
Lange vor „Bloodborne“: Dieser französische Horrorfilm zeigte den Albtraum schon 14 Jahre früher
Sony hat es offiziell bestätigt: Bloodborne bekommt einen animierten Film – explizit für Erwachsene. Für alle, die das Spiel kennen, war das eine längst überfällige Nachricht. Für alle anderen: Bloodborne ist ein 2015 erschienenes Action-RPG von FromSoftware, das einen in eine gotische Stadt voller infizierter Menschen und albtraumhafter Kreaturen wirft und dabei zu einem der einflussreichsten Spiele seiner Generation wurde.
Die Community wartet seit Jahren auf etwas Neues, und jetzt ist es in Arbeit. Aber bevor die offizielle Adaption näher rückt, lohnt sich ein Blick auf den Film, den FromSoftware-Chef Miyazaki selbst als eine seiner größten Inspirationen nannte, und den Fans in der Community längst als inoffizielle Blaupause des Spiels handeln: Pakt der Wölfe, ein französischer Horrorfilm aus dem Jahr 2001, der schon damals klang, als hätte jemand Yharnam in die Bretagne verlegt.
Was „Pakt der Wölfe“ überhaupt ist
Le Pacte des Loups – im deutschen Verleihtitel Pakt der Wölfe – ist einer dieser Filme, die sich schlecht in eine Schublade stecken lassen, und das mit erkennbarer Absicht. Regisseur Christophe Gans schickt zwei Männer ins ländliche Frankreich des 18. Jahrhunderts: den Naturforscher und königlichen Gesandten Fronsac und seinen Mohawk-Blutsbruder Mani, um eine Mordserie aufzuklären. Die Opfer in jedem Fall: Frauen und Kinder, zerrissen von einem Wesen, das niemand je zur Gänze gesehen hat. Die Bestie von Gévaudan – ein reales Kapitel der französischen Geschichte – wird hier zum Aufhänger für etwas, das sich anfühlt wie eine Mischung aus Historiendrama, Martial-Arts-Film, Gothic-Horror und politischem Thriller.
Rotten Tomatoes fasste es damals so zusammen: Der Film vermische seine Genres mit wenig Logik, aber das Ergebnis sei wild unterhaltsam. Das klingt kritischer, als es gemeint ist. Was den Film so ungewöhnlich macht, ist nicht nur das Thema, sondern die Atmosphäre. Gévaudan wirkt wie ein Ort, an dem die Aufklärung noch nicht ganz angekommen ist, und wo neben Wissenschaft und Vernunft etwas Dunkles, Archaisches weiterlebt. Das Licht ist schwer, die Kostüme sind wuchtig, die Nächte haben echtes Gewicht. Und irgendwo da draußen ist die Bestie.
Warum Miyazaki „Pakt der Wölfe“ liebte, und was er daraus gemacht hat
2019 verriet FromSoftware-Chef Hidetaka Miyazaki in einem Interview, dass „Bloodborne“ sein liebstes eigenes Spiel ist – das Werk, das ihn am meisten geprägt hat und das er so gemacht hat, wie er wollte. Als er nach seinen Inspirationen gefragt wurde, nannte er Pakt der Wölfe explizit. Was er daraus gezogen hat, ist für Fans heute offensichtlich, sobald man den Film kennt.
Die Kostüme der Jäger in Yharnam – Tricornhüte, schwarze Ledermäntel und aristokratische Rüschen in dunklen Farben – stammen eher aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts als aus dem viktorianischen London, das oft als Setting zitiert wird. Vincent Cassels Waffe im Film, ein Knochenschwert, das sich in eine Peitsche verwandelt, liest sich im Rückblick wie ein direkter Prototyp für Bloodbornes sogenannte „Trick Weapons“ – Waffen, die eine zweite Form annehmen können. Und dann ist da noch die Szene, in der Cassel mit einer silbernen Kugel aus einer aufwendigen Pistole einen Angriff mitten im Kampf unterbricht. Eine Szene, die sich wie ein Vorläufer von Bloodbornes zentraler Parry-Mechanik liest, auch wenn Miyazaki diesen Zusammenhang nie explizit bestätigt hat.
Tiefer liegt die thematische Verbindung: das Motiv der Jagd als Obsession. In Pakt der Wölfe ist die Bestie kein simples Monster, sie ist das Symptom einer kaputten Gesellschaft, ein Werkzeug und auch ein Geheimnis. Wer sie jagt, verliert sich selbst ein Stück weit daran. Genau das ist auch der emotionale Kern von Bloodborne: Die Jäger von Yharnam definieren sich über die Jagd, bis die Jagd sie aufgefressen hat.
Lohnt sich der Film für „Bloodborne“-Fans?
Die ehrliche Antwort ist: ja – aber mit den richtigen Erwartungen. Pakt der Wölfe ist kein schlanker Film. Die Laufzeit liegt je nach Schnittversion zwischen 143 und 150 Minuten, die Handlung verliert sich gelegentlich in politischen Intrigen und romantischen Nebenspuren, und der tonale Sprung zwischen eleganter Historienästhetik und wildem Martial-Arts-Spektakel ist echt und manchmal befremdlich.
Wer einen kohärenten Genrefilm erwartet, wird stolpern. Wer aber versteht, was Gans versucht – nämlich eine Welt zu bauen, in der sich das Unheimliche ganz natürlich ins Historische einfügt, in der eine Bestie gleichzeitig reales Tier, politisches Konstrukt und mythisches Wesen sein kann –, der wird genau das finden, was Miyazaki faszinierte. Die Atmosphäre ist dicht, die Kostüme sind außergewöhnlich, und das Grundgefühl, dass hinter allem eine dunkle, schlecht verstandene Wahrheit lauert, wird in jeder Minute des Films deutlich. Das ist Bloodborne - nur ein paar Jahrhunderte früher und mit mehr Weißwein. Sony hat den offiziellen Animationsfilm angekündigt, Jacksepticeye produziert, ein Releasedatum gibt es allerdings bisher nicht. Bis dahin ist Pakt der Wölfe der beste Ausgangspunkt, um zu verstehen, woher diese ganz bestimmte Dunkelheit kommt.
















