
Sommerurlaub in Deutschland? Diese Drehorte sind perfekt für einen Roadtrip
Im Sommer wird Deutschland plötzlich richtig charmant. Die Abende dauern ewig, die Seen sind warm genug, und irgendwo spielt jemand Musik, ohne dass man weiß, woher sie kommt. Wer noch nicht weiß, wohin er will, wenn er im Sommer in Deutschland bleibt, hat eigentlich einen Vorteil: Alles liegt noch offen.
Diese Liste fährt deshalb einmal quer durchs Land, langsam von Norden nach Süden, als würde man einfach immer weiter Richtung Sonne reisen. Los geht es zwischen Deichen, Hafenstädten und Ostseeküste, später warten Spreewaldkanäle, Berliner Sommernächte und sächsische Filmkulissen, bis am Ende die Alpen auftauchen.
Unterwegs geht es nicht nur um schöne Orte, sondern um Filme und Serien, die diesen Regionen etwas Eigenes gegeben haben. Manche Drehorte kennt jeder, andere entdeckt man eher zufällig. Fast alle sorgen aber dafür, dass man plötzlich denkt: Da will ich hin. Hier sind die schönsten zum Abspeichern für den Sommerurlaub in Deutschland.
Sylt, Usedom, Ostfriesland
Roman Polanski konnte für seinen Politthriller Der Ghostwriter nicht in die USA einreisen und baute Martha’s Vineyard kurzerhand an der deutschen Nordsee nach: Sylt lieferte die langen Strandlinien und das Fährterminal in List, Usedom die Kulisse für das abgelegene Strandhaus, in dem Ewan McGregor sich zunehmend in Gefahr bringt.

Das Ergebnis sieht so authentisch aus, dass die Filminsel wirkt wie ein Ort, an dem man gut verschwinden kann, was zum Film passt.
Ganz anders der Süden dieser Küste, den Otto Waalkes für seinen Klamauk-Kult Otto – Der Außerfriesische gewählt hat: der Pilsumer Leuchtturm mit dem Ringelsockenanstrich, die Greetsieler Zwillingsmühlen und die flachen Deiche vor dem Wattenmeer.
Hamburg
Sebastian Schipper schickt in Absolute Giganten drei Freunde durch eine letzte Nacht in Hamburg, bevor einer von ihnen die Stadt für immer verlässt. Und er dreht dabei durch Köhlbrandbrücke, Elbtunnel, Hafen und Reeperbahn, bis kurz vor Sonnenaufgang die Speicherstadt ins Bild kommt.
Der Spiegel nannte den Film eine Kinohuldigung an Hamburg, und das trifft es genau. Hans Albers hat dieselbe Stadt ein halbes Jahrhundert früher besungen, in Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, und der Hafen, den er zeigt, existiert so nicht mehr, was den Film umso wertvoller macht als Zeitdokument.
Anton Corbijn schließt den Kreis mit Marionetten: Philip Seymour Hoffman jagt als Geheimdienstmann durch eine Stadt aus Regen, Speicherstadt-Backstein und nassem Kopfsteinpflaster, und Hamburg sieht dabei aus wie eine Stadt, in der Geheimnisse keinen Platz benötigen, weil sie die Architektur schon mitbringt.
Ostseeküste, Mecklenburg, Hansestädte
Friedrich Wilhelm Murnau hat den ersten Vampirfilm der Filmgeschichte in Wismar und Lübeck gedreht, und beide Städte sehen heute noch aus wie 1921.
Das Wassertor in Wismar, durch das Graf Orlok in Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens seinen Sarg trägt, steht noch. In Lübeck erinnert seit 2023 ein beleuchtetes Fenster am Alten Salzspeicher ganzjährig an die Dreharbeiten.
Wer lieber etwas Gegenwärtigeres sucht, findet in Whisky mit Wodka von Andreas Dresen einen Film, der mit Henry Hübchen und Corinna Harfouch das Kurhaus Binz auf Rügen so zeigt, als wäre es ein eigenständiger Charakter: eine Bäderarchitektur, in der sich die Melancholie schon eingerichtet hat, bevor der erste Schauspieler die Treppe betritt. Und wer die Kreidefelsen wirklich in allen Variationen sehen will, schaltet die ARD-Reihe Praxis mit Meerblick ein, in der Rügen seit 2017 systematisch und ausgiebig in Szene gesetzt wird.
