Ist „Die Odyssee“ Christopher Nolans Meisterwerk? Der Rekordstart und das Urteil der Kritiker

Ist „Die Odyssee“ Christopher Nolans Meisterwerk? Der Rekordstart und das Urteil der Kritiker

Veröffentlicht am20. Juli 2026

Aktualisiert am20. Juli 2026

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Christopher Nolan verfilmt mit Die Odyssee (2026) Homers fast 3000 Jahre altes Epos über den griechischen König Odysseus. Die Geschichte seiner zehnjährigen Irrfahrt nach dem Trojanischen Krieg prägte zahllose spätere Abenteuererzählungen und machte Begegnungen mit dem Zyklopen, den Sirenen und der Zauberin Kirke zu festen Bestandteilen der westlichen Popkultur. Matt Damon spielt den Kriegshelden, der nach Ithaka zurückkehren möchte und auf dem Weg nicht nur gegen Götter und Monster, sondern auch mit den Folgen seiner eigenen Entscheidungen kämpft. 

Die internationale Kritik fällt bislang ausgesprochen positiv aus. Besonders häufig würdigen die Rezensionen die visuelle Wucht, die prächtige Ausstattung, Damons vielschichtige Darstellung und Nolans Deutung des antiken Helden als traumatisierten Heimkehrer. Einig ist man sich dennoch nicht. Während einige darin einen Höhepunkt in Nolans Filmografie erkennen, bemängeln andere die schwerfällige Struktur, ein unausgewogenes Erzähltempo und eine emotionale Distanz, die der Film erst im späteren Verlauf überwindet.

Nolan bricht seinen eigenen Rekord

Wie erfolgreich Die Odyssee tatsächlich gestartet ist, lässt sich inzwischen klar beziffern. Christopher Nolans Fantasy-Epos spielte am ersten Wochenende weltweit rund 264 Millionen US-Dollar (etwa 230 Millionen Euro) ein. Damit gelang nicht nur der erfolgreichste Kinostart seiner Karriere, sondern auch der bislang größte Live-Action-Start des Jahres 2026.

Matt Damon in Die Odyssee

Auch in Deutschland setzte sich der Film mühelos an die Spitze der Kinocharts: Laut The Spot wurden zum Startwochenende rund 530.000 Tickets verkauft. Das reicht für das zweitbeste Kinodebüt des Jahres.

Die Kritiken zu „Die Odyssee“

Am Kinostarttag stand Die Odyssee bei Rotten Tomatoes bei 96 Prozent positiven Kritiken aus 277 Rezensionen. Auch das Publikum bewertet den Film dort bislang mit 96 Prozent, wobei die Zahl der verifizierten Publikumsstimmen mit mehr als 500 noch überschaubar ist. Metacritic kommt auf 89 von 100 Punkten aus 58 Kritiken und ordnet das Ergebnis als „Universal Acclaim“ ein. Damit gehört der Film nicht nur zu den bestbewerteten Großproduktionen des Jahres, sondern auch zur Spitzengruppe in Nolans eigener Filmografie. 

Die Zahlen sind allerdings eine Momentaufnahme und werden sich mit weiteren Kritiken und Publikumswertungen noch verändern. Trotzdem lässt sich bereits feststellen, dass der Film bei professionellen Kritikern deutlich mehr Zustimmung findet als ein durchschnittlicher Sommerblockbuster. Der Konsens lautet nicht bloß, dass Nolan beeindruckende Bilder liefert. Viele Rezensionen heben hervor, dass die Figuren dieses Mal nicht hinter dem Spektakel verschwinden und der Film eine menschliche Nähe entwickelt, die Nolans Werken häufig fehlt.

Die Odyssee Trojanisches Pferd

Am häufigsten loben die Kritiker die visuelle Wucht von Die Odyssee. Damit ist nicht allein die Größe der Bilder gemeint. Nolans Antike wirkt tatsächlich lebendig: Die Schiffe liegen schwer im Wasser, die Landschaften erscheinen ebenso schön wie lebensfeindlich, und die prächtigen Bauten tragen sichtbare Spuren einer rauen Welt. In der Los Angeles Times lobt Katie Walsh die immense Größe, Schönheit und Körperlichkeit der Inszenierung, während Peter Bradshaw vom Guardian insbesondere den erzählerischen Ehrgeiz und die Wucht des Films hervorhebt. Dass Nolan das gesamte Epos mit IMAX-Filmkameras aufnehmen ließ, betrachten die meisten Rezensenten deshalb nicht als technische Spielerei. Das Format verleiht Schlachten, Stürmen und mythischen Kreaturen ebenso viel Präsenz wie den Figuren. Gerade darin unterscheidet sich der Film von vielen anderen Großproduktionen: Seine Welt wirkt nicht wie eine digitale Kulisse, sondern wie ein Ort, an dem Menschen tatsächlich leben, kämpfen und sterben.

Warum Matt Damon als Odysseus die Kritiker überzeugt

Auch Matt Damons Darstellung findet in den Kritiken breite Zustimmung. Sein Odysseus erscheint nicht als makelloser Held, sondern als kluger, von Schuld gezeichneter und moralisch widersprüchlicher Mann, für dessen berühmte Listen häufig andere den Preis bezahlen. Der Guardian beschreibt den Film entsprechend als düstere Nachkriegserzählung über Trauma, Verantwortung und den Verlust moralischer Gewissheiten.

Matt Damon in Die Odyssee

Der Independent erkennt in Odysseus viele jener beschädigten Männerfiguren wieder, die Nolans Werk seit Jahrzehnten prägen, hält seine Geschichte jedoch für intimer und emotional zugänglicher als die vieler früherer Filme.

Tom Holland in Die Odyssee

Auch Anne Hathaway und Samantha Morton werden in zahlreichen Rezensionen hervorgehoben. Deutlich uneinheitlicher fallen die Reaktionen auf Tom Holland aus. Während einige Kritiker darin seine bislang reifste Leistung sehen, empfinden andere ihn neben Damon und Hathaway als zu blass oder sogar fehlbesetzt.

Wo selbst positive Kritiken Probleme sehen

Die häufigsten Einwände betreffen Aufbau, Erzähltempo und die emotionale Distanz zu den Figuren. David Rooney vom Hollywood Reporter beschreibt den Film als unausgewogen und dramaturgisch schwerfällig. Vor allem einzelne Passagen zwischen Odysseus und Kalypso würden die Handlung ausbremsen. Caryn James von der BBC würdigt zwar die Größe und den visuellen Reichtum der Inszenierung, hält Oppenheimer (2023) jedoch für konzentrierter und emotional präziser. Auch Variety erkennt trotz großer Begeisterung eine gewisse Kühle: Der Film beeindrucke mit seinen Bildern, lasse das Publikum aber nicht immer nah genug an seine Figuren heran. Dahinter steht ein grundsätzliches Problem der Adaption. Nolan verbindet Abenteuerfilm, Kriegsdrama, Familiensaga, Horror und psychologische Heimkehrergeschichte in einem einzigen Werk. Über weite Strecken geht diese Mischung auf. An anderen Stellen wirkt der Film jedoch überladen, weil einzelne Motive und Figuren weniger Raum erhalten, als sie für ihre volle Wirkung benötigen würden.

Anne Hathaway in Die Odyssee

Deutlich kontroverser fällt die Diskussion über Nolans Umgang mit Homers Vorlage aus. Die Althistorikerin und Professorin für Klassische Philologie Mary Beard begrüßt die bewusst moderne Sprache und sieht darin einen zugänglichen Einstieg in den Stoff. Andere Kritiker empfinden gerade diese gegenwärtige Wortwahl als störend, weil Formulierungen wie „Daddy“ die Illusion der antiken Welt unvermittelt durchbrechen. Beard hält Nolans Odysseus zudem für eindimensionaler als sein literarisches Vorbild. Vor allem dessen Humor, Verschlagenheit und Freude am Geschichtenerzählen kämen in der Verfilmung zu kurz. Die Homer-Expertin Emily Hauser kritisiert darüber hinaus, dass Nolan weibliche Figuren streicht, andere ihrer Handlungsmacht beraubt und wichtige Nuancen der Vorlage einem modernen Erlösungsdrama unterordnet. Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein. In etlichen Besprechungen wird bemängelt, dass das Drehbuch den weiblichen Charakteren nicht genügend Entfaltungsraum bietet.

Ist „Die Odyssee“ Nolans Meisterwerk?

Nach den aggregierten Wertungen zählt Die Odyssee zu den am besten aufgenommenen Filmen Christopher Nolans. Bei Metacritic erreicht das Epos derzeit 89 von 100 Punkten und liegt damit knapp hinter Oppenheimer mit 90 sowie Dunkirk (2017) mit 94 Punkten. Rotten Tomatoes weist dagegen 96 Prozent positive Rezensionen aus. Damit ist Die Odyssee dort aktuell Nolans bestbewertete Regiearbeit und übertrifft unter anderem The Dark Knight (2008). Die beiden Ergebnisse widersprechen sich nicht, da die Plattformen unterschiedliche Maßstäbe anlegen: Rotten Tomatoes erfasst, wie viele Kritiken grundsätzlich positiv ausfallen, während Metacritic auch die Höhe der jeweiligen Wertungen berücksichtigt. Der Film stößt somit auf außergewöhnlich breite Zustimmung, wird aber nicht durchweg höher eingeschätzt als Nolans bisherige Spitzenwerke. 

Lohnt sich „Die Odyssee“ im IMAX-Kino?

Der Kritikerspiegel lässt kaum Zweifel daran, dass Die Odyssee ihre größte Wirkung im Kino entfaltet. Über die visuelle und akustische Wucht des Films herrscht selbst unter weniger euphorischen Kritikern weitgehend Einigkeit. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob sich der Kinobesuch lohnt, sondern welches Format dem Film am ehesten gerecht wird. Nolan und Kameramann Hoyte van Hoytema drehten das gesamte Epos mit IMAX-Filmkameras.

Nolan in Die Odyssee

Das Großformat steigert nicht nur die Wucht der Schlachten, Stürme und mythologischen Begegnungen. Es verändert auch die Wirkung der ruhigeren Bilder: Nahaufnahmen gewinnen an Wucht, Räume an Tiefe und Landschaften an Größe. Auch in einem regulären Kinosaal bleibt der Film eindrucksvoll. Im IMAX-Kino zeigt sich jedoch besonders deutlich, wie konsequent Nolan Bildkomposition, Größenverhältnisse und Kamerabewegungen auf das Großformat zugeschnitten hat.

Die Odyssee
Die Odyssee

Die Odyssee

2026

Folgt Odysseus, dem legendären griechischen König von Ithaka, auf seiner langen und gefährlichen Heimreise nach dem Trojanischen Krieg und schildert seine Begegnungen mit mythischen Wesen wie dem Zyklopen Polyphem, den Sirenen und der Hexengöttin Circe, während er versucht, wieder mit seiner Frau Penelope zusammenzukommen.
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Über diese Liste

Titel

1

Gesamtlaufzeit

2h 53min

Genres

Action & Abenteuer, Fantasy

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