Zehn Filme über heimliche Affären, die man nach Netflix' „Deseo – Verlangen“ sehen sollte

Zehn Filme über heimliche Affären, die man nach Netflix' „Deseo – Verlangen“ sehen sollte

Veröffentlicht am 28. Juli 2026

Aktualisiert am 28. Juli 2026

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Begehren und Schuld. Ein Geheimnis, und die ständige Angst vor seiner Entdeckung. Kaum ein Stoff hat das Kino so verlässlich beschäftigt wie der heimliche Seitensprung. Gerade führt Deseo – Verlangen (2026) das wieder vor, der mexikanische Thriller, mit dem Netflix im Juli in über sechzig Ländern an die Spitze der Charts sprang: Eine erfolgreiche Anwältin lässt sich auf den Schwimmtrainer ihrer Tochter ein und setzt damit alles aufs Spiel. Das Motiv ist uralt, und trotzdem kehrt das Kino immer wieder zu ihm zurück, weil kaum etwas so viel Sprengkraft birgt wie eine Beziehung, die es nicht geben dürfte. Von kühlen Erotikthrillern bis zu Dramen, die einem das Herz schwer machen: Diese zehn Filme zeigen, wie eine einzige verbotene Liebe alles kippen kann.

01

Babygirl
Babygirl

Babygirl

2024

Halina Reijns Babygirl (2024) dreht das übliche Machtgefälle des Genres um. Romy (Nicole Kidman) führt einen Technologiekonzern, ist verheiratet, hat zwei Töchter – ein Leben wie aus dem Schaufenster. Dann steht der junge Praktikant Samuel (Harris Dickinson) in ihrem Büro. Was zwischen beiden beginnt, stellt nicht nur ihre Ehe infrage, sondern ihr ganzes Selbstbild als kontrollierte Frau an der Spitze.

Reijn erzählt das nicht als Absturz einer Ehebrecherin. Sie erzählt es als riskante Selbsterkundung, bei der die Mächtige die Kontrolle freiwillig abgibt. Kidman gewann in Venedig den Preis als beste Darstellerin, und die Wucht des Films lebt von ihrer Bereitschaft, sich angreifbar zu machen. Antonio Banderas spielt den Ehemann, der ahnt, dass etwas nicht stimmt, ohne zu begreifen, was genau. Ein Erotikthriller, der über Begehren und Macht nachdenkt, statt bloß zu provozieren.

02

Untreu
Untreu

Untreu

2002

Adrian Lyne prägte das Genre in den Achtzigern und Neunzigern wie kein Zweiter. Untreu (2002) ist eine seiner kältesten Studien. Connie (Diane Lane) führt mit Edward (Richard Gere) eine glückliche Ehe in einem Vorort von New York. Bis sie in der Stadt einen charmanten Fremden trifft, den Buchhändler Paul (Olivier Martinez). Aus einem Zufall wird eine Affäre, aus der Affäre eine Katastrophe, die keiner mehr aufhält.

Die Spannung zieht Lyne nicht aus der Leidenschaft, sondern aus der Angst danach: aus dem Moment, in dem Edward begreift, dass seine Frau ihn belügt. Und aus dem, was er daraufhin tut. Diane Lane, für den Oscar nominiert, trägt den ganzen Film in ihrem Gesicht – Lust, Scham und Reue, oft im selben Bild. Ein Thriller, der eigentlich ein Ehedrama ist.

Kein Film hat das moderne Affären-Kino stärker geprägt. In Eine verhängnisvolle Affäre (1987), erneut von Adrian Lyne, verbringt der verheiratete Anwalt Dan (Michael Douglas) ein Wochenende mit der Lektorin Alex (Glenn Close), während seine Familie verreist ist. Für ihn ein Abenteuer, das folgenlos bleiben soll. Für sie der Anfang von etwas, das sie nicht mehr loslassen wird. Alex akzeptiert das Ende nicht. Ihre Zuneigung kippt in Besessenheit, und der diskrete Seitensprung wird zur Bedrohung für alles, was Dan zu schützen versucht.