Berlin
Andreas Dresen zeigt in Sommer vorm Balkon Prenzlauer Berg so, wie er sich anfühlt, wenn der Sommer nicht aufhören will: Kiez-Kneipen, Hinterhöfe, der Balkon als wichtigster Raum der Wohnung, und zwei Frauen, deren Freundschaft der eigentliche Film ist.
Wolfgang Becker hat in Good Bye, Lenin! denselben Stadtbezirk ein Jahrzehnt früher festgehalten: Daniel Brühl hält auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR am Leben, während die Karl-Marx-Allee draußen in den Kapitalismus taumelt, und Becker hat dabei Ostberlin 1989/90 so exakt dokumentiert, dass der Film heute wie ein Zeitzeuge wirkt.

Baran bo Odar und Jantje Friese haben für Dark einen dritten, dunkleren Blick auf die Stadt geworfen: Die Netflix-Serie verteilt ihr fiktives Städtchen Winden über Drehorte in Berlin und Brandenburg, vom Südwestkirchhof in Stahnsdorf bis zu verlassenen Industriegeländen in Rüdersdorf, und die Bilder brennen sich ein.
Paul Greengrass lässt Jason Bourne in Die Bourne Verschwörung schließlich die CIA durch Alexanderplatz, Ostbahnhof und Oberbaumbrücke jagen, und Berlin sieht dabei aus wie eine Stadt, die Verfolgungsjagden so selbstverständlich schluckt, als wären sie Teil des Stadtbildes.
Spreewald und Brandenburg
Kommissar Krüger gleitet im Spreewaldkrimi seit 2006 per Kahn durch die Fließlandschaften um Lübbenau und Burg, und die Serie hat dabei etwas geschafft, das nicht viele Krimireihen von sich behaupten können: Die Landschaft ist in jeder Folge gleichwertiger Mitspieler, nicht bloß Hintergrund. Das dichte Wasser, der Hochwald, die sorbischen Dörfer und der Nebel, der sich morgens auf die Kanäle legt, geben dem Ganzen eine Atmosphäre, die im deutschen Fernsehen ihresgleichen sucht.
Matti Geschonneck hat 2018 für seinen ZDF-Dreiteiler nach Juli Zehs Roman Unterleuten – Das zerrissene Dorf 75 Drehtage lang nichts anderes getan, als die märkische Provinz beim Atmen zu filmen: weite Felder, Dorfkirchen, Windräder am Horizont, eine Landschaft, in der Wende-Gewinner und Wende-Verlierer nebeneinander leben und die Vergangenheit sichtbar unter der Oberfläche liegt. Brandenburg wartet hier nicht auf Entdeckung. Es war die ganze Zeit da.
Harz und Mitteldeutschland
Maik und Tschick stehlen einen Lada und fahren damit durch Ostdeutschland, ohne Karte und ohne Plan, und Fatih Akin hat für seine Verfilmung des Wolfgang-Herrndorf-Romans fast 20.000 Kilometer durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zurückgelegt, um die richtigen Bilder zu finden. Tschick zeigt Felder, Burgruinen und Talsperren in einer Sommerglut, die nach Freiheit riecht.
Emily Atef geht in Irgendwann werden wir uns alles erzählen langsamer vor: Der Film spielt in Thüringen 1990 und zeigt Kornfelder im Gegenlicht, Pferdehöfe und Wiesen, die flimmern, alles gedreht in einer Landschaft, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Sönke Wortmann schließlich hat für Die Päpstin den Harz als mittelalterliche Kulisse genutzt, mit dem Dom von Quedlinburg, dessen Steine so alt aussehen, dass der Film gar keine aufwendige Ausstattung braucht, um seine Zeit zu behaupten.
