
Dolly Partons Kino-Klassiker verdrängt „Obsession“ von Platz 1
Manchmal erzählen Streaming-Charts nicht nur, was gerade angesagt ist, sondern auch, wen Menschen vermissen. Wenige Tage nach dem Tod von Dolly Parton am 25. August 2026 erlebt einer ihrer bekanntesten Filme ein gewaltiges Comeback: Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um? (1980), in den USA unter dem Originaltitel Nine to Five bekannt, sprang in den täglichen Streaming-Charts von JustWatch um 3.551 Plätze nach oben und landete auf Platz 1. Damit verdrängte die mehr als 45 Jahre alte Komödie den Horror-Thriller Obsession – Du sollst mich lieben (2026), der sich zuvor hartnäckig an der Spitze gehalten und 97 Tage lang zu den Top 3 gehört hatte. Und Partons Kinodebüt ist nicht der einzige ihrer Filme, den Zuschauer gerade wiederentdecken: Auch Magnolien aus Stahl (1989) schoss um mehr als 2.200 Positionen nach oben und erreicht die Top 10.
Mit „Nine to Five“ eroberte Dolly Parton Hollywood
Wer Dolly Parton vor allem mit „Jolene“, „I Will Always Love You“ und ihrer Country-Karriere verbindet, bekommt mit ihrem ersten Kinofilm gleich eine ziemlich gute Einführung in das, was sie vor der Kamera konnte. Judy Bernly (Jane Fonda), Violet Newstead (Lily Tomlin) und Doralee Rhodes (Dolly Parton) arbeiten für den selbstherrlichen Franklin Hart Jr. (Dabney Coleman), einen Chef, der seine Mitarbeiterinnen klein hält, belästigt und ihre Arbeit für sich beansprucht. Aus zunächst ziemlich fantasievollen Rachegedanken entwickelt sich eine immer wildere Bürorevolte.

Parton war damals die Hollywood-Anfängerin neben zwei erfahrenen Schauspielerinnen, wirkt in dem Film aber erstaunlich souverän. Doralee ist warmherzig, schlagfertig und erheblich weniger naiv, als ihr Chef glaubt, was ziemlich gut zu dem öffentlichen Bild passte, mit dem Parton selbst oft spielte. Auch der Titelsong stammt von ihr und wurde weit über den Film hinaus zu einer Hymne auf den täglichen Arbeitswahnsinn. Dass die Komödie Jahrzehnte später wieder ganz oben in den Streaming-Charts steht, fühlt sich deshalb weniger nach einer zufälligen Wiederentdeckung an, als nach einem ziemlich passenden Griff zurück zu einer Rolle, in der Parton schon beim ersten Versuch unverkennbar sie selbst war.
Drei Golden-Globe-Nominierungen machten aus dem Debüt mehr als einen Ausflug
Parton behandelte ihren ersten Film keineswegs wie einen kurzen Abstecher einer Sängerin nach Hollywood, und auch die Preisjurys taten das nicht. Bei den Golden Globes 1981 wurde sie gleich dreimal für Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um? berücksichtigt: als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie oder einem Musical, als New Star of the Year sowie für den besten Filmsong. Hinzu kam eine Oscar-Nominierung für „9 to 5“.
Für eine Musikerin ohne vorherige Kinoerfahrung war das ein bemerkenswerter Start, der ihr unmittelbar weitere große Rollen eröffnete. Schon zwei Jahre später spielte sie in Das schönste Freudenhaus in Texas (1982) die Bordellbesitzerin Mona Stangley an der Seite von Sheriff Ed Earl Dodd (Burt Reynolds) und erhielt erneut eine Golden-Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Später folgten unter anderem Der Senkrechtstarter (1984) mit Nick Martinelli (Sylvester Stallone) und weitere Komödien.

Parton wurde damit zwar nie zu einer Schauspielerin, die ihre Musikkarriere hinter sich ließ, aber Hollywood hatte nach ihrem Debüt verstanden, dass ihr Charisma auch dann funktionierte, wenn gerade keine Konzertbühne in der Nähe war.
Auch „Magnolien aus Stahl“ steigt plötzlich wieder nach oben
Noch deutlicher zeigt sich die aktuelle Parton-Welle daran, dass nicht nur ihr berühmtestes Filmdebüt profitiert. Magnolien aus Stahl sprang in derselben US-Rangliste um 2.257 Plätze auf Rang 8 und stieg anschließend weiter. Hier spielt Parton Truvy Jones (Dolly Parton), die Besitzerin eines Schönheitssalons in Louisiana, in dem M’Lynn Eatenton (Sally Field), deren Tochter Shelby Eatenton Latcherie (Julia Roberts), Ouiser Boudreaux (Shirley MacLaine) und ihre Freundinnen zusammenkommen.
Zwischen Haarspray, Klatsch und kleinen Sticheleien wird daraus nach und nach eine Geschichte über Freundschaft, Krankheit und Verlust. Für Parton war die Rolle besonders interessant, weil sie wesentlich weniger auf ihre Musikkarriere angewiesen war als ihre früheren Filme. Truvy muss keine große Show abziehen, sondern zuhören, trösten, scherzen und im richtigen Moment einfach da sein. Dass nun sowohl ihr ausgelassenes Kinodebüt als auch einer ihrer emotionalsten Ensemblefilme in den Charts nach oben schießen, zeigt ziemlich schön, wie unterschiedlich Zuschauer Dolly Parton gerade wieder begegnen. Manche starten offenbar mit dem klappernden Rhythmus von „9 to 5“, andere landen im Friseursalon von Truvy Jones.




