Der Film war der zweitgrößte Kinoerfolg des Jahres 1987 und prägte eine ganze Welle von Nachahmern. Bis heute wird über sein Frauenbild gestritten. Denn Glenn Close macht aus Alex keine bloße Furie, sondern einen Menschen in echter Not – was verstörender nachwirkt als jede Verfolgungsjagd.

04

Verhängnis
Verhängnis

Verhängnis

1992

Louis Malles Verhängnis (1992) ist die vielleicht ungünstigste Studie über Begehren als Selbstzerstörung. Ein angesehener britischer Politiker (Jeremy Irons) lernt die Verlobte seines eigenen Sohnes kennen, Anna (Juliette Binoche). Und verfällt ihr auf der Stelle. Was folgt, ist keine glühende Romanze, sondern ein kühler, fast willenloser Sog in die Katastrophe. Irons spielt einen Mann, der genau weiß, dass er sein Leben, seine Ehe, seine Familie zerstört – und trotzdem nicht aufhören kann.

Binoche gibt Anna eine rätselhafte Kühle, hinter der ein altes Trauma steckt. Der Titel ist Programm: keine Erlösung, nur der Preis. Miranda Richardson, als betrogene Ehefrau für den Oscar nominiert, hat eine einzige Szene puren Schmerzes, die man nicht mehr vergisst. Selten tat Begehren im Kino so weh.

Neil Jordans Das Ende einer Affäre (1999) verfilmt Graham Greenes weitgehend autobiografischen Roman als melancholische Studie über Liebe, Eifersucht und Glauben. London, während des Zweiten Weltkriegs. Der Schriftsteller Maurice Bendrix (Ralph Fiennes) beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Sarah (Julianne Moore), der Frau eines biederen Beamten (Stephen Rea). Dann bricht sie die Beziehung ab, von einem Tag auf den anderen, ohne ein Wort.

Jahre später setzt Bendrix, von Eifersucht zerfressen, einen Privatdetektiv auf sie an, um den wahren Grund zu erfahren – und stößt auf ein Versprechen, mit dem er nie gerechnet hätte. Jordan erzählt nicht chronologisch, sondern in Schleifen, die dieselben Szenen aus wechselnden Blickwinkeln zeigen. Ein regennasses, tief trauriges Melodram über eine Liebe, die an etwas Größerem zerbricht als an Untreue – am Glauben selbst.

06

Match Point
Match Point

Match Point

2005

Woody Allens Match Point (2005) ist ein kalt kalkulierter Thriller über Ehrgeiz und Glück. Chris (Jonathan Rhys Meyers), ehemaliger Tennisprofi aus einfachen Verhältnissen, heiratet in eine reiche Londoner Familie ein. Er könnte zufrieden sein. Dann beginnt er eine Affäre mit Nola (Scarlett Johansson), der Verlobten seines Schwagers, und gerät zwischen die Sicherheit des neuen Lebens und die Leidenschaft, die es sprengen könnte.

Moral interessiert Allen hier nicht. Ihn interessiert der Zufall: wie viel im Leben über Sieg und Niederlage entscheidet und wie wenig davon wir in der Hand haben. Der Film nimmt eine tödliche Wendung und stellt die unbequeme Frage, ob ein Mensch mit Schuld einfach davonkommen kann. Die Antwort, die Allen gibt, ist bis heute verstörend. Einer seiner besten Filme, und einer seiner kältesten.

Laure de Clermont-Tonnerres Lady Chatterleys Liebhaber (2022) verfilmt D. H. Lawrences einst skandalumwitterten Roman als sinnliches Klassendrama. Connie (Emma Corrin) ist in Reichtum und Konvention hineingeboren und heiratet Sir Clifford Chatterley (Matthew Duckett). Der kehrt aus dem Ersten Weltkrieg querschnittsgelähmt zurück und verschließt sich zusehends in sich selbst. Auf dem Anwesen begegnet Connie dem Wildhüter Oliver Mellors (Jack O’Connell), und aus der stummen Annäherung wird eine körperliche wie seelische Befreiung, die alle Standesgrenzen überschreitet.

