Diese 13 berauschenden Liebesfilme empfiehlt Emerald Fennell, um "Wuthering Heights" zu verstehen

Diese 13 berauschenden Liebesfilme empfiehlt Emerald Fennell, um "Wuthering Heights" zu verstehen

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 27. Februar 2026

Aktualisiert am 27. Februar 2026

Noch bevor Wuthering Heights überhaupt überall im Kino laufen konnte, war der Film schon ein Reizthema: zu roh, zu körperlich, zu kompromisslos, und für manche sogar “falsch” im Ton.

Genau da setzt Regisseurin Emerald Fennell klug an, anstatt sich zu erklären wie vor einem Tribunal. Sie hat beim British Film Institute in London, also dem großen britischen Filminstitut, eine eigene Filmreihe zusammengestellt: dreizehn Liebesgeschichten, die zeigen, was sie an Romantik interessiert - nämlich nicht ein einfaches Wohlfühlgefühl, sondern Liebe als Sog, als Gefahr und Macht und als Märchen mit Stacheln. Diese Auswahl ist keine Hausaufgabe, sondern ein Blick in ihren Werkzeugkasten: welche Bilder sie liebt, welche Extreme sie zulässt und welche Art von Begehren sie ernst nimmt. Wenn du verstehen willst, warum ihre Version so polarisiert, ist diese Liste die beste Spur, weil sie nicht einfach über den Film redet, sondern auch über seine Temperatur.

12. Die Taschendiebin (Director’s Cut) (2016)

In den 1930ern wird eine junge Diebin als Dienstmädchen in ein Haus eingeschleust, um eine Erbin auszutricksen, doch der Plan verliert seine Konturen, weil echte Nähe entsteht. Die Taschendiebin verbindet Romantik mit Lüge, Klasse und Inszenierung, und genau das macht den Film zu einem spannenden Schlüssel für Fennells Wuthering Heights: Liebe wird hier nicht als “rein” geboren, sie wächst aus Rollen heraus, aus Blicken, aus Machtverhältnissen, bis das Gefühl den Plot übernimmt. Park Chan-wook erzählt Begehren als Raumgefühl: Türen, Flure, Schreibzimmer, Betten, alles wird zur Bühne, auf der Liebe entweder befreit oder verschluckt. Der Director’s Cut verstärkt dieses Rauschhafte, weil man länger in der Spannung bleibt, bis Nähe nicht mehr zurückgenommen werden kann. Das passt zu einer Adaption, die vermutlich ebenfalls mehr an Intensität interessiert ist als an moralischem Komfort. Und wie bei Brontë ist Liebe hier nie nur privat, sie verändert die Welt um die Figuren herum, weil sie Regeln bricht. Diese klaustrophobische Dynamik, nur ohne das Spiel aus Betrug und Twist, findet man auch in Die Verführten, wo ein geschlossenes Haus Begehren in Konkurrenz verwandelt.

01

Gefundene Jahre

Ein Mann kehrt aus dem Krieg zurück, hat sein Gedächtnis verloren und beginnt ein neues Leben, das sich anfühlt wie ein Geschenk, bis ein einziger Moment alles wieder auslöscht. In Gefundene Jahre ist Liebe kein sicherer Hafen, sondern etwas, das an Erinnerung hängt wie an einem dünnen Faden, und genau diese Zerbrechlichkeit passt zu Fennells Wuthering Heights, wo Bindung nie “stabil” wirkt, sondern existenziell und bedrohlich. Der Film macht aus Romantik eine Frage von Identität: Wer bist du, wenn du den Menschen liebst, der dich nicht mehr erkennt, und wenn dein eigenes Leben jederzeit umgeschrieben werden kann. Das trifft diesen Kern von Brontë, den Fennell offenbar reizt: Liebe als Zustand, der dich formt und gleichzeitig zerstört, ohne Rücksicht auf Fairness. Das bittersüße, fast schicksalhafte Ziehen im Bauch erinnert in seiner Wucht an Das Ende einer Affäre, nur dass der Schmerz hier nicht aus Misstrauen kommt, sondern aus dem blanken Verlust.

Ein Pilot springt aus einem brennenden Flugzeug, überlebt wie durch ein Versehen und muss plötzlich darum kämpfen, dass dieses Leben wirklich “zählt”. Irrtum im Jenseits nimmt die Liebe ernst genug, um ihr eine ganze Welt als Bühne zu bauen, mit Bildern, die gleichzeitig spielerisch und erschütternd sind. Das ist ein Schlüssel zu Fennells Wuthering Heights, weil es zeigt, wie sehr Romantik von Stil abhängen kann, wenn Stil nicht hübsches Kleid ist, sondern Gefühl in Form gießt. Hier wird nicht alles erklärt, hier wird gespürt: dass Liebe größer ist als Regeln, größer als Logik, und trotzdem nicht automatisch gut. Diese Mischung aus emotionaler Überhöhung und kalter Prüfung wirkt wie eine Vorstufe zu dem, was Fennell am Stoff interessieren dürfte: Leidenschaft, die sich selbst rechtfertigen muss, obwohl sie gar nicht vernünftig sein will. Der Film hat dabei diese elegante Unverschämtheit, das Unmögliche einfach zu behaupten, ähnlich wie Bram Stoker’s Dracula später das Unwahrscheinliche nicht entschuldigt, sondern feiert.

Eine junge Frau erbt ein Gut, wird unabhängig und gerät in ein Geflecht aus Anziehung, gesellschaftlichem Druck und der Frage, wer sie eigentlich sein will. In Die Herrin von Thornhill ist Romantik nie nur Gefühl, sondern Entscheidung mit Folgen, und genau das passt zu Fennells Wuthering Heights, weil Cathy als Figur nicht “einfach liebt”, sondern sich an Rollen, Klassen und Erwartungen reibt, bis Liebe wie eine Selbstverletzung wirkt. Der Film erzählt mit Landschaft und Blicken, mit diesem Wind-in-den-Knochen-Gefühl, das Begehren größer macht, als es in einem Salon je sein dürfte. Gleichzeitig sitzt überall Besitzdenken: Menschen wollen einander nicht nur, sie wollen einander definieren. Das trifft die giftige Seite der Vorlage, die Fennell vermutlich nicht glätten will. Und obwohl der Ton hier klassischer wirkt, brodelt darunter dieselbe Energie von Eifersucht und Stolz, die später in Die Verführten wie in einem geschlossenen Raum hochkocht, nur ohne die Weite, die hier noch Atem schenkt.

04

Eselshaut
Eselshaut

Eselshaut

1970

Eine Prinzessin flieht vor einer unerträglichen Forderung und versteckt sich unter einer Tierhaut, bis ihr Leben wie ein schillernder Traum aus Flucht, Scham und Hoffnung weitergeht. Eselshaut wirkt wie ein Märchen, aber es ist ein Märchen, das genau weiß, dass Schönheit auch Tarnung sein kann. Für Fennells Wuthering Heights ist das wichtig, weil es zeigt, wie man Romantik gleichzeitig verzaubern und beunruhigen kann, ohne den Ton zu entschärfen. Demy erzählt über Farben, Rituale und eine fast kindliche Oberflächenfreude, unter der etwas Dunkles lebt, das man nicht wegwinkt. Das passt zu einer Adaption, die vermutlich nicht “nett” sein will, sondern die Zuschauer in eine Stimmung zieht, die sich nicht sauber anfühlt. Liebe ist hier keine Belohnung, sondern ein Weg durch etwas Ungeheuerliches, und gerade dadurch wird sie ernst. Diese Idee, dass ein romantisches Versprechen auch eine Falle sein kann, spiegelt Blaubart später noch direkter, nur dort weniger schillernd und dafür wie ein stiller Alarm.

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05

Der Nachtportier

Eine Frau trifft Jahre nach dem Krieg in einem Hotel auf einen Mann aus ihrer Vergangenheit, und zwischen beiden flammt eine Beziehung wieder auf, die aus Macht, Trauma und Abhängigkeit besteht. Der Nachtportier ist schwer auszuhalten, weil er nicht versucht, das Hässliche zu entschuldigen, und genau deshalb ist er als Kontext für Fennells Wuthering Heights so aufschlussreich. Er zeigt Liebe als Bindung, die nicht rein sein muss, um stark zu sein, und die gerade dadurch moralisch brennt. Cavani filmt Intimität wie eine gefährliche Sprache: Jede Nähe ist Erinnerung, jede Berührung hat ein Echo, das nicht verschwindet. Das passt zu einer Version von Cathy und Heathcliff, die nicht als romantisches Ideal gedacht ist, sondern als Verstrickung, die Räume vergiftet und Menschen verändert. Der Film macht deutlich, dass Leidenschaft manchmal nicht befreit, sondern festnagelt. Diese kompromisslose Kälte, die trotzdem magnetisch bleibt, findet eine moderne Schwester in Crash, wo Begehren ebenfalls nicht “erklärt” wird, sondern einfach als dunkler Reflex existiert.

Ein jahrhundertealtes Wesen verfolgt eine Liebe, die wie Schicksal behauptet wird, und alles wird Oper: Blut, Sehnsucht, Rausch, Überwältigung. Bram Stokers Dracula ist wichtig für Fennells Wuthering Heights, weil er zeigt, wie romantischer Exzess funktionieren kann, wenn man ihn nicht entschuldigt, sondern konsequent ernst nimmt. Coppola macht aus Gefühl etwas Körperliches, etwas, das Räume füllt und Gesichter verändert, und genau so wirkt auch Brontës Kern: Liebe als Naturgewalt, nicht als vernünftige Wahl. In dieser Welt ist Leidenschaft nicht hübsch, sie ist monströs und trotzdem echt, weil sie die Figuren zwingt, sich zu entblößen. Das passt zu Fennells Ruf, nichts zu glätten, sondern die Intensität auszuhalten, auch wenn sie unbequem wird. Gleichzeitig hat der Film diesen Mut zur Künstlichkeit, der paradoxerweise ehrlicher wirkt, weil niemand so tut, als sei das alles normal. Diese grelle, atemlose Emotionalität hat ein poppiges Echo in William Shakespeares Romeo + Julia, wo Liebe ebenfalls wie ein Feuerwerk brennt, das man nicht kontrolliert.

07

Crash
Crash

Crash

1996

Nach einem Autounfall gerät ein Mann in eine Subkultur, in der Unfälle, Narben und Metall erotisch aufgeladen sind, und Begehren plötzlich an Gefahr hängt. Crash ist als Liebesfilm ein Schock, gerade weil er nicht um Erlaubnis bittet, und das macht ihn zu einer klaren Brücke zu Fennells Wuthering Heights: Liebe als etwas, das gesellschaftlich unlesbar ist und trotzdem für die Beteiligten absolut. Cronenberg zeigt Menschen, die eine private Grammatik der Nähe entwickeln, und sobald Außenstehende hinschauen, wirkt alles wie Perversion, obwohl es in Wahrheit eher ein verzweifelter Versuch ist, überhaupt etwas zu fühlen. Dieses Prinzip kennt man aus der Vorlage: Cathy und Heathcliff wirken oft wie zwei, die ihre eigene Welt erfinden, und wer nicht dazugehört, nennt es Wahnsinn. Der Film bleibt kühl, fast klinisch, und genau dadurch wird das Begehren noch irritierender, weil es nicht romantisch verpackt wird. Diese Radikalität, nur aus einer stärker körperlich erzählten Perspektive, taucht auch in Romance X auf, wo Liebe ebenfalls nicht tröstet, sondern aufdeckt.

Zwei Jugendliche verlieben sich sofort, absolut, und eine Welt aus Gewalt und Loyalität macht aus dieser Liebe in kürzester Zeit eine Tragödie. William Shakespeares Romeo + Julia ist als Bezug zu Fennells Wuthering Heights so plausibel, weil er zeigt, wie man einen Klassiker so auflädt, dass er wieder gefährlich wirkt. Luhrmann erzählt nicht vorsichtig, er erzählt mit zu viel Herz, zu viel Tempo, zu viel Stil, und gerade dadurch fühlt sich die Liebe nicht wie Literatur an, sondern wie ein körperlicher Ausnahmezustand. Das passt zu einer Adaption, die vermutlich nicht museal sein will, sondern heiß, impulsiv und überdreht - und vielleicht sogar aggressiv in ihrem Gefühl. Liebe wird hier zum Kurzschluss, der die Figuren gegen ihre Welt stellt, nicht weil sie “dumm” sind, sondern weil das Gefühl keine Alternative zulässt. Und diese Energie, die nicht in Worte passt, ist Brontë pur. Die zerstörerische Konsequenz dieses Rauschs schwingt auch in Das Ende einer Affäre nach, nur dort nicht als Explosion, sondern als langsames Vergiften.

Ein Schriftsteller liebt eine verheiratete Frau, sie entzieht sich ihm, und aus Sehnsucht wird Besessenheit, als müsste er das eigene Herz wie einen Tatort rekonstruieren. In Das Ende einer Affäre kippt Liebe nicht in Harmonie, sondern in Kontrolle, Schuld und das Bedürfnis, eine Wahrheit zu erzwingen, die vielleicht gar nicht existiert. Das ist ein direkter Zugang zu Fennells Wuthering Heights, weil es zeigt, wie romantische Bindung zur Selbstzerstörung werden kann, ohne dass der Film sie lächerlich macht. Neil Jordan filmt Leidenschaft als Zustand, der dich klüger und schlechter zugleich macht: Du siehst mehr, du misstraust mehr, aber du liebst härter. Das passt zu einer Cathy, die nicht nur fühlt, sondern sich in ihrem Gefühl auch verstrickt, bis keine Entscheidung mehr sauber ist. Der Film ist emotional groß, aber er bleibt bitter, weil er die Liebe nicht als Rettung verkauft. Diese dunkle Ernsthaftigkeit - nur noch extremer und ohne jeden Trost - liegt auch in Der Nachtportier, wo Bindung ebenfalls wie eine Kette funktioniert, die man selbst mitträgt.

10

Romance XXX
Romance XXX

Romance XXX

1999

Eine junge Frau spürt in ihrer Beziehung eine Leere, sucht körperliche Nähe anderswo und stößt dabei auf Begegnungen, die zugleich befreiend und beängstigend sind. Romance XXX ist für Fennells Wuthering Heights so relevant, weil der Film Romantik nicht als hübsche Erzählung behandelt, sondern als Kampf um Autonomie, um Begehren, um Sprache für etwas, das sonst nur im Körper stattfindet. Breillat zeigt, wie schnell “Liebe” zur Disziplinierung werden kann, und wie radikal es ist, sich dem zu entziehen, selbst wenn das Chaos produziert. Das passt zu einer Adaption, die vermutlich nicht nur Sehnsucht zeigt, sondern auch die Gewalt, die in Sehnsucht stecken kann, wenn Menschen einander besitzen wollen. Der Film ist direkt, manchmal brutal ehrlich, und genau dadurch wird er nicht voyeuristisch, sondern entlarvend. Er zwingt einen, hinzusehen, statt sich in Romantik zu verstecken. Dieses Motiv, dass ein romantisches Versprechen auch ein Verbot enthält, spiegelt Blaubart in Märchenform, nur dort über Türen und Geheimnisse statt über Körper und Grenzen.

Über diese Liste

Titel

13

Gesamtkosten fürs Ansehen

31,42 €

Gesamtlaufzeit

24h 31min

Genres

Drama, Romantik, Fantasy

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  1. 2 Titel Plex Player
  2. 2 Titel Plex Channel
  3. 1 Titel Artiflix
  4. 1 Titel JustWatch TV
  5. 1 Titel Disney Plus