
10 Filme wie „Die Passion Christi": Biblische Epen für die Osterzeit
Jedes Jahr zur Osterzeit passiert dasselbe: Die Passion Christi klettert in den Charts nach oben, in manchen Ländern bis auf Platz eins, und Millionen Menschen schauen einen Film, der 2004 das Kino in eine Art Gottesdienst verwandelt hat.
Mel Gibsons Werk ist brutal, kompromisslos und von einer visuellen Wucht, die sich ins Gedächtnis brennt. Es gibt nicht viele Filme, die so offen nach Transzendenz greifen und sie manchmal sogar berühren. Aber es gibt sie. Das Kino hat immer wieder versucht, das Große, das Schwere, das Mythische auf die Leinwand zu bringen: Götter und Könige, Propheten und Krieger, Schlachten und Opfer, die sich anfühlen, als würde Geschichte vor den eigenen Augen entstehen. Diese zehn Filme tun genau das.
Mel Gibson hat mit diesem Film etwas gemacht, das in Hollywood niemand für möglich gehalten hatte. Er brachte ein zweistündiges, weitgehend aramäisch- und lateinischsprachiges Leidensepos ohne Happy End in die Kinos, und die Welt hat zugeschaut. Die Passion Christi zeigt die letzten zwölf Stunden im Leben Jesu mit einer Kompromisslosigkeit, die bis heute polarisiert. Jim Caviezel spielt Christus als körperlich zerstörten, spirituell unerschütterlichen Mann, und die Kamera schaut dabei nicht weg. Was Gibson gedreht hat, ist kein frommer Sonntagsfilm, sondern ein physisches Erlebnis, das den Zuschauer in die Enge treibt. Dass der Film trotzdem, oder genau deswegen, zum Phänomen wurde, sagt viel über das aus, was Menschen im Kino manchmal suchen.
Elf Oscars, eine der berühmtesten Actionsequenzen der Filmgeschichte und eine Laufzeit von fast vier Stunden: Ben Hur hat sich das alles redlich verdient. Die Geschichte des jüdischen Prinzen Judah Ben-Hur, der durch Verrat in die Sklaverei getrieben wird und seinen Weg zurück durch Rache, Krieg und schließlich Glaube findet, ist eines der ambitioniertesten Projekte, das Hollywood je in Angriff genommen hat. Das Wagenrennen gegen Messala gehört zu den Momenten, die das Kino definiert haben, aber was den Film wirklich trägt, ist Charlton Hestons Präsenz: stoisch, verletzt und am Ende erschüttert von etwas, das größer ist als er. Ein Epos im ältesten und besten Sinne des Wortes.
Cecil B. DeMille hat für diesen Film buchstäblich den Nil geteilt, zumindest auf der Leinwand, und das mit einer Chuzpe, die auch siebzig Jahre später noch beeindruckt. Die Zehn Gebote erzählt das Leben des Moses vom Findelkind am Hof des Pharaos bis zum alten Mann vor dem Gelobten Land, und tut das mit einer Opulenz, die heute kaum noch jemand wagen würde. Charlton Heston spielt Moses als Naturgewalt, Yul Brynner spielt Ramses als würdigen Gegner, und dazwischen entfaltet sich ein Spektakel, das das biblische Epos als Kinoformat überhaupt erst erfunden hat. Wer wissen will, wo alles angefangen hat, fängt hier an.
Rom brennt, die Arena brüllt, und Maximus will nur nach Hause. Ridley Scotts Gladiator hat das Sandalenfilm-Genre aus dem Mottenkugeln-Regal geholt und für eine neue Generation neu erfunden. Was auf dem Papier eine straighte Rachegeschichte ist, funktioniert auf der Leinwand als moralisches Drama über Ehre, Verlust und die Frage, was einen Menschen aufrecht hält, wenn alles andere weggebrochen ist. Russell Crowe spielt Maximus mit einer grollenden Würde, die den Film weit über seine Actionmomente hinaushebt, und Hans Zimmers Musik hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis gebrannt, dass man sie beim ersten Takt sofort erkennt. Ein Film, der das Gewicht seiner eigenen Mythen kennt und damit spielt.
Homer hat die Geschichte der Ilias in Verse gegossen, Wolfgang Petersen hat daraus drei Stunden Kino gemacht, und Brad Pitt hat Achilles gespielt, als wäre er selbst unsterblich. Troja ist kein perfekter Film, aber ein beeindruckend ehrgeiziger: Die Schlachten haben Gewicht, die Figuren haben Widersprüche, und die Grundfrage des Epos, ob Ruhm wirklich ein Leben wert ist, bleibt bis zum Ende offen. Eric Bana als Hektor ist dabei die eigentliche moralische Mitte des Films, ein Mann, der einen Krieg führt, den er für falsch hält, und das mit einer Haltung, die mehr Würde hat als jede Heldenpose. Der Untergang Trojas hat selten so nach echtem Verlust geklungen.
