
„Every Year After“ vs. „Der Sommer, als ich schön wurde“: Die Liebesdreiecke im Vergleich
Ein wunderschöner Ort, ein Sommer am Wasser und eine Liebesgeschichte zwischen drei Menschen: Sobald Every Year After im Juni 2026 auf Prime Video startete, war der Vergleich mit Der Sommer, als ich schön wurde (2022) unvermeidlich. Beide sind Adaptionen erfolgreicher Romance-Romane, beide laufen beim selben Streaming-Anbieter und in beiden steht eine junge Frau zwischen zwei Brüdern.
Wer jedoch genauer hinsieht, merkt schnell, dass die beiden Geschichten ganz unterschiedlich funktionieren. Was auf den ersten Blick wie dieselbe Dreieckskonstellation wirkt, folgt in Wahrheit völlig anderen emotionalen Regeln.
Genau das macht den Vergleich interessant – und deutlich komplexer, als es Trailer und Promo-Bilder zunächst vermuten lassen. Der Vergleich wird dadurch zwar interessanter, aber nicht einfacher.
Belly schwankt zwischen den Fisher-Brüdern
Der Sommer, als ich schön wurde erzählt drei Staffeln lang die Geschichte von Belly Conklin, die jedes Jahr den Sommer bei engen Familienfreunden an der Küste verbringt und dort erwachsen wird.

Conrad und Jeremiah Fisher sind die beiden Brüder, mit denen Belly aufgewachsen ist, und zwischen ihnen entfaltet sich die zentrale Liebesgeschichte der Serie. Conrad ist ihr langjähriger Kindheitsschwarm: der stille, oft verschlossene Erstgeborene, in den sie schon verliebt ist, bevor die Geschichte beginnt. Jeremiah dagegen ist der wärmere, präsentere und leichter zugängliche jüngere Bruder, zu dem Belly später ebenfalls romantische Gefühle entwickelt.
Bellys Pendeln zwischen den beiden bleibt von Anfang bis Ende der Hauptkonflikt. Die Serie zieht das auch konsequent durch. Belly hat in den drei Staffeln eine echte Beziehung mit jedem der Brüder, und im Finale entscheidet sie sich endgültig für Conrad. Damit ist Der Sommer, als ich schön wurde ein klassisches romantisches Dreieck im strengsten Sinn, weil beide Männer zu unterschiedlichen Zeitpunkten echte Optionen sind und nicht nur als Spiegelbild der Hauptbeziehung mitlaufen.
In „Every Year After“ fehlt der Rivale
Bei Every Year After sieht das anders aus, und Showrunnerin Amy B. Harris hat das in Interviews um den Serienstart bewusst klargestellt. Percy Fraser verbringt sechs Sommer in Barry’s Bay und verliebt sich dort in Sam Florek. Sein älterer Bruder Charlie taucht in der Konstellation auf, aber nicht als ernsthafter romantischer Konkurrent.

Charlie und Percy schlafen einmal miteinander, nachdem sich Percy und Sam nach seinem Wegzug aufs College getrennt haben. Daraus entwickelt sich kein zweiter Liebesweg, sondern ein Geheimnis, das Percy zehn Jahre lang von Sam trennt und im Finale die Beziehung endgültig zerschlägt.

Die Serie nutzt denselben Grundstoff wie Der Sommer, als ich schön wurde, also zwei Brüder und eine Frau, baut daraus aber etwas anderes. Percy steht nie wirklich vor einer Wahl zwischen zwei Männern. Sie kämpft mit einer einzigen großen Liebe, die an einer einmaligen Entscheidung zerbricht. Was Every Year After damit erzählt, ist eher eine Zweite-Chance-Romanze mit Lagerfeuern, Schuld und langen Blicken als ein Wettkampf um ein Herz.
Chemie und Herzschmerz fallen unterschiedlich aus
Bei der Chemie kommt es darauf an, was man sucht. Lola Tung und Christopher Briney spielen Belly und Conrad mit kontrollierter Spannung, viel Augenkontakt und wenig gesagten Worten. Gavin Casalegno als Jeremiah liefert die offensichtlichere, wärmere Energie und ist über zwei Staffeln auch der zugänglichere Partner.
Bei Every Year After tragen Sadie Soverall und Matt Cornett als Percy und Sam praktisch das gesamte emotionale Gewicht der Serie, weil ihre Beziehung über zwei Zeitebenen erzählt wird: das jugendliche Verlieben in den Sommern am See und das erwachsene Wiedersehen zehn Jahre später. Michael Bradway als Charlie spielt eher die Wunde der Familie als den Rivalen.
Beim Herzschmerz hat Der Sommer, als ich schön wurde den Tod der gemeinsamen Bezugsperson Susannah als emotionalen Anker, der die Brüder, Belly und ihre eigene Mutter aus dem Gleichgewicht bringt. Every Year After setzt seine schwerste Szene ans Serienende, wenn Sam Percy sagt, dass er ihr verzeihen möchte, aber nicht kann.
Beide Serien geben ihren Nebenfiguren mehr Raum, als man es von vielen Romance-Serien gewohnt ist. In „Der Sommer, als ich schön wurde“ betrifft das vor allem Bellys beste Freundin Taylor (Rain Spencer) und ihren Bruder Steven (Sean Kaufman), die eine eigene Liebesgeschichte entwickeln.

In „Every Year After“ übernehmen Delilah (Abigail Cowen) und Chantal (Aurora Perrineau) eine ähnliche Funktion und erhalten deutlich mehr Profil, als es das Genre oft vorsieht.
Welche Serie sich am Ende mehr lohnt
Belly entscheidet sich zwischen zwei Männern. Percy lebt mit einer Entscheidung, die sie schon vor zehn Jahren getroffen hat. Beide Adaptionen kommen aus demselben Subgenre und sitzen im gleichen Sommer-Regal des Streamers. Doch sie verstehen unter einem Liebesdreieck etwas völlig Unterschiedliches. Der Sommer, als ich schön wurde bietet das echte Dreieck mit Lagerwahl über mehrere Staffeln, während Every Year After die Geschichte einer alten Entscheidung erzählt, die nie ganz heilt.
Spannend würde eine bislang nicht bestätigte zweite Staffel von Every Year After genau an dem Punkt werden, an dem Charlie seine reaktive Rolle hinter sich lässt. Denn vielleicht beginnt das Liebesdreieck erst dann wirklich.













