
Die 10 erfolgreichsten Superheldenfilme aller Zeiten – nur einer ist nicht von Marvel
Wer die erfolgreichsten Superheldenfilme aller Zeiten nach Einspielergebnis sortiert, stößt auf eine bemerkenswert einseitige Top 10: Neun der zehn Titel stammen aus dem Marvel-Kosmos. Avengers und Spider-Man besetzen gleich mehrere Plätze, dazu kommen Black Panther, Deadpool, Wolverine und Iron Man. Die einzige Ausnahme basiert nicht einmal auf einer Comicvorlage.
Die Unglaublichen 2 (2018) erzählt stattdessen von der Superheldenfamilie Parr, die nicht nur gegen neue Gegner kämpfen muss, sondern gleichzeitig versucht, Beruf, Kindererziehung und Familienalltag unter einen Hut zu bekommen. Weltweit spielte der Pixar-Streifen rund 1,24 Milliarden US-Dollar ein.
Damit ist er nicht nur einer der größten Erfolge des US-amerikanischen Animationsstudios, sondern auch der einzige Nicht-MCU-Titel in den Top 10 dieser Liste.
An der Spitze steht weiterhin Avengers: Endgame (2019) mit rund 2,799 Milliarden US-Dollar. Nach Thanos’ Sieg versuchen die verbliebenen Avengers, die Folgen von Infinity War rückgängig zu machen. Der Film war damit weniger eine gewöhnliche Fortsetzung als der Abschluss eines Erzählbogens, den Marvel über mehr als ein Jahrzehnt und zahlreiche Produktionen aufgebaut hatte.
Kein anderer Titel dieser Liste setzt so viel Vorwissen voraus, aber kaum ein anderer belohnt langjährige Zuschauer so konsequent für ihre Vertrautheit mit den Figuren und ihren Geschichten. Im Vergleich zu Avengers: Infinity War geht es deshalb nicht mehr nur darum, möglichst viele Helden in einer Geschichte unterzubringen, sondern ihre über Jahre entwickelten Geschichten zu einem Abschluss zu führen. Seit 2019 ist Endgame der erfolgreichste Superheldenfilm aller Zeiten. Der Abstand zu Spider-Man: Brand New Day beträgt Stand Ende August 2026 noch rund 467 Millionen US-Dollar.
Der jüngste Titel dieser Liste ist Spider-Man: Brand New Day (2026). Mit aktuell rund 2,333 Milliarden US-Dollar hat der Film Avengers: Infinity War überholt und ist auf Platz zwei der erfolgreichsten Superheldenfilme aller Zeiten vorgerückt. Da er Stand Ende August weiterhin im Kino läuft, ist sein Einspielergebnis noch nicht endgültig.
Die Story: Nach den Ereignissen aus Spider-Man: No Way Home erinnert sich niemand mehr an Peter Parker (Tom Holland), der inzwischen allein lebt und sich vollständig auf sein Leben als Spider-Man konzentriert. Im Vergleich zu No Way Home, dessen enorme Zugkraft auch aus dem Multiversum und der Rückkehr früherer Spider-Man-Darsteller entstand, setzt Brand New Day wieder stärker auf Tom Hollands Peter Parker und dessen unmittelbare Geschichte. Gerade deshalb ist der enorme Erfolg interessant: Der Film zeigt, dass Spider-Man auch ohne das große Nostalgie-Crossover des Vorgängers genügend Zugkraft besitzt, um in die absolute Box-Office-Spitze vorzudringen.
Mit rund 2,052 Milliarden US-Dollar gehört Avengers: Infinity War (2018) zu den wenigen Superheldenfilmen, die weltweit die Zwei-Milliarden-Marke überschritten haben. Thanos (Josh Brolin) versucht darin, alle sechs Infinity-Steine in seinen Besitz zu bringen, während sich Helden aus unterschiedlichen Teilen des MCU gegen ihn verbünden. Trotz der gewaltigen Besetzung gelingt es den Regisseuren Anthony und Joe Russo, den Film nicht zu einer bloßen Parade bekannter Figuren werden zu lassen. Stattdessen teilen sie das Ensemble auf mehrere Schauplätze und Gruppen auf, die jeweils eigene Aufgaben verfolgen.
Im Vergleich zu Marvel’s The Avengers fällt vor allem auf, wie viel größer das MCU innerhalb von sechs Jahren geworden war: Aus sechs Helden wurde ein Ensemble aus Figuren mehrerer Filmreihen und Schauplätze. Für Neueinsteiger ist Infinity War deshalb denkbar ungeeignet, für langjährige Zuschauer funktioniert er dagegen gerade deshalb so gut, weil zahlreiche zuvor aufgebaute Figuren und Handlungsstränge hier erstmals unmittelbar zusammenlaufen.
