
Basiert „Coven Academy“ auf einem Buch? Das steckt hinter der neuen Disney-Serie
Bei Coven Academy (2026) fühlt sich vieles sofort vertraut an. Nach dem rätselhaften Tod ihrer Mutter landet Briar (Malina Pauli Weissman) an einem Internat in New Orleans, an dem offenbar niemand so ganz normal ist. Schon bald muss sie akzeptieren, dass sie selbst zu dieser übernatürlichen Welt gehört. Ihre neuen Mitschüler beherrschen Dinge, die im gewöhnlichen Unterricht eher selten auf dem Stundenplan stehen, und natürlich dauert es nicht lange, bis ein Warlock und ein frisch verwandelter Vampir für zusätzliches Chaos sorgen. Das klingt derart nach Young-Adult-Fantasyroman, dass man fast automatisch nach der Buchvorlage sucht. Es gibt aber keine. Tim Federle hat Coven Academy direkt fürs Fernsehen entwickelt. Dass die Serie trotzdem so wirkt, als müsste irgendwo ein ganzer Stapel Taschenbücher mit Briar auf dem Cover stehen, hat allerdings einen guten Grund.
„Coven Academy“ ist tatsächlich keine Buchverfilmung
Disney führte die Serie schon bei der offiziellen Bestellung als Originalstoff, und Federle hat später selbst ziemlich deutlich gemacht, dass er dieses Mal keine bestehende Geschichte adaptiert hat. Für ihn war das tatsächlich eine Abwechslung: Mit High School Musical: Das Musical: Die Serie (2019) hatte er zuvor eine bekannte Disney-Filmreihe neu interpretiert, für Bühne frei für Nate! (2022) seinen eigenen Roman verfilmt. Beim Schreiben des Coven-Academy-Piloten musste er sich dagegen weder darum kümmern, was Fans einer Vorlage erwarten könnten, noch darum, welche Elemente einer bestehenden Geschichte unbedingt erhalten bleiben sollten.
Briar und die Crescent Veil Academy wurden also eigens für die Serie erfunden. Dort entdeckt sie ihre telekinetischen Kräfte und lernt Menschen kennen, deren Fähigkeiten eng mit ihrer Persönlichkeit verbunden sind. Tegan (Ora Duplass) kann die Zeit beeinflussen, während Sasha (Jordan Leftwich) Emotionen lesen und Gedanken kontrollieren kann. Dazu kommt Jake (Malachi Barton), ein junger Warlock, und mit Ollie (Louis Thresher) ein frisch verwandelter Vampir, der mit seinem neuen Dasein noch nicht besonders glücklich wirkt.
Das Praktische für Disney ist offensichtlich: Niemand kann sich darüber beschweren, dass im Buch alles besser war. Das weniger Praktische für neugierige Zuschauer: Wer schon vorab wissen möchte, was wirklich mit Briars Mutter passiert ist oder wohin das Liebesdreieck führt, findet diesmal keine Romanreihe zum Vorspulen.
Die vermeintliche Vorlage gibt es trotzdem irgendwie
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Frage nach einem Buch allerdings nicht. Wer nach Coven Academy sucht, stößt früher oder später auf Chandelle LaVauns Fantasy-Saga „The Coven“, zu der auch die Reihe „Academy Magic“ gehört. Sie beginnt mit „The Hidden Witch“ und erzählt ebenfalls von jungen Hexen, Magie und einer entsprechenden Ausbildung.

Mit Disneys Serie hat diese Reihe nach allem, was bislang bekannt ist, aber nichts zu tun. Weder Disney noch Federle nennen LaVauns Bücher als Vorlage, und Federles Aussagen über den Originalstoff wären schwer mit einer heimlichen Adaption vereinbar. Die Ähnlichkeit dürfte schlicht daher kommen, dass „Coven“ im Englischen Hexenzirkel bedeutet und eine magische Schule im Fantasygenre inzwischen ungefähr so exotisch ist wie ein Polizeirevier im Krimi. Wer LaVauns Bücher bestellt, bekommt also durchaus Hexenstoff – nur eben nicht Briars Geschichte.
Eigentlich erkennt man in „Coven Academy“ ganz andere Vorbilder
Federle macht selbst kein Geheimnis daraus, welche Geschichten ihn geprägt haben. Seine Inspirationsliste reicht von Hocus Pocus (1993) und Der Hexenclub (1996) über Practical Magic – Zauberhafte Schwestern (1998) bis zu Charmed – Zauberhafte Hexen (1998). Auch Dawson’s Creek (1998) spielt eine Rolle, was erklärt, warum Beziehungen und Teenagerprobleme in Crescent Veil mindestens so wichtig sind wie Zauberei. Und ja, bei einer Schule voller Magie liegt natürlich auch Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) nicht besonders weit entfernt. Federle übernimmt daraus aber keine konkrete Geschichte, sondern eher das Gefühl, dass hinter jeder Tür eine neue Regel dieser Welt warten könnte.
Vielleicht wirkt Coven Academy deshalb so schnell wie etwas, das man schon kennt. Nicht weil Disney eine Buchreihe verfilmt hätte, sondern weil Federle aus mehreren Jahrzehnten Hexen-, Fantasy- und Teenager-TV eine neue Mischung zusammenbaut. Wer trotzdem weiter nach „Coven Academy book series“ googelt, findet am Ende also vor allem den Beweis dafür, wie überzeugend die Serie nach einer Buchverfilmung aussieht.









