
"Dune": 3 Buch-Charaktere, die in der Villeneuve-Verfilmung fehlen (und was uns in Teil 3 erwartet)
Denis Villeneuves Vision von Dune (2021) und Dune: Part Two (2024) hat das Science-Fiction-Kino zweifellos revolutioniert, doch wer Frank Herberts monumentale Buchvorlage Dune aus dem Jahr 1965 kennt, weiß, dass auf dem Weg zur Leinwand einige Figuren der Schere zum Opfer fielen. Die enorme Komplexität des Wüstenplaneten zwang Denis Villeneuve dazu, faszinierende Nebenhandlungen und spannende Figuren zu streichen, um den Fokus auf Paul Atreides’ tragischen Aufstieg zu wahren.
Unser Artikel richtet sich an alle Fans, denen die filmische Oberfläche nicht reicht und die wissen möchten, welche politischen Strippenzieher und bizarren Wesen im Hintergrund der Bücher lauern. Während wir gespannt auf die Fortsetzung blicken, analysieren wir hier das Potenzial der vergessenen Legenden und werfen einen Blick auf die Zukunft von Dune: Part Three (2026).
Harah
Harah ist im Roman die Ehefrau von Jamis, jenem Fremen, den Paul Atreides (Timothée Chalamet) töten muss, um seinen Status bei den Wüstenbewohnern zu sichern. Nach dem Duell in Dune (1965) stellt Paul fest, dass er nach den Bräuchen von Sietch Tabr nun für Harah und ihre Kinder verantwortlich ist – sie wird faktisch sein Eigentum und seine Dienerin. Dass Villeneuve diese Figur in Dune: Part Two gestrichen hat, ist eine bewusste Entscheidung für ein modernes Frauenbild, da die Idee einer „gererbten Ehefrau“ kaum in die progressive Vision der Film-Fremen passt.
Harah ist für Frank Herberts Fans interessant, die sich für die soziologischen Details des Wüstenplaneten begeistern, doch im Vergleich zu Hasimir Fenring hat ihr Fehlen keinen gravierenden Einfluss auf die Handlung des Films. Ihre Streichung macht den Plot fokussierter, nimmt ihm aber ein Stück jener fremdartigen, archaischen Härte, die das Buch so einzigartig macht.
Count Hasimir Fenring
Graf Hasimir Fenring bleibt wohl die schmerzhafteste Lücke für eingefleischte Buch-Fans, da er in Dune eine existenzielle Bedrohung für Paul darstellt. Als engster Vertrauter des Imperators Shaddam IV entstand er durch ein misslungenes Bene-Gesserit-Experiment – ein genetisch „Unvollkommener“, der beinahe die Fähigkeiten des Kwisatz Haderach erreicht hätte. Sein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Pauls hellseherische Fähigkeiten können ihn nicht erfassen; er ist ein „blinder Fleck“ im Schicksal und damit der perfekte Attentäter.
Das Fehlen dieser Figur in Dune stellt einen herben Verlust für die Zuschauerinnen und Zuschauer dar, denn Fenring verkörpert einen besonders vielschichtigen Bad Guy. Im Gegensatz zu Harah hätte Fenring eine echte physische und strategische Bedrohung für Paul sein können, da er dessen größte Waffe – die Vorhersehung – neutralisiert. Zwar macht sein Wegfall die Welt der Filme übersichtlicher, doch gleichzeitig nimmt er der Geschichte die faszinierende Erkenntnis, dass Paul keineswegs der einzige genetische Ausnahmezustand im Universum ist. Fenring bleibt somit die faszinierendste „Was-wäre-wenn“-Figur der bisherigen Adaption.
Alia Atreides
Obwohl Alia Atreides durchaus in den Filmen erscheint – etwa als ungeborenes Kind oder in einer Zukunftsvision mit Anya Taylor-Joy in Dune: Part Two (2024) – wurde ihre Zeit als Kleinkind komplett gestrichen. Im Buch ist Pauls jüngere Schwester eine der surrealsten Figuren, da sie durch Lady Jessicas Ritual im Mutterleib das Bewusstsein unzähliger Generationen erbt. Das Resultat ist die zutiefst verstörende Version eines Kleinkinds, das mit der Weisheit eines Erwachsenen spricht und sogar die Fremen sowie ihre eigene Mutter (Rebecca Ferguson) in Furcht versetzt.