Spider-Man: No Way Home (2021) spielte weltweit rund 1,921 Milliarden US-Dollar ein und wurde zu einem generationenübergreifenden Kinoereignis.
Nachdem Peter Parkers (Tom Holland) Identität öffentlich geworden ist, bittet er Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) um Hilfe. Ein misslungener Zauber öffnet jedoch das Multiversum und bringt Figuren aus früheren Spider-Man-Filmreihen in seine Welt. Gerade diese Verbindung mehrerer Kino-Epochen machte einen großen Teil des Reizes aus. Darin ähnelt der Film Deadpool & Wolverine, der ebenfalls stark mit der Erinnerung an frühere Marvel-Produktionen spielt. Besonders viel bekommen deshalb Zuschauer geboten, die Spider-Man bereits seit den Filmen der frühen 2000er begleiten.
Bemerkenswert ist zudem, unter welchen Bedingungen dieser Erfolg zustande kam: No Way Home erreichte seine knapp zwei Milliarden US-Dollar Ende 2021, als sich der internationale Kinomarkt noch deutlich von den Folgen der Pandemie erholte.
Marvel’s The Avengers (2012) war der Film, mit dem Marvels bis dahin ungewöhnliches Konzept eines gemeinsamen Filmuniversums endgültig aufging. Iron Man, Captain America, Thor, Hulk, Black Widow und Hawkeye treten erstmals gemeinsam gegen Loki (Tom Hiddleston) an, nachdem ihre Geschichten zuvor über mehrere Filme hinweg vorbereitet worden waren.
Weltweit spielte der Film rund 1,521 Milliarden US-Dollar ein und machte das MCU endgültig zum dominierenden Blockbuster-Modell seiner Zeit. Im Vergleich zu Avengers: Age of Ultron wirkt der erste gemeinsame Auftritt heute fast angenehm übersichtlich. Statt zahlreiche neue Figuren und spätere Konflikte vorzubereiten, konzentriert sich der Film vor allem darauf, aus sechs sehr unterschiedlichen Helden überhaupt erst ein funktionierendes Team zu machen. Gerade diese Klarheit gehört bis heute zu seinen größten Stärken.
Avengers: Age of Ultron (2015) spielte weltweit rund 1,405 Milliarden US-Dollar ein und ist damit der kommerziell schwächste der vier Avengers-Filme, wobei „schwach“ bei einem Einspielergebnis jenseits der Milliardengrenze ziemlich relativ ist.
Tony Stark (Robert Downey Jr.) und Bruce Banner (Mark Ruffalo) erschaffen die künstliche Intelligenz Ultron (James Spader), die den Weltfrieden sichern soll, stattdessen aber die Menschheit selbst als größte Bedrohung betrachtet. Im Vergleich zu Marvel’s The Avengers ist die Fortsetzung deutlich dichter gepackt: Neben Ultron führt der Film neue Figuren ein und legt wichtige Grundlagen für spätere Konflikte der Infinity-Saga. Das macht ihn stellenweise etwas überladen, rückblickend aber auch zu einem zentralen Bindeglied zwischen dem ersten Avengers-Treffen und den wesentlich größeren Ereignissen in Infinity War und Endgame.
Mit knapp 1,35 Milliarden US-Dollar wurde Black Panther (2018) zu einem der größten Erfolge der MCU-Geschichte. T’Challa (Chadwick Boseman) kehrt nach dem Tod seines Vaters nach Wakanda zurück, um den Thron zu besteigen. Seine Herrschaft wird jedoch von Erik Killmonger (Michael B. Jordan) infrage gestellt, der nicht nur Anspruch auf die Krone erhebt, sondern auch Wakandas jahrzehntelange Abschottung vom Rest der Welt beenden will.
Regisseur Ryan Coogler macht daraus einen Superheldenfilm, der sich stärker mit Politik, Herkunft und Verantwortung beschäftigt als viele andere MCU-Produktionen. Während Wakanda in Avengers: Age of Ultron nur angedeutet wurde, wird das Land in Black Panther erstmals ausführlich gezeigt. Ryan Coogler entwickelt daraus eine eigenständige Welt mit politischen Machtkämpfen, technologischer Überlegenheit und deutlich erkennbaren Einflüssen verschiedener afrikanischer Kulturen. Besonders bemerkenswert ist der Erfolg in Nordamerika: Dort spielte Black Panther mehr als 700 Millionen US-Dollar ein und erwirtschaftete damit mehr als die Hälfte seines weltweiten Ergebnisses.
