
„Evil Dead“ in der richtigen Reihenfolge schauen: Von „Tanz der Teufel“ bis „Evil Dead Burn“
Kaum eine Horrorreihe hat ihre eigene Kontinuität so lustvoll misshandelt wie Tanz der Teufel (1981). Sam Raimis Low-Budget-Schocker begann als dreckiger Hüttentrip, wurde mit Tanz der Teufel 2 – Jetzt wird noch mehr getanzt (1987) zur Slapstick-Höllenmaschine, sprang mit Armee der Finsternis (1992) ins Mittelalter und erfand sich danach gleich mehrfach neu.
Wer die Reihe heute nachholen möchte, sollte deshalb weniger nach einer lückenlosen Chronologie suchen als nach der Entwicklung ihrer Tonlage: vom klaustrophobischen Waldhorror über Ash Williams’ Kettensägen-Ikone bis zu den härteren, eigenständigen Neuinterpretationen.
Hier folgt die Übersicht.
Tanz der Teufel (1981) ist der rohe Ursprung der Reihe und bis heute der Film, an dem sich alle späteren Teile reiben. Fünf junge Leute fahren zu einer abgelegenen Hütte, finden dort ein Tonband und das Buch der Toten, und schon hat die Freizeitplanung wieder einmal gegen okkulte Grundlagenforschung verloren.
Sam Raimi inszeniert den Film als unablässigen Angriff aus Geräuschen, Kamerafahrten, Blut und körperlichem Verfall. Im Vergleich zu Tanz der Teufel 2 fehlt hier noch der offene Cartoon-Irrsinn, dafür wirkt der Horror schmutziger und unberechenbarer. Der Film eignet sich vor allem für Zuschauer, die verstehen wollen, warum eine kleine, aggressive Produktion aus Michigan zur Blaupause für eine ganze Splatter-Mythologie wurde.
Regisseur Sam Raimi attackiert in Tanz der Teufel 2 – Jetzt wird noch mehr getanzt (1987) seinen eigenen Film mit mehr Budget sowie einer ordentlichen Portion Humor neu, wodurch das Werk weder als reine Fortsetzung noch als bloßes Remake verbucht werden kann. Ash Williams kehrt zwar erneut in die Hütte zurück und wird abermals mit ausbrechenden Dämonen konfrontiert, doch verschiebt Raimi den Fokus spürbar: Der brutal bleibende Horror kippt fortlaufend in selbstzerstörerische Körperkomik und grotesken Slapstick, der fast schon an Buster Keatons Werke erinnert.
Verglichen mit Tanz der Teufel präsentiert sich dieser zweite Teil weniger als Albtraum, sondern vielmehr als ein bösartiger Zirkus, in dem der Hauptdarsteller höchstselbst als Manege fungiert. Wer die entscheidende Metamorphose von Bruce Campbell zur absoluten Horror-Ikone miterleben möchte, ist hier genau richtig.
Armee der Finsternis (1993) verlässt die Hütte endgültig und schleudert Ash Williams ins Mittelalter. Aus dem klaustrophobischen Dämonenhorror der ersten beiden Filme wird ein Fantasy-Abenteuer, in dem Kettensäge, Schrotflinte, Untote und Slapstick erstaunlich selbstverständlich zusammenfinden. Sam Raimi interessiert sich hier weniger für reinen Schrecken als für Tempo, Übermut und die komische Überforderung eines Mannes, der seine eigene Großspurigkeit für Kompetenz hält.
Im Vergleich zu Tanz der Teufel 2 tritt der Horror deutlich zurück; Ash wird zur Actionfigur mit großer Klappe, kurzem Geduldsfaden und einer bemerkenswerten Begabung, jedes Problem erst einmal schlimmer zu machen. Wer die Reihe nicht nur für ihre Blutfontänen schätzt, sondern vor allem für ihr anarchisches Gespür für Eskalation, liegt mit diesem Film genau richtig.
