
„Euphoria“ endet so tragisch wie die Vorlage – mit einem großen Unterschied
Sam Levinsons HBO-Drama endet nach sieben Jahren und drei Staffeln tragisch: Rue Bennett (Zendaya) stirbt im Finale an einer Überdosis. Was kaum bekannt ist: Euphoria hat eine Vorlage, eine israelische Miniserie von 2012, die ihre Hauptfigur genauso enden lässt. Wer diese Vorlage gesehen hat, wusste seit Jahren, wohin Levinsons Adaption am Ende laufen würde. Es gibt dennoch einen großen Unterschied.
Die israelische Vorlage und ihr Ende
Die israelischen Euphoria-Staffeln liefen von November 2012 bis Februar 2013 auf dem Sender Hot 3. Geschrieben haben sie Ron Leshem, Daphna Levin und Timira Yardeni, wobei Leshem und Levin später beide auch an Levinsons US-Version mitgewirkt haben. Die Serie spielt in den Neunzigern, in einer israelischen Großstadt, und folgt einer Gruppe von 17-Jährigen, die ihre Tage zwischen Drogen und Gewalt verbringen. Die Geschichte basiert lose auf einem realen Mord in Tel Aviv 2004, bei dem ein 18-jähriger Junge vor einem Club erstochen wurde.
Hofit (Roni Dalumi) ist das Pendant zu Rue, eine Süchtige, die nach dem Tod eines Freundes mit Drogen anfängt. Sie ist auch die Erzählerin der Serie.

Was die Vorlage erst in der letzten Folge auflöst und was das HBO-Finale jetzt nachgereicht hat: Hofit war von Anfang an tot. Sie ist an einer Überdosis gestorben und hat die ganze Serie aus dem Jenseits erzählt. Das macht das Drehbuch der HBO-Version weniger überraschend, als es sich anfühlt. Wer die Vorlage kannte, wusste seit 2019, dass es für Rue wahrscheinlich nicht gut ausgeht.
Levinson mildert das Original ab
Die israelische Euphoria-Serie ist deutlich härter als die amerikanische. Dekel, das Pendant zu Fezco, ist kein gutmütiger Drogendealer mit Cowboy-Manieren, sondern ein kalter Mann, der Hofit sexuell missbraucht und später in der israelischen Armee selbst zum Süchtigen wird. Aus Kats Body-Positivity-Bogen wird in der Vorlage eine HIV-Diagnose für ihre Vorgängerin Noy. Tomer, das Pendant zu Ashtray, ermordet Hofits Ex-Freund während eines Livestreams. Und Hofit selbst zündet am Ende die Wohnung ihres Freundes Kino an, mit ihm darin.
In der HBO-Version ist davon kaum etwas übrig geblieben. Aus Hofits Vergewaltiger wird Fezco, ein warmer, lakonischer Drogendealer. Noys HIV-Diagnose hat keinen Platz in der Geschichte, Kat bekommt stattdessen einen Coming-of-Age-Bogen über Selbstvertrauen. Und Rue stirbt zwar genauso wie Hofit, nur fühlt sich ihr Tod cinematisch inszeniert an, mit einer Traumsequenz und jemandem, der sie rächt.
Levinson hat also den Plot der Vorlage übernommen, aber Ton und Charaktere verändert. Aus einem schroffen, beinahe dokumentarischen Porträt einer Gruppe sich selbst überlassener Teenager wurde ein cinematisches Suchtdrama mit Hochglanz. Die Hauptperson, die im Original seit Folge 1 schon tot ist, lebt in der Adaption sieben Jahre lang, bevor sie genauso endet wie ihr israelisches Pendant.
Rues Tod war absehbar
Wer sich beim Serienfinale gefragt hat, warum Levinson Rue nicht überleben lässt, hat die Antwort vielleicht schon vor 13 Jahren bekommen. Die Vorlage hat es genauso erzählt, nur ohne Trostpflaster. Geblieben ist die eine Wahrheit, die das Original schon hatte: In einer ehrlichen Geschichte über jugendliche Sucht überleben nicht alle. Levinson hat alles dazugegeben, was diese Wahrheit erträglicher macht.
Vielleicht ist das die ehrlichste Beobachtung über Euphoria als Adaption: Levinson hat das Ende seiner Vorlage übernommen, aber er hat es mit Bildern und Musik aufgeladen.

























