiner vollständigen Bereitschaft, sich selbst zu parodieren. Zlatan hat sich in seiner Karriere so oft in der dritten Person über sich selbst geäußert, so viele Zitate produziert, die zwischen Größenwahn und Selbstironie kaum zu unterscheiden sind, dass der Schritt vor eine Filmkamera eigentlich nur die logische Fortsetzung war. Mit dem Konzept der Selbstironie hat dieser Mann schon lange Frieden geschlossen – ob er das selbst weiß oder nicht, ist eine andere Frage.
Der französische Weltmeister von 1998 ist der einzige Fußballer in der Geschichte, der in einem Oscar-prämierten Biopic mitgespielt hat.
In Die Entdeckung der Unendlichkeit, dem Film über Stephen Hawking mit Eddie Redmayne in der Titelrolle, spielt Lebœuf einen Arzt, der Hawking eröffnet, dass er nie mehr sprechen wird. Tatsächlich hatte er nach seiner Karriere das renommierte Lee Strasberg Theatre and Film-Institute in West Hollywood besucht und zwei Jahre lang Schauspiel studiert, was erklärt, warum sein Auftritt glücklicherweise nicht klingt wie ein Fußballer, der einen Arzt spielt. Kaum jemand weiß, dass er hinter dem Arzt in diesem Film steckt, und das ist eigentlich das größte Kompliment.
In der Kultkomödie Lammbock von 2001 war Scholl nicht dabei – er war nur das Objekt der Begierde, ein Running Gag, ein Poster an der Wand und das schwärmerischste Zitat des Films. Die beiden Hauptfiguren, gespielt von Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz, vergöttern ihn mit einer Inbrunst, die jeden anderen peinlich berührt hätte.
In der Fortsetzung Lommbock sechzehn Jahre später, spielte Scholl sich dann selbst, an der Seite von Bleibtreu, und schloss damit einen Kreis, der so absurd ist, dass man ihn nicht hätte erfinden können.
Dass ausgerechnet der eleganteste Techniker seiner Bayern-Generation zum Inbegriff einer Kifferkomödie wurde, ist eine der schöneren Fußnoten der deutschen Fußballgeschichte. Scholl hat das mit einer Gelassenheit mitgemacht, die zeigt, dass er sich selbst nie allzu ernst genommen hat, was ihn von den meisten seiner Kollegen unterscheidet.
In den ersten Minuten des Vin-Diesel-Actionfilms xXx: Die Rückkehr des Xander Cage versucht NSA-Agent Samuel L. Jackson, Neymar als Geheimagenten zu rekrutieren. Neymar beweist seine Eignung, indem er einem maskierten Räuber mit dem Fuß einen Serviettenbehälter ins Gesicht schießt.
Die Szene dauert etwa zwei Minuten, Neymar sagt kaum etwas, und trotzdem funktioniert das Ganze, weil der Film so weit über jede Ernsthaftigkeit hinaus ist, dass ein brasilianischer Fußballstar als Nachwuchsagent vollkommen logisch wirkt. Was auffällt: Neymar wirkt nicht wie jemand, der einen Gefallen tut. Er wirkt wie jemand, dem das Spaß macht. Später spielte er auch noch einen Mönch namens João in der Netflix-Serie Haus des Geldes, was die Theorie erhärtet. Neymar scheint vor der Kamera genau dort zu sein, wo er hingehört.



























