Görlitz in Sachsen
Wes Anderson suchte die Kulisse für seine fiktive Republik Zubrowka und fand sie in Görlitz: das Jugendstilkaufhaus als Hotel, die Stadthalle als Speisesaal, der Nikolaifriedhof als Schauplatz einer Verfolgungsjagd. Rund 80 Prozent von Grand Budapest Hotel spielen in der sächsischen Grenzstadt, die davon bis heute profitiert.
Quentin Tarantino war vor ihm da und hat am Görlitzer Rathausturm für Inglourious Basterds gedreht, und Stephen Daldry hat für Der Vorleser die Berliner Straße als Nachkriegsstraße benutzt, weil Görlitz noch so aussieht wie diese Zeit. Was alle drei vereint: Sie haben eine Stadt genutzt, die deshalb so wandelbar ist, weil sie den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hat. Über 120 internationale Produktionen haben das inzwischen erkannt, und Görlitz trägt den Namen Görliwood mit einer gewissen stolzen Selbstverständlichkeit.
Eifel und Südwesten
Sophie Haas kommt als Großstadtkommissarin aus Köln in ein Eifeldorf und versteht zunächst gar nichts, und genau das ist der Running Gag von Mord mit Aussicht. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Landschaft: Vulkankegel, Maare, Äcker so grün, dass sie fast unwirklich wirken, und Fachwerkdörfer, die aussehen, als hätte die Moderne eine Umgehungsstraße um sie herum gebaut. Die Serie dreht in Monreal und der Vulkaneifel seit fast zwanzig Jahren und hat der Region einen Tourismus beschert, den die Eifel sich nicht träumen ließ.
Caroline Link zeigt in Der Junge muss an die frische Luft dieselbe Gegend aus einer anderen Perspektive: Hape Kerkeling wächst in den 1970ern im Ruhrgebiet auf, und die Ausflüge in die Eifel sind die Momente, in denen der Film durchatmet: Zwei sehr verschiedene Filme, eine Gegend.
Schwarzwald und Bodensee
Bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen pro Folge vor dem Fernseher, als Professor Brinkmann im Glottertal operierte, und Die Schwarzwaldklinik hat aus einem bis dahin unbekannten Tal eine der bekanntesten Tourismusregionen Deutschlands gemacht. Das Glottertal sieht noch genauso aus wie damals, und wer in der Gegend unterwegs ist, merkt schnell, dass die Landschaft die Serie überlebt hat und wahrscheinlich noch viele weitere überleben wird.
David Cronenberg hat sich davon wenig beeindrucken lassen und für sein Psychodrama Eine dunkle Begierde mit Keira Knightley, Michael Fassbender und Viggo Mortensen stattdessen Konstanz am Bodensee als Zürich-Ersatz gewählt, weil die Seepromenade noch aussieht wie vor hundert Jahren. Er hat dabei unabsichtlich einen der schönsten Werbeträger gedreht, den Konstanz je hatte.
Bayern und die Alpen
Marcus H. Rosenmüller verliebt sich in Wer früher stirbt, ist länger tot quasi neu in seine Heimat: Die Wiesen glänzen im Sommerabendlicht und die stillen Seen zeigen sich neben einer atemberaubenden Bergkulisse.
Wer dann noch mehr Opulenz verträgt, findet sie bei Marie Noëlle und Peter Sehr, die ihre Biografie des Märchenkönigs an den Orten gedreht haben, an denen Ludwig II. tatsächlich gelebt hat: in Schlössern, die er selbst bauen ließ und die so üppig sind, dass man vor Ort erst begreift, warum er damit ein ganzes Königreich ruiniert hat. Wer lieber in der Stadt bleibt, dem zeigt Helmut Dietls Kultserie Monaco Franze, was München jenseits des Oktoberfests ist: Schwabing, Englischer Garten, Maximilianstraße, und mittendrin Franz Münchinger, der charmanteste Halunke der Fernsehgeschichte.































































