
Ist „Gone Girl“ echt? Die wahre Geschichte hinter dem Thriller
Als Gone Girl – Das perfekte Opfer 2014 ins Kino kam, reagierten viele Zuschauer auf den Film nicht wie auf einen gewöhnlichen Thriller. Dafür fühlte sich die Geschichte zu nah an Bildern an, die man aus echten Nachrichtenfällen kannte.
Die Story: Amy Dunne verschwindet spurlos aus ihrem Haus, ihr Mann Nick steht kurze Zeit später vor Reportern und merkt sehr schnell, dass jedes Interview gegen ihn arbeiten kann. Die Menschen achten nicht nur darauf, was er sagt. Sie beobachten sein Gesicht, seine Stimme, sein Verhalten neben den Suchplakaten seiner Frau.

Regisseur David Fincher verfilmte die Romanvorlage deshalb auch nicht als klassischen Krimi über Hinweise und Beweise, sondern als Geschichte darüber, was passiert, wenn ein Mensch plötzlich öffentlich unter Verdacht gerät. Autorin Gillian Flynn sagte später selbst, dass sie beim Schreiben unter anderem an den realen Fall um Scott und Laci Peterson denken musste.
Gone Girl erzählt keine wahre Geschichte
Amy und Nick Dunne sind zwar erfundene Figuren, aber Gone Girl wirkt von Anfang an wie eine Geschichte, die auch außerhalb des Kinos passieren könnte. Der Film beginnt mit einer Ehe, die nach außen ordentlich genug aussieht, um nicht sofort verdächtig zu wirken. Dann verschwindet Amy, und in diesem Moment bricht nicht nur Nicks Privatleben auseinander. Auch das Bild, das andere Menschen von ihm haben, beginnt sich gegen ihn zu drehen.
Ben Affleck spielt Nick als einen Mann, der ein wenig zu spät begreift, was von ihm erwartet wird. Er soll helfen, sichtbar trauern, zuverlässig Auskunft geben und dabei nie so aussehen, als würde er sich selbst beobachten. Das gelingt ihm nicht. Er klingt manchmal zu bemüht, manchmal zu leer und manchmal so, als hätte er den richtigen Satz gerade verpasst. Dadurch wird Nick nicht automatisch schuldig, aber er wird angreifbar.
Gone Girl nutzt diese Unsicherheit, ohne daraus einen einfachen Trick zu machen. Der Film schaut auf einen Mann, der nicht nur Antworten geben muss, sondern auch die richtige Vorstellung von Unschuld liefern soll.
Der Fall, an die Autorin dachte
Der reale Fall, der jedoch immer wieder mit Gone Girl verbunden wird, begann an Heiligabend 2002. Laci Peterson verschwand aus ihrem Zuhause in Kalifornien. Sie war 27 Jahre alt und im achten Monat schwanger. Ihr Mann Scott Peterson sagte, er sei an diesem Tag zum Angeln gefahren, während Laci mit dem Hund spazieren gegangen sei.
Schon in den ersten Tagen suchten viele Menschen nach ihr, und die amerikanischen Medien griffen den Fall breit auf. TIME schrieb später, dass der Fall auch deshalb so viel Aufmerksamkeit bekam, weil die Petersons nach außen wie ein junges, attraktives Paar wirkten, dessen Leben plötzlich zerbrach.

Flynn hat nie gesagt, dass aus diesem Fall Gone Girl entstand. Sie verwies vielmehr auf eine Parallele, die ihr beim Schreiben auffiel. Scott Peterson erschien in Interviews ruhig, kontrolliert und fast irritierend gefasst. Dieses Auftreten interessierte Flynn, weil es im Rückblick noch unheimlicher wirkte.
Später wurden Laci Petersons Leiche und die sterblichen Überreste ihres ungeborenen Sohnes gefunden. Scott Peterson wurde 2005 wegen Mordes an Laci Peterson und wegen Mordes zweiten Grades am ungeborenen Kind verurteilt. Die Verbindung zu Gone Girl liegt deshalb nicht in der Handlung, sondern in der Frage, wie ein Ehemann vor Kameras wirkt, wenn andere Menschen bereits beginnen, ihn als Verdächtigen zu sehen.
Der eigentliche Albtraum ist nicht nur das Verbrechen
Gone Girl benutzt diese Nähe nicht, um eine reale Tragödie auszuschmücken. Der Film versteht, wie unangenehm es wird, wenn Trauer plötzlich öffentlich geprüft wird. Nick Dunne steckt plötzlich nicht mehr nur in einer Ermittlung, sondern in einer öffentlichen Inszenierung, in der jede Reaktion gegen ihn verwendet werden kann. Bleibt er zu ruhig, wirkt er kalt. Bemüht er sich zu sehr, wirkt alles gespielt. Und jeder Fehler bleibt an ihm hängen. Darin liegt bis heute die Stärke des Films.
Die großen Wendungen von Gone Girl sind erfunden, aber das Drumherum kennt man aus echten Fällen: Ein Mensch verschwindet, ein Partner bleibt zurück, und plötzlich geht es nicht mehr nur um Suche, Angst und Fakten. Es geht auch darum, wer vor der Öffentlichkeit die richtige Rolle erfüllt.
Fincher macht daraus keinen Vortrag über Medien, sondern einen Thriller, der den Zuschauer selbst in diese unangenehme Position bringt. Man beobachtet Nick, man bewertet ihn, man misstraut ihm. Und irgendwann merkt man, dass der Film nicht nur von einem verschwundenen Menschen erzählt, sondern davon, wie schnell andere Menschen glauben, Schuld in einem Gesicht erkennen zu können.




















