Evil Dead (2013) nimmt die Grundidee des Originals wieder auf, aber ohne Ash, ohne Nostalgiebonus und fast ohne Komik. Fede Álvarez schickt eine neue Gruppe in die Waldhütte und verankert den Aufenthalt in Mias Drogenentzug, wodurch die Dämonenangriffe zunächst wie extreme Entzugserscheinungen wirken können.
Genau daraus zieht der Film seine besondere Härte: Niemand kann sicher sein, ob Mia Hilfe braucht oder bereits zur Gefahr geworden ist. Im Vergleich zu Armee der Finsternis ist das ein kompletter Kurswechsel zurück in den kompromisslosen Horror, nur mit moderner Wucht und deutlich weniger Verspieltheit. Für Zuschauer, die mit Raimis Slapstick wenig anfangen können, ist dieser Teil der zugänglichste Einstieg in die brutalere Seite der Reihe.
Als eigentlicher Nachschlag für Fans der Raimi-Trilogie knüpft die Serie Ash vs Evil Dead (2015) an die ursprünglichen Filme an und bringt Bruce Campbell in seiner Rolle als Ash Williams zurück. Das Älterwerden wird hierbei keineswegs mit Würde gleichgesetzt, sondern vielmehr als ein zusätzliches Problem inszeniert.
Die Serie verzichtet darauf, den in die Jahre gekommenen Ash glattzubügeln; stattdessen stellt sie ihn ungeschönt zur Schau und verbindet die Jagd auf Monster, viel Blut und markante Sprüche mit einer sitcom-artigen Selbstentlarvung. Im Vergleich zu Evil Dead kommt die Serie zwar deutlich lockerer daher, wirkt jedoch keineswegs beliebig. Sie baut gezielt darauf auf, dass Campbells Charakter immer dann am besten funktioniert, wenn Heldentum und Lächerlichkeit aufeinandertreffen.
Dass das Franchise kein abgelegenes Waldgrundstück benötigt, um wirkungsvollen Schrecken zu erzeugen, beweist Evil Dead Rise (2023). Regisseur Lee Cronin verortet das Grauen stattdessen in einem maroden Wohngebäude in Los Angeles, in dem Beth ihre Schwester Ellie nebst Kindern aufsucht.
Das Buch der Toten wird hier nicht als Relikt in der Natur entdeckt, sondern bricht direkt in den familiären Alltag ein, was der Intensität des Films spürbar zugutekommt. Während Evil Dead primär von Isolation und Entzug lebte, fokussiert sich Evil Dead Rise auf beengte Räume, Verwandtschaftsverhältnisse und eine perfide Verzerrung von Mutterliebe. Für das Publikum bietet das Werk ein packendes Szenario, welches aufzeigt, wie stark sich das bewährte Fundament der Reihe variieren lässt.
Mit Evil Dead Burn (2026) wird der mit den jüngeren Filmen eingeschlagene Kurs konsequent weiterverfolgt: Losgelöst von jeglicher Ash-Nostalgie konzentriert sich das Franchise auf eigenständigen Horror mit neuen Charakteren. Im Zentrum der von Sébastien Vaniček inszenierten Geschichte steht Alice, die nach dem Verlust ihres Mannes bei den Schwiegereltern in einem abgelegenen Anwesen Zuflucht sucht. Dass das Streben nach Trost im Evil Dead-Universum ein riskantes Unterfangen darstellt – vergleichbar mit dem lautstarken Vorlesen aus einem mysteriösen Buch –, versteht sich von selbst. So verwandelt sich das private Treffen schnell in einen waschechten Deadite-Albtraum, als eine Person nach der anderen von dämonischen Kräften besessen wird.
Der Horror bleibt damit, ähnlich wie in Evil Dead Rise, fest in der Familie verankert. Allerdings verlagert Evil Dead Burn das Geschehen aus dem urbanen Mietshaus zurück in die Isolation, wodurch der Film geschickt an die klassische Hüttentradition der Reihe anknüpft, ohne dafür Ash Williams reaktivieren zu müssen.















































