Dieser verbotene Kult-Schocker kehrt zurück – und sein Reboot könnte noch verstörender werden

Dieser verbotene Kult-Schocker kehrt zurück – und sein Reboot könnte noch verstörender werden

Markus Brandstetter
Markus Brandstetter

Veröffentlicht am 18. März 2026

Aktualisiert am 18. März 2026

Es gibt Filme, die längst mehr Mythos als Kino sind. Jeder kennt den Titel. Kaum jemand weiß noch genau, was darin passiert. Und bei Faces of Death (deutscher Titel: Gesichter des Todes) (1978) bekommt das Wort „Legende“ eine andere Bedeutung.

Nicht im Sinne von Kult oder Klassiker, sondern als etwas, das sich über Gerüchte, Halbwissen und schaurige Erzählungen verbreitet hat.

Als das Original 1978 erschien, präsentierte sich der Film als pseudo-dokumentarische Reise durch die unterschiedlichsten Arten zu sterben. Autounfälle, medizinische Experimente, Hinrichtungen. Alles montiert wie eine makabre Naturdokumentation über das Ende des Lebens. Manche Szenen waren offensichtlich inszeniert. Andere wirkten erschreckend authentisch. Echt oder nicht echt? Genau diese Unklarheit machte den Film so beklemmend und so berüchtigt. Zuschauer verließen das Kino mit dem Gefühl, etwas gesehen zu haben, das sie vielleicht gar nicht hätten sehen dürfen. Verstörend und gleichzeitig seltsam fesselnd.

Natürlich folgte der Skandal. In vielen Ländern wurde Faces of Death verboten oder stark zensiert. In anderen verschwand er hinter den Tresen der Videotheken, verborgen wie ein gefährlicher Gegenstand. Wer ihn sehen wollte, musste danach fragen. Allein diese kleine Szene machte den Film noch faszinierender. Das vorsichtige Nachfragen, der kurze Blick des Verkäufers, die Kassette, die über den Tresen geschoben wurde. Der Film selbst war manchmal roh, gelegentlich klischeehaft, teilweise sogar hölzern inszeniert. Doch genau diese rohe Oberfläche erzeugte eine seltsame Authentizität.

Warum „Faces of Death“ heute noch verstörender wirkt

Fast fünfzig Jahre später kehrt dieser Titel nun zurück. Ein Reboot von Faces of Death ist angekündigt, produziert mit moderner Studio-Unterstützung und einem klaren Blick auf die digitale Gegenwart. Eine Entscheidung, die zunächst irritiert. Warum ausgerechnet dieser Film? Doch je länger man darüber nachdenkt, desto logischer wirkt sie.

Denn das eigentlich Verstörende an unserer Zeit ist nicht mehr, dass solche Bilder existieren. Das Verstörende ist, wie beiläufig wir ihnen begegnen. In den siebziger Jahren musste man aktiv nach einem Film wie Faces of Death suchen. Man musste ihn ausleihen, einschieben, anschauen. Heute reicht ein falscher Klick oder ein Algorithmus, der entscheidet, dass ein Clip Aufmerksamkeit verdient. Gewalt erscheint plötzlich im selben Feed wie Comedy, Werbung oder Urlaubsbilder.

Der Horror ist nicht mehr verborgen. Er ist Teil des Feeds. Diese Verschiebung verändert auch die moralische Perspektive. Früher galt ein Film wie Faces of Death als Grenzüberschreitung. Heute stellt sich eine andere Frage. Was passiert mit einer Gesellschaft, in der Bilder von realer Gewalt täglich zirkulieren, kommentiert, geliked, geteilt werden? In der ein grausames Video innerhalb von Minuten Millionen Zuschauer erreicht, während die Realität dahinter kaum noch wahrgenommen wird? Vielleicht liegt die eigentliche Perversion unserer Gegenwart darin, dass der Schock selbst zur Routine geworden ist.

Das Reboot verlegt den Horror ins Internet

Genau hier setzt das neue Faces of Death an. Im Zentrum der Geschichte steht eine junge Frau, die als Content-Moderatorin für eine große Video-Plattform arbeitet. Ein Job, der auf dem Papier technisch klingt, in der Realität aber eine bizarre Grenzerfahrung ist. Sie sichtet Videos, die zu brutal für die Öffentlichkeit sind. Unfälle, Gewalt, Dinge, die niemand sehen möchte und die trotzdem existieren.

Eines Tages stößt sie auf Clips, die ihr merkwürdig vertraut vorkommen. Szenen, die an das ursprüngliche Faces of Death erinnern. Nur dass sie diesmal möglicherweise real sind.

Regie führt Daniel Goldhaber, der bereits mit dem Internet-Thriller Cam (2018) gezeigt hat, wie effektiv digitale Räume für modernes Genre-Kino sein können. Statt reiner Exploitation soll der neue Film stärker auf psychologischen Horror setzen. Weniger plumper Schock, mehr subtile Beklemmung. Auch die Besetzung deutet darauf hin, dass das Projekt mehr sein will als eine nostalgische Schocknummer. Barbie Ferreira aus Euphoria übernimmt die Hauptrolle, unterstützt unter anderem von Dacre Montgomery aus Stranger Things. Junge Schauspieler, modernes Setting, eine Geschichte über das Internet.

Fest steht schon jetzt, dass der Name eine enorme Wirkung besitzt. Faces of Death ist kein gewöhnlicher Horrorfilm, sondern ein kulturelles Echo aus einer Zeit, in der Bilder noch schwerer zugänglich waren und gerade deshalb so viel stärker wirkten. Das Reboot soll im April in die Kinos kommen. Ob es genauso kontrovers wird wie das Original, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird der Film rasant und packend. Vielleicht auch zu kalkuliert. Aber eines scheint sicher. Ein Film mit diesem Titel wird niemals einfach nur belanglos sein.

Gesichter des Todes ist ein sogenannter Mondofilm, eine Art Dokumentation, die sich durch explizite Gewaltdarstellung auszeichnet. Der Film zeigt verschiedene, besonders grausame Todesfälle, die dem Zuschauer wie ein Zusammenschnitt verschiedener Nachrichtenausschnitte und Amateuraufnahmen erscheinen. Die meisten Szenen sind allerdings inszeniert.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

3,49 €

Gesamtlaufzeit

1h 45min

Genres

Dokumentationen, Horror

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Der Titel in dieser Liste ist noch bei keinem Streamingdienst verfügbar.