Zack Snyder hat für diesen Film eine Bildsprache erfunden, die so stilisiert ist, dass sie fast schon als Malerei durchgeht und macht dabei dreihundert Spartaner gegen die persische Armee zu einem visuellen Manifest. 300 ist kein realistisches Historienepos, sondern ein kalkulierter Rausch: jede Einstellung ist komponiert wie ein Gemälde, jede Zeitlupe ein Kommentar auf das, was Heldentum bedeutet und was es kostet. Gerard Butler spielt Leonidas als Mann, der seinen Tod nicht fürchtet, sondern plant, und das mit einer Energie, die den Film auch dann mitreißt, wenn die Logik aussetzt. Ob das nun Propaganda oder Poesie ist, darüber lässt sich streiten. Beides ist es ein bisschen, und genau darin liegt der Reiz.
Moses noch einmal, diesmal durch die Augen von Ridley Scott und mit Christian Bale in der Hauptrolle: ein zweifelnder, gequälter Mann, der eine göttliche Mission empfängt und bis zuletzt nicht sicher ist, ob er ihr gewachsen ist. Exodus - Götter und Könige hat bei seinem Erscheinen gemischte Kritiken kassiert, aber als Epos verdient er mehr Respekt als er bekommen hat. Scott interessiert sich weniger für Wunder als für den Menschen dahinter, und das gibt dem vertrauten Stoff eine Reibung, die angenehm unbequem ist. Die Plagen Ägyptens werden hier nicht als göttliche Lichtshow inszeniert, sondern als Naturkatastrophen mit apokalyptischem Ausmaß, und das sitzt.
Dass ein Animationsfilm auf dieser Liste steht, mag überraschen, aber Der Prinz von Ägypten hat sich diesen Platz vollständig verdient. DreamWorks hat die Moses-Geschichte mit einer emotionalen Ernsthaftigkeit erzählt, die viele Realfilme nicht erreichen, und mit einer visuellen Kraft, die in manchen Momenten tatsächlich atemberaubend ist. Die Szene, in der das Rote Meer sich teilt, gehört bis heute zu den eindrucksvollsten Darstellungen dieser Geschichte in irgendeinem Medium überhaupt. Dazu kommt ein Gespür für das Gewicht des Stoffes, das den Film weit aus dem Schatten des typischen Familienfilms heraushebt, und eine Ernsthaftigkeit im Umgang mit Glaube und Zweifel, die man von einem Animationsfilm selten erwartet und noch seltener bekommt. Dieser Film hat definitiv das Recht, neben den großen Realfilm-Epen dieser Liste zu stehen.
Die Kreuzzüge als Kulisse, Orlando Bloom als zweifelnder Schmied und Ritter, und Ridley Scott zum zweiten Mal auf dieser Liste, diesmal mit einem Film, der in seiner Kinofassung unterschätzt wurde und in der Director's Cut Version eine ganz andere Qualität entfaltet. Königreich der Himmel stellt die unbequeme Frage, wofür heilige Kriege eigentlich geführt werden, und lässt keine der beteiligten Seiten ungeschoren davonkommen. Was den Film trägt, ist nicht die Handlung, sondern die Atmosphäre: Jerusalem als Stadt, die drei Religionen für sich beanspruchen und die alle drei immer wieder verwüsten. Am Ende stehen Ruinen, und Scott lässt den Zuschauer selbst entscheiden, was das über den Glauben sagt, in dessen Namen sie entstanden sind.
Christopher Nolan hat jahrelang davon geträumt, diesen Stoff zu verfilmen, und mit einem Budget von 250 Millionen Dollar und dem ersten Film der Geschichte, der komplett mit IMAX-Kameras gedreht wurde, bekommt Homers unsterbliches Epos nun seine bisher größte Leinwand. Die Odyssee kommt demnächst in die deutschen Kinos und erzählt die Heimreise des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg, mit Matt Damon in der Hauptrolle und einem Ensemble, das von Tom Holland bis Charlize Theron reicht. Noch ist der Film nicht erschienen, und ein echtes Urteil muss warten. Aber wer einen Regisseur sucht, der das Schwere, das Große und das Menschliche in einem Atemzug erzählen kann, hat mit Nolan zumindest die richtige Wahl getroffen.

























































