Brad Pitts „schlechtester“ Film ist 34 Jahre alt – was taugt er wirklich?

Brad Pitts „schlechtester“ Film ist 34 Jahre alt – was taugt er wirklich?

Markus Brandstetter
Markus Brandstetter

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

Aktualisiert am 19. Februar 2026

Er ist als Brad Pitts schlechtester Film verschrien, als Schandfleck in einer ansonsten guten Filmografie. Keine Frage, mit vier Prozent auf Rotten Tomatoes ist Cool World (1992) offiziell der am schlechtesten bewertete Film in Brad Pitts Karriere. Das Urteil wirkt hart, aber, mal ehrlich: wer den Film einmal gesehen hat, kann schon nachvollziehen, warum der Film jetzt nicht in den Himmel gelobt wurde. Nicht nur die Rotten-Tomatoes-Bewertung deutet an: Der Film ist als „gescheitert“ in die Kinogeschichte eingegangen.

Aber gerade weil er so offensichtlich gescheitert ist, lohnt sich eine genauere Betrachtung: Was wollte dieser Film – und wo liegt sein eigentliches Problem?

„Cool World“: Was der Film eigentlich wollte

Kommen wir zunächst einmal zur Form. Cool World ist eine Mischung aus Realfilm und klassischem Zeichentrick. So, wie Roger Rabbit, nur in vielerlei Hinsicht erfolgloser. Brad Pitt und Kim Basinger spielen in real gebauten Sets, in die später animierte Figuren integriert wurden. Die Interaktionen mussten exakt geplant werden, da die Zeichentrickelemente Bild für Bild ergänzt wurden. Teilweise kam Rotoscoping zum Einsatz – reale Bewegungen wurden nachgezeichnet, um den Animationen mehr physische Glaubwürdigkeit zu geben. Das Ergebnis ist technisc h gesehen, besonders für die damalige Zeit, durchaus anspruchsvoll. Anders als bei späteren digitalen Mischformen wurde hier noch komplett analog gearbeitet. Jede Berührung, jeder Blickkontakt zwischen Mensch und Cartoon ist präzise choreografiert.

Visuell hat der Film daher, das können und sollen wir ihm schon zugestehen, zumindest eine eigene Energie. Die animierte Welt ist überfüllt, grell, ständig in Bewegung. Nichts wirkt ruhig oder harmonisch. Das Auge ruht nicht. Bakshi wollte keine charmante Cartoon-Nostalgie wie bei Who Framed Roger Rabbit, sondern eine aggressive, erwachsene Parallelwelt. Sexuelle Spannung ist Teil der Grundidee. Der Clou: Menschen und „Doodles“ dürfen keinen Sex haben. Wird diese Grenze überschritten, gerät das Gleichgewicht der Welten ins Wanken. Als Konzept hat das Kraft. Es ist provokant und klar formuliert.

Doch genau hier beginnen die Probleme.

Die großen Schwächen des Films

Das erste große Defizit ist die Erzählstruktur – denn am Narrativ hapert es schon streckenweise. Der Film wirkt, als seien mehrere Drehbuchversionen miteinander kollidiert. Figuren wechseln Motivationen ohne saubere Vorbereitung. Konflikte werden aufgebaut und nicht konsequent ausgespielt. Das hinterlässt einen oft mit einem unzufriedenstellenden Gefühl. Der zentrale Regelbruch – die sexuelle Grenzüberschreitung – wird zwar behauptet, aber irgendwie nicht zu Ende durchgezogen. Alles wird somit unnötig chaotisch.

Das zweite große Problem, das der Film hat, ist seine Unentschlossenheit. Er weiß nicht, ob er Noir-Thriller, erotische Satire oder groteske Cartoon-Farce sein möchte. Szenen mit düsterem Unterton werden abrupt von überdrehten Gags unterbrochen. Das könnte ein Stilmittel sein, einzig: Diese Brüche wirken nicht bewusst irritierend, sondern am Ende einfach nur unfertig. Man wünscht sich eine klare Linie. Berichte über Konflikte zwischen Regisseur Ralph Bakshi und dem Studio legen nahe, dass die ursprüngliche Vision mehrfach abgeschwächt oder umgebaut wurde. Das Endprodukt trägt diese Brüche offen zur Schau.

