
„District 9“ wartet seit 17 Jahren auf die Einlösung seines Versprechens
Ein Drehbuch ist vorhanden, einen Drehbeginn gibt es nicht. Ebenso fehlen eine Zusage eines Studios und ein Termin für die Veröffentlichung. Genau so lässt sich der aktuelle Stand von District 10 zusammenfassen. Die geplante Fortsetzung zu District 9 (2009) befindet sich dem Namen nach weiterhin in Entwicklung, tatsächlich ist das Projekt jedoch zum Stillstand gekommen.
Besonders deutlich wurde das zuletzt durch Sharlto Copley. Der Hauptdarsteller des ersten Films sagte dem britischen Radio Times, Neill Blomkamp müsse aufhören, die Öffentlichkeit zu belügen. Der scharfe Ton ist bemerkenswert, weil Copley zuvor selbst über Jahre immer wieder optimistische Meldungen zur Fortsetzung verbreitet hatte. Während Blomkamp schwieg, hielt er District 10 im Gespräch. Dass nun ausgerechnet Copley die Geduld verliert, ist das klarste Signal seit Langem.
Das offene Ende lieferte den Titel gleich mit
Der erste Film endet mit einem Versprechen. Wikus van de Merwe, gespielt von Sharlto Copley, verwandelt sich nach dem Kontakt mit einer außerirdischen Substanz zunehmend in eines jener Wesen, die er zuvor umsiedeln sollte. Am Schluss ist die körperliche Veränderung abgeschlossen. Christopher Johnson (Jason Cope) erreicht unterdessen das Mutterschiff und kann die Erde verlassen. Vor seiner Abreise verspricht er Wikus, in drei Jahren zurückzukehren und die Verwandlung rückgängig zu machen.
Ob Christopher dieses Versprechen erfüllt, beantwortet District 9 nicht. Auch bleibt offen, wie viel von Wikus’ menschlichem Bewusstsein noch vorhanden ist. Genau an dieser Leerstelle könnte eine Fortsetzung ansetzen. Selbst ihr Titel ist bereits im Film angelegt: Im Epilog wird District 10 erwähnt, ein neues Lager für 2,5 Millionen Umgesiedelte.
Aus den angekündigten drei Jahren wurden inzwischen 17. District 9 startete am 14. August 2009 im Kino. Neill Blomkamps Regiedebüt kostete 30 Millionen Dollar und spielte allein in Nordamerika mehr als 115 Millionen Dollar ein. Angesichts dieses Erfolgs schien eine Fortsetzung damals beinahe selbstverständlich.
Blomkamp suchte jahrelang nach einem Grund für die Fortsetzung
Warum so lange nichts geschah, erklärte Blomkamp später selbst. Gegenüber IGN sagte er, er habe zehn Jahre gebraucht, um herauszufinden, weshalb er diesen Film machen sollte, anstatt lediglich irgendeine Fortsetzung zu drehen. Diese Begründung passt zu seiner weiteren Laufbahn. Nach District 9 entstanden Elysium, Chappie, Demonic und schließlich Gran Turismo. Keiner dieser vier Filme erreichte die Wirkung seines Debüts.
Erst 2017 ließ Blomkamp öffentlich erkennen, dass er über eine Fortsetzung nachdachte. Konkreter wurde es 2021. Terri Tatchell, die bereits das erste Drehbuch mitverfasst hatte und mit Blomkamp verheiratet ist, sollte erneut am Skript arbeiten. Auch Copley war als Ko-Autor beteiligt und galt zugleich als wahrscheinlicher Rückkehrer vor der Kamera. Angaben zu einem Studio, zum Budget oder zu einem möglichen Produktionsstart gab es allerdings nicht.
2022 schien ein Dreh plötzlich greifbar
Am weitesten fortgeschritten wirkte District 10 im Jahr 2022. Copley berichtete damals, dass er und Blomkamp bereits verschiedene Fassungen geschrieben und untereinander ausgetauscht hätten. Die eigentliche Schwierigkeit bestehe darin, die richtige Geschichte zu finden. Blomkamp habe außerdem wegen bestimmter gesellschaftlicher Entwicklungen gezögert, sofort zu beginnen. Er wolle mit dem Film tatsächlich etwas zu sagen haben.
Copley rechnete zu diesem Zeitpunkt mit einem Drehbeginn innerhalb von ungefähr anderthalb Jahren. Nach dreizehn Jahren des Wartens klang diese Einschätzung erstmals wie ein konkreter Zeitplan. Doch auch daraus wurde nichts. 2023 erklärte Blomkamp dem Hollywood Reporter, er wisse nicht, ob District 10 überhaupt entstehen werde. Bis heute ist das seine letzte gehaltvolle öffentliche Aussage zu dem Projekt.
Untätig ist Blomkamp unterdessen nicht. Bei Gunzilla Games, das er 2020 mitgegründet hat, verantwortet er die kreative Ausrichtung des Battle-Royale-Spiels Off The Grid. Im März 2025 verpflichtete ihn Columbia Pictures als Autor und Regisseur einer Neuverfilmung von Robert A. Heinleins Starship Troopers, dazu soll er Peter Watts' Roman Blindsight adaptieren. Blomkamp dreht also wieder, nur eben nicht District 10.
Eine endgültige Absage gibt es weiterhin nicht
Vollständig erledigt ist District 10 damit noch nicht. Blomkamp und Copley haben die Idee nie offiziell aufgegeben, und das Drehbuch liegt offenbar in mehreren Fassungen vor. Zudem wollte Blomkamp die Fortsetzung bewusst überschaubar halten, sowohl beim Umfang als auch beim Budget. Sein Anspruch, den Film nur mit einer überzeugenden inhaltlichen Begründung zu drehen, kann für eine lange Verzögerung sprechen und muss keine endgültige Absage bedeuten.
Gegen eine Realisierung arbeitet allerdings die vergangene Zeit. Copley ist inzwischen zwei Jahrzehnte älter als bei den Dreharbeiten zu seiner bekanntesten Rolle. Ein Studio, das nach dem Erfolg von 2009 vermutlich schnell zugesagt hätte, müsste im Jahr 2026 erst wieder vom wirtschaftlichen Potenzial des Projekts überzeugt werden.
Das lange Warten passt ausgerechnet zum Thema des Films
Dass Christophers Zusage bis heute uneingelöst bleibt, wirkt beinahe wie eine Fortsetzung mit anderen Mitteln. District 9 orientiert sich an den Zwangsumsiedlungen aus dem Kapstädter District Six und erzählt von Menschen beziehungsweise Wesen, denen Versprechen gemacht werden, die anschließend niemand einhält.
Ob District 10 jemals gedreht wird, lässt sich deshalb weiterhin nicht beantworten. Sicher ist lediglich: Christopher wollte nach drei Jahren zurückkommen. 17 Jahre später warten Wikus und das Publikum noch immer. Für diese Geschichte könnte es kaum einen passenderen vorläufigen Ausgang geben.

























