
Dieser vergessene Film von Dolly Parton machte Sylvester Stallone zum Country-Sänger
Dass Sylvester Stallone einmal ernsthaft Country gesungen hat, gehört zu den Hollywood-Geschichten, bei denen man kurz überprüfen möchte, ob man sie richtig gelesen hat. 1984 war er dank Rocky (1976) und Rambo (1982) längst der Mann für Boxring, Muskeln und Action – und dann kam Dolly Parton. In Der Senkrechtstarter (1984), im Original Rhinestone, sollte sie Stallones New Yorker Taxifahrer in einen Country-Sänger verwandeln. Was schon als Filmidee ziemlich albern klingt, wurde hinter den Kulissen erstaunlich real: Parton schrieb Songs für seine raue Stimme, arbeitete mit ihm an den Aufnahmen und Stallone sang tatsächlich selbst. Nach Partons Tod am 25. August 2026 ist dieser fast vergessene Film auch deshalb wieder so schön anzusehen: Hier treffen zwei Stars aufeinander, die eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen müssten – und offensichtlich trotzdem großen Spaß miteinander hatten.
„Der Senkrechtstarter“ setzt auf eine ziemlich absurde Wette
Die Geschichte braucht nicht lange, um Stallone möglichst weit aus seiner Komfortzone zu befördern. Country-Sängerin Jake Farris (Dolly Parton) möchte aus ihrem Vertrag mit dem Nachtclubbesitzer Freddie Ugo (Ron Leibman) heraus und lässt sich deshalb auf eine Wette ein: Sie behauptet, aus praktisch jedem beliebigen Mann einen Country-Sänger machen zu können. Freddie sucht dafür Nick Martinelli (Sylvester Stallone) aus, einen großmäuligen New Yorker Taxifahrer, der mit Country-Musik ungefähr so viel anfangen kann wie Rocky Balboa mit einem Strickkurs.
Jake nimmt Nick mit nach Tennessee und versucht, ihm nicht nur das Singen, sondern auch das richtige Auftreten, die passende Kleidung und das Country-Lebensgefühl beizubringen. Die Komik entsteht vor allem aus dem Zusammenprall von Stallones damaligem Image und Partons Country-Welt. Seine Verwandlung blieb allerdings nicht auf Cowboyhut und Kostüm beschränkt. Bei der Musik konnte die Produktion nicht einfach auf einen professionellen Sänger ausweichen: Stallone musste tatsächlich ans Mikrofon.
Dolly Parton schrieb ihre Songs für Stallones raue Stimme
Parton machte sich dabei offenbar keine Illusionen über ihren neuen Gesangspartner. Schon vor dem Kinostart sagte sie über Stallone, er sei kein großartiger Sänger, besitze aber viel Seele. Seine Stimme sei rau, echt und aufrichtig, weshalb Country-Fans durchaus etwas mit ihr anfangen könnten. Vor allem aber zog sie daraus eine praktische Konsequenz: Sie schrieb die Songs so, dass sie zu seiner Stimme passten, statt etwas von ihm zu verlangen, das er gar nicht leisten konnte.
Parton versuchte nicht, Stallone künstlich wie einen professionellen Nashville-Sänger klingen zu lassen. Sie schrieb für das, was er tatsächlich mitbrachte: seine unverwechselbare, etwas gequetschte Stimme und den bemerkenswerten Ernst, mit dem er sich auf ein Material einließ, das kaum weiter von Rocky entfernt sein konnte. Das macht die musikalischen Szenen zwar komisch, aber nicht zu einem reinen Gag auf Stallones Kosten. Er spielt keinen Mann, der nur so tut, als würde er Country singen – er singt tatsächlich selbst.
„Drinkenstein“ ist Stallones kuriosester Country-Moment
Wie weit Stallone bei diesem Experiment tatsächlich mitging, zeigt vor allem „Drinkenstein“, einer der Songs, die Parton für den Film schrieb. Stallone singt die schräge Country-Nummer selbst und wirft sich mit erstaunlichem Einsatz hinein, obwohl seine Stimme alles andere als nach einem routinierten Nashville-Profi klingt. Hinzu kommen gemeinsame Aufnahmen wie „Sweet Lovin’ Friends“, „Stay Out of My Bedroom“, „Woke Up in Love“ und „Be There“. Damit existiert vom Mann hinter Rocky und Rambo ein kleines Country-Repertoire, das nicht etwa von einem Studiosänger stammt.
Dass Parton mit dem Ergebnis besser leben konnte als viele Kritiker, überrascht deshalb nicht ganz. Sie sprach später zwar selbst ausgesprochen nüchtern über den Film und bezeichnete ihn als Desaster, erinnerte sich aber sehr gern an die gemeinsame Arbeit. Für sie hatte Der Senkrechtstarter außerdem eine persönliche Bedeutung: Nach gesundheitlichen Problemen und rund 18 Monaten ohne Arbeit war es der Film, mit dem sie vor die Kamera zurückkehrte. Stallone sei damals voller Energie gewesen und habe ihr viel Spaß gemacht.
Stallone bereute den Film – aber nicht die Arbeit mit Dolly Parton
Stallones Verhältnis zu Der Senkrechtstarter blieb widersprüchlich. Später zählte er den Film zu seinen Fehlentscheidungen und erklärte, dass die ursprünglich geplante, rauere Komödie während der Produktion immer alberner geworden sei. Er hätte vieles anders gemacht und rückblickend lieber auf die leichte, verspielte Komik verzichtet.
Die Zusammenarbeit mit Parton nahm er davon jedoch ausdrücklich aus. Stallone bezeichnete die Dreharbeiten mit ihr später als den größten Spaß, den er je bei einem Film gehabt habe. Der Film selbst blieb für ihn eine Fehlentscheidung, die Zeit mit Parton offenbar nicht. Und so stehen in Stallones Lebenslauf bis heute ein paar Country-Songs, die er tatsächlich selbst eingesungen hat.