Schwache Figuren, nicht eingehaltene Versprechen

Auch die Figurenzeichnung ist alles andere als stark oder geglückt. Holli Would, gespielt und gesprochen von Kim Basinger, hätte das Potenzial zu einer ikonischen Figur gehabt. Das wird aber hier verspielt, denn sie bleibt mehr Konzept als Charakter. Ihre Motivation ist simpel, ihre Entwicklung minimal. Und Brad Pitt? Dessen Figur wiederum wirkt funktional. Er ist physisch präsent, aber, man kann es nicht anders sagen, dramaturgisch einfach massiv unterfordert. Keine echte Entwicklung, keine komplexe innere Bewegung.

Dazu kommt ein strukturelles Problem der Hybrid-Technik selbst: Während die technische Umsetzung beeindruckend ist, fehlt die emotionale Integration. Die Welten berühren sich visuell, aber selten emotional. Die Interaktion zwischen Mensch und Zeichentrick bleibt oft technisch interessant, aber nicht dramatisch zwingend. Anders als bei Roger Rabbit, wo die Beziehung zwischen Eddie Valiant und Roger klar definiert ist, fehlt hier eine stabile emotionale Achse.

Warum also gilt der Film als so schlecht? Vermutlich, weil er sich in seinem eigenen Anspruch dauernd verzettelt und verliert, weil Kohärenz und Konsequenz oft über Bord geworfen werden. Ganz wichtig auch: Weil er provozieren will, aber die Geschichte nicht im Griff hat und gegen sich selbst anspielt. Die Idee mag catchy sein: Sex zwischen Mensch und Cartoon als Tabubruch. Aber irgendwie wird sie einfach vergurkt. Der Film funktioniert weder als Satire noch als Thriller noch als Parabel.

Am Ende bleibt aber zumindest etwas hängen.. Cool World fühlt sich nicht wie ein liebloses Studio-Produkt an. Man merkt, dass hier jemand etwas Eigenes wollte, auch wenn das Vorhaben gescheitert ist. Die Animation ist grell, überdreht, manchmal fast aggressiv. Nichts wirkt glatt oder algorithmisch. Das ist analog gemacht, gezeichnet, Bild für Bild gebaut. Die Mühe sieht man jeder Szene an – selbst wenn sie erzählerisch nicht funktioniert.

Ist der Film wirklich so schlecht?

Ist der Film tatsächlich schlecht? Nun ja, er ist erzählerisch schon eher schwach, tonal inkonsequent und strukturell wackelig. Aber er ist zumindest nicht langweilig. Er scheitert sichtbar – aber mit Ambition und Karacho. Nein, Cool World ist kein verkanntes Meisterwerk. Aber er ist ein faszinierendes Durcheinander, mit Herz, aber ohne wirklichen Plan.

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Cool World
Cool World

Cool World

1992

Action pur heißt es für den Zeichner Jack Deebs, als er sich plötzlich in seiner selbstgeschaffenen Cartoonwelt “Cool World” wiederfindet. Hier leben sie, die verrückten Ausgeburten Jacks geheimer Phantasien, bei deren Anblick ihrem Macher dann doch die Luft wegbleibt. Vor allem bei der verführerischen Hollie Would, der Jack seine unglaubliche Reise nach “Cool World” zu verdanken hat. Ihren Überredungskünsten kann selbst der stärkste Cartoonist nicht widerstehen. Dabei kennt Jack das oberste Gebot von “Cool World”: Menschen haben keinen Sex mit Toons – sonst ist die Katastrophe vorprogrammiert…

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

3,99 €

Gesamtlaufzeit

1h 42min

Genres

Animation, Fantasy, Komödien

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