
Diese Änderung in Ridley Scotts „Das Ende der Sterne“ sorgt für Kritik
Seit dem 27. August läuft Das Ende der Sterne (2026) in den deutschen Kinos. Grundlage ist Peter Hellers Roman von 2012, der auf Deutsch unter dem Titel Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte erschien. Im Mittelpunkt steht Hig (Jacob Elordi), der eine verheerende Grippepandemie überlebt hat. Gemeinsam mit seinem Hund Jasper und dem schwer bewaffneten Bangley (Josh Brolin) lebt er auf einem verlassenen Flugplatz in Colorado. Als Hig ein Funksignal empfängt, schöpft er Hoffnung: Vielleicht gibt es außerhalb ihrer kleinen Welt doch noch andere Überlebende.
Ridley Scott hält sich an dieses Grundgerüst, nimmt sich bei der Adaption aber einige Freiheiten. Zusätzliche Figuren, mehr Action und ein deutlich jüngerer Hauptdarsteller sind bei einer Hollywoodverfilmung zunächst nichts Ungewöhnliches. Für Diskussionen sorgt jedoch eine Änderung, die ausgerechnet Higs Hund Jasper betrifft. Er spielt im Roman eine zentrale Rolle – und sieht im Film völlig anders aus.
Aus Jasper wurde ein anderer Hund
Im Roman ist Jasper ein Blue Heeler, also ein Australian Cattle Dog: kompakt, kräftig und mit charakteristisch geflecktem Fell. Ridley Scotts Jasper sieht deutlich anders aus. Im Film wird er von einem belgischen Schäferhund verkörpert, der meist als Malinois bezeichnet wird – größer, schlanker und optisch viel näher an einem klassischen Polizei- oder Militärhund.
Bei einer Nebenfigur wäre eine solche Veränderung vermutlich kaum aufgefallen. Jasper gehört jedoch zu den emotionalen Mittelpunkten des Romans. Er begleitet Hig seit dem Welpenalter, fliegt mit ihm in der Cessna und ist nach dem Zusammenbruch der Alten Welt dessen wichtigste Verbindung zu seinem früheren Leben. Higs verbliebene Zuneigung gilt zu einem großen Teil diesem Hund. Wer den Roman kennt, hat deshalb nicht einfach irgendeinen Jasper vor Augen, sondern ein ziemlich genaues Bild von ihm.
Als das Magazin Empire Ridley Scott auf die Kritik daran ansprach, fiel seine Antwort gewohnt undiplomatisch aus: „You know what the answer to that is, don’t you? F*ck off.“ Sinngemäß: Sie wissen schon, wie meine Antwort darauf lautet. Verpissen Sie sich.
Bei der Rasse des Filmhundes gibt es allerdings eine kleine Unklarheit. Peter Heller selbst bezeichnete ihn in einem Interview mit 5280 als Deutschen Schäferhund, während andere Berichte von einem Malinois sprechen. Wegen ihres ähnlichen Erscheinungsbildes werden die beiden Rassen häufig verwechselt. Für die eigentliche Diskussion macht das wenig Unterschied: Der Jasper des Films entspricht nicht dem Hund, den Heller in seinem Roman beschrieben hat.
Ridley Scott erhöht das Tempo deutlich
Jasper ist allerdings nur die auffälligste Abweichung. Die Drehbuchautoren Mark L. Smith und Christopher Wilkinson haben Hellers Geschichte an mehreren Stellen für das Kino umgebaut, teilweise auf ausdrücklichen Wunsch Scotts. Besonders deutlich zeigt sich das beim Erzähltempo. Der Roman nimmt sich viel Zeit für Higs Gedanken, seine Trauer und seinen Alltag in einer beinahe ausgestorbenen Welt. Der Film setzt dagegen stärker auf Bewegung und Action.
Vor allem die sogenannten Reaper bekommen mehr Raum. Die Aasfresser und Plünderer stellen im Film eine wesentlich präsentere Bedrohung dar und sorgen für zusätzliche Actionszenen, die es in Hellers Vorlage so nicht gibt. Scotts Version sucht häufiger die direkte Konfrontation. Der Roman lebt dagegen lange von der Möglichkeit, dass jederzeit etwas passieren könnte – ohne diese Bedrohung ständig in konkrete Action zu verwandeln.
Mit Darlene kommt außerdem eine Figur hinzu, die im Buch überhaupt nicht existiert. Allison Janneys Charakter taucht im Abschnitt um Grand Junction auf und verfolgt dort ihre eigene Vorstellung von einer neuen Gesellschaft – auch gegen den Widerstand anderer. Dadurch erhält dieser Teil der Handlung eine zusätzliche Konfliktebene. Ausstattung und Atmosphäre dieser Passage erinnerten einige Kritiker an Fallout.
Auch Bangley wurde für den Film verändert. Heller beschreibt ihn als ausgesprochen misstrauischen und schwer bewaffneten Mann, der Gewalt als pragmatische Überlebensstrategie betrachtet. In Scotts Version ist er zudem ein ehemaliger Elitesoldat, was seine militärischen Fähigkeiten konkreter erklärt.
Scotts Colorado liegt in Italien
Ein weiterer Unterschied betrifft den Schauplatz – zumindest hinter der Kamera. Hellers Roman ist eng mit Colorado verbunden. Landschaft, Wetter und Licht dienen nicht bloß als Kulisse, sondern prägen maßgeblich die Stimmung des Buches. Scott drehte seine Adaption dagegen vollständig in Italien, einschließlich der Außenaufnahmen. Zu den Drehorten gehörten Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Abruzzen und die Cinecittà-Studios in Rom.
Wer Colorado gut kennt, dürfte deshalb nur wenig Vertrautes entdecken. Für Zuschauer ohne Bezug zur Region mag das nebensächlich sein. Für Leser der Vorlage verändert sich damit jedoch ein weiteres Element, das Hellers Roman stark geprägt hat.
Auch bei der Besetzung der Hauptfigur weicht der Film von der Vorlage ab. Jacob Elordi ist deutlich jünger als der Hig des Romans. Peter Heller kommentierte diesen Unterschied in Interviews allerdings eher amüsiert als verärgert. Ursprünglich sollte zudem Paul Mescal die Hauptrolle übernehmen, musste das Projekt jedoch wegen Terminkonflikten verlassen.
Peter Heller hat mit den Änderungen kein Problem
Der Autor selbst hält sich aus der Kontroverse weitgehend heraus. Heller äußerte sich mehrfach positiv über Scotts Verfilmung und lobte insbesondere die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Mark L. Smith. Smith habe eng mit ihm zusammengearbeitet, um trotz aller Veränderungen das emotionale Zentrum des Romans zu bewahren.
Heller besuchte außerdem die Dreharbeiten in Italien und äußerte sich anschließend ausgesprochen positiv über seine Eindrücke. Auch der neue Jasper scheint ihm keine schlaflosen Nächte zu bereiten. Das ist durchaus bemerkenswert: Während Teile der Leserschaft über einzelne Abweichungen diskutieren, gehört ausgerechnet der Autor des Romans nicht zu den Kritikern.
Vielleicht spielt dabei auch die lange Entstehungsgeschichte des Films eine Rolle. Zwischen der Veröffentlichung des Romans und seiner Verfilmung liegen 14 Jahre. Heller erklärte selbst, das Warten habe sich gelohnt. Nach einer so langen Entwicklung dürfte für ihn die Tatsache, dass der Film überhaupt in dieser Größenordnung entstanden ist, schwerer wiegen als die Frage, welche Hunderasse am Ende vor der Kamera steht.
Wie viel vom Roman steckt noch im Film?
Die entscheidenden Bestandteile der Geschichte bleiben erhalten. Hig lebt mit Bangley und Jasper auf dem Flugplatz, empfängt ein Funksignal und macht sich auf den Weg nach Westen. Auch Cima (Margaret Qualley) und ihr Vater (Guy Pearce) gehören weiterhin zur Handlung.
Verändert hat sich vor allem die Gewichtung. Hellers Vorlage ist eine ruhige, melancholische Geschichte über Verlust, Einsamkeit und die Frage, wie viel Menschlichkeit man sich in einer Welt bewahren kann, in der eine falsche Entscheidung tödlich endet. Scott macht daraus einen rund 118 Minuten langen, etwa 110 Millionen Dollar teuren Kinofilm mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Er behält diese Themen bei, setzt gleichzeitig aber auf deutlich mehr Spektakel.
Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen aus. Die einen sehen darin eine gelungene Neuinterpretation, andere vermissen gerade jene Ruhe, die den Roman ausgezeichnet hat. Die erstaunlichste Kontroverse betrifft dennoch weder die zusätzlichen Actionszenen noch eine neu erfundene Figur oder das in Italien nachgebildete Colorado. Sie betrifft Jasper. Vielleicht zeigt gerade das, wie wichtig der Hund für Hellers Roman ist: Man kann die halbe Welt der Geschichte umbauen – aber offenbar nicht den Hund.












