Was sollte Christopher Nolan als Nächstes drehen? „Die Odyssee“ liefert die perfekte Antwort

Was sollte Christopher Nolan als Nächstes drehen? „Die Odyssee“ liefert die perfekte Antwort

Veröffentlicht am05. August 2026

Aktualisiert am05. August 2026

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Man geht in einen Christopher-Nolan-Film und erwartet vieles: verschachtelte Zeitebenen, gewaltige Bilder, einen Verstand, der das Publikum fordert. Womit kaum jemand gerechnet hatte, ist blankes