Deadpool & Wolverine (2024) spielte weltweit rund 1,338 Milliarden US-Dollar ein und erreichte diese enorme Summe trotz einer Einschränkung, die viele andere Superhelden-Blockbuster nicht haben: Der Film richtet sich mit seiner drastischen Gewalt und seinem derben Humor klar an ein älteres Publikum.
Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) trifft darin auf Logan alias Wolverine (Hugh Jackman), der widerwillig in ein Abenteuer durch das Multiversum hineingezogen wird. Der Film lebt von der Chemie seiner beiden Stars, zahlreichen Verweisen auf frühere Marvel- und X-Men-Produktionen und einer gehörigen Portion Nostalgie. Im Vergleich zu Die Unglaublichen 2, der als Familienfilm Kinder und Erwachsene gleichermaßen erreicht, ist die potenzielle Zielgruppe hier deutlich kleiner. Dass Deadpool & Wolverine trotzdem zu einem der größten Superhelden-Hits überhaupt wurde, macht diesen Erfolg umso bemerkenswerter.
Der eigentliche Sonderfall dieser Liste ist Die Unglaublichen 2 (2018).
Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird setzt unmittelbar nach dem ersten Film an: Helen Parr alias Elastigirl (Holly Hunter) soll das öffentliche Bild der Superhelden verbessern, während Bob Parr alias Mr. Incredible (Craig T. Nelson) zu Hause den Familienalltag übernimmt und dabei besonders mit den immer neuen Kräften seines jüngsten Sohnes Jack-Jack zu kämpfen hat. Gerade diese Mischung aus Superheldenfilm und Familienkomödie macht den Film so zugänglich. Wo Marvel im selben Jahr ein riesiges Arsenal etablierter Figuren ins Feld führte, beweist Pixar: Wahre Magie braucht weder ein vernetztes Universum noch jahrelanges Vorspiel. Die Parrs funktionieren als Superhelden und als Familie gleichermaßen. Für Kinder funktioniert der Film als temporeiches Superheldenabenteuer, für Erwachsene zugleich als ziemlich treffende Komödie über Familie, Rollenverteilung und Überforderung. Diese doppelte Ebene machte Die Unglaublichen 2 für ein außergewöhnlich breites Publikum attraktiv und war ein wichtiger Faktor für seinen enormen Kinoerfolg.
Hinzu kam ein Vorteil, den kein anderer Film dieser Top 10 in dieser Form besaß: Zwischen Die Unglaublichen und seiner Fortsetzung lagen 14 Jahre. Viele Zuschauer, die den ersten Teil 2004 als Kinder oder Jugendliche gesehen hatten, waren beim Kinostart von Die Unglaublichen 2 längst erwachsen. Pixar erreichte damit nicht nur ein junges Publikum, sondern zugleich jene Generation, die bereits mit dem Vorgänger vertraut war. Wie groß das Interesse an der Rückkehr der Parrs ausfiel, zeigte schon das Startwochenende: In Nordamerika spielte der Film 182,7 Millionen US-Dollar ein und übertraf damit den bisherigen Animationsfilm-Startrekord von Findet Dorie deutlich. Am Ende kamen allein in Nordamerika 608,6 Millionen und weltweit rund 1,243 Milliarden US-Dollar zusammen. Erst Alles steht Kopf 2 übertraf 2024 diesen weltweiten Pixar-Rekord.
Mit rund 1,216 Milliarden US-Dollar hält sich Iron Man 3 (2013) mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Kinostart unter den zehn erfolgreichsten Superheldenfilmen.
Tony Stark (Robert Downey Jr.) gerät ins Visier des Mandarin, der mit einer Reihe verheerender Anschläge die USA terrorisiert. Nachdem auch Starks Anwesen angegriffen wird, versucht er herauszufinden, was tatsächlich hinter der Bedrohung steckt. Regisseur Shane Black macht daraus einen vergleichsweise eigenwilligen MCU-Film, der Superhelden-Action mit Thriller-Elementen, trockenem Humor und einem für ihn typischen Weihnachtsszenario verbindet. Im Vergleich zu Marvel’s The Avengers wirkt Iron Man 3 deutlich eigenwilliger. Shane Black nimmt Tony Stark einen großen Teil seiner technischen Überlegenheit und zwingt ihn dazu, zu improvisieren, zu ermitteln und sich stärker auf seinen Einfallsreichtum zu verlassen. Dadurch bekommt der Film stellenweise mehr von einem Actionthriller als von einem klassischen MCU-Abenteuer. Der kommerzielle Erfolg blieb trotzdem gewaltig.

















