Der Film nimmt sich Zeit für das Erwachen einer Frau, die zu spüren beginnt, was ihr fehlte. Die Affäre erscheint nicht als Verfehlung, sondern als Rückkehr zu sich selbst. Emma Corrin gibt Connie eine trotzige Verletzlichkeit. So übersetzt der Film den Skandal des Romans in Zartheit, ohne ihm die Körperlichkeit zu nehmen.

Am anderen Ende des Spektrums: Clint Eastwoods Die Brücken am Fluss (1995), das leiseste Melodram dieser Liste. Francesca (Meryl Streep), eine italienischstämmige Farmersfrau in Iowa, ist ein paar Tage allein, während Mann und Kinder auf einer Landwirtschaftsmesse sind. Da klopft der Fotograf Robert (Clint Eastwood) an ihre Tür, der für ein Magazin die überdachten Holzbrücken der Gegend ablichtet. Aus vier Tagen wird die große Liebe ihres Lebens. Und die Frage, ob sie alles aufgibt oder bleibt.

Anders als die meisten Filme dieser Liste kennt Eastwoods Werk keine Rache, keine Leiche, nur die stille Wucht einer Entscheidung, die ein ganzes Leben prägt. Meryl Streep wurde für den Oscar nominiert und macht aus Francescas Zerrissenheit etwas Herzzerreißendes. Der Beweis, dass eine heimliche Affäre nicht laut sein muss, um zu erschüttern.

Anthony Minghellas Der englische Patient (1996) verpackt seine Affäre in eine der großen Kinoerzählungen der Neunziger. In einem italienischen Kloster liegt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ein bis zur Unkenntlichkeit verbrannter Mann (Ralph Fiennes) im Sterben, gepflegt von einer Krankenschwester (Juliette Binoche). Nach und nach erzählt er, wer er war: ein ungarischer Graf und Wüstenforscher, der sich vor dem Krieg in Katharine (Kristin Scott Thomas) verliebte, die Frau eines Kollegen. Ihre Affäre, glühend und heimlich, führt geradewegs in die Katastrophe, als ihr Mann davon erfährt.

Minghella verschränkt zwei Zeitebenen so kunstvoll, dass die Gegenwart des Sterbens die Vergangenheit der Leidenschaft immer schwerer macht. Der Film räumte neun Oscars ab, darunter als bester Film. Ein Epos darüber, wie eine verbotene Liebe noch die eigene Loyalität zum Vaterland aushöhlt.

Zum Abschluss die vielleicht schönste Umkehrung des Themas. Wong Kar-wais In The Mood For Love – Der Klang der Liebe (2000) handelt von einer Affäre, die nie stattfindet. Hongkong, 1962: Herr Chow (Tony Leung) und Frau Chan (Maggie Cheung) ziehen am selben Tag in benachbarte Wohnungen und merken nach und nach, dass ihre Ehepartner ein Verhältnis miteinander haben. Aus dem gemeinsamen Schmerz wächst eine Anziehung, der beide nicht nachgeben. Sie wollen nicht werden wie die, die sie betrogen haben.

Wong erzählt diese Geschichte in gesättigten Farben, engen Fluren und Zeitlupen zu einem immer wiederkehrenden Walzer, jede Berührung aufgeladen, weil sie ausbleibt. Ein Film, der beweist, dass eine verbotene Liebe ihre größte Wucht manchmal gerade dann entfaltet, wenn sie ungelebt bleibt. Kein Seitensprung dieser Liste hallt länger nach als der, der hier niemals passiert.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

28,93 €

Gesamtlaufzeit

20h 17min

Genres

Drama, Romantik, Mystery & Thriller

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