In Herberts Roman ist es tatsächlich die zweijährige Alia, die Baron Harkonnen tötet, eine Tat, die im Film auf Paul übertragen wurde. Villeneuve verzichtete wohl auf diese Darstellung, da ein supersmartes, mordendes CGI-Kleinkind auf der Leinwand unfreiwillig komisch hätte wirken können. Da Dune: Part Three (2026) ganze zwölf Jahre nach den bisherigen Ereignissen ansetzt, wird das Publikum diese unheimlichen Kinderjahre im Kino wohl komplett überspringen, was für die filmische Ernsthaftigkeit sicherlich die richtige Entscheidung darstellt.
Was uns in “Dune: Part Three” erwartet
Während die ersten beiden Teile den Aufstieg von Paul Atreides zeigten, wird Dune: Part Three auf dem Roman-Sequel Dune: Messiah (1969) basieren. Die Handlung beginnt mit einem Zeitsprung von zwölf Jahren und zeigt Paul als gefestigten Imperator, der jedoch mit der dunklen Seite seiner Herrschaft konfrontiert wird. Wir verlassen also das Terrain der klassischen Heldenreise und blicken direkt in den Abgrund der Macht.
Paul sitzt zwar als Imperator auf dem Thron, nachdem er Shaddam IV. gestürzt und durch seine Ehe mit Prinzessin Irulan (Florence Pugh) politische Bündnisse geschmiedet hat, doch der Frieden ist brüchig. Viele große Häuser misstrauen dem neuen Regime, und die Fremen unter Pauls Herrschaft entwickeln sich eher zu einer religiösen Massenbewegung als zu einer disziplinierten Streitmacht. In dieser neuen Ära ist Paul längst nicht mehr nur Anführer der Fremen, sondern eine messianische Figur, deren Kult sich verselbstständigt hat – mit verheerenden Folgen.
Dune: Messiah stellt die unbequeme Frage, ob Pauls Rolle als Kwisatz Haderach wirklich eine göttliche Bestimmung ist oder ob er in einem Netz aus Prophezeiungen, religiösem Fanatismus und politischer Dynamik gefangen ist, das sich seiner Kontrolle entzieht. Auch Dune: Part Three dekonstruiert möglicherweise nicht nur den Messias-Mythos, sondern entlarvt den freien Willen als bloße Illusion – ein Glaubenssatz, den die Mächtigen zur Kontrolle der Massen missbrauchen.
Star-Power: Die wichtigsten Neuzugänge in Teil 3
Mit Dune: Part Three setzt Denis Villeneuve auf eine Riege hochkarätiger Neuzugänge. Im Zentrum des Interesses steht vor allem Robert Pattinson als Face Dancer Scytale. Er ist ein genetisch veränderter Gestaltwandler, der seine Fähigkeit nutzt, um Intrigen zu spinnen und andere zu manipulieren. Im direkten Vergleich zum eher brachialen und physischen Antagonismus der Harkonnen in Dune: Part Two agiert Scytale wie ein chirurgisches Skalpell, das seine Gegner präzise seziert.
Flankiert wird er von Anya Taylor-Joy, die nach ihrem kurzen Cameo nun als erwachsene Alia Atreides den Thronsaal dominiert, sowie von der mysteriösen Rückkehr von Jason Momoa als Ghola Hayt – einer Klonversion von Duncan Idaho. Übrigens: Auch Momoas Sohn Nakoa-Wolf wurde für den Sci-Fi-Blockbuster gecastet. Er verkörpert Leto II., den Sohn von Paul Atreides und Chani, während seine Zwillingsschwester Ghanima von Ida Brooke gespielt wird.
Isaach de Bankolé übernimmt die Rolle von Farok, einem kampferprobten Fremen-Krieger, der bereits im ersten Roman eine wichtige, wenn auch in den bisherigen Filmen ausgesparte Rolle spielte. In der Vorlage wird Farok von Scytale getötet und es ist möglich, dass Villeneuve diesen Teil der Geschichte ändert, um Fans der Vorlage zu überraschen.
Am Ende steht die zentrale Frage: Setzt Villeneuve weiter auf den klassischen, hollywoodtauglichen Heldenmythos – oder inszeniert er Paul Atreides als Warnfigur im Sinne von Frank Herberts Vorlage?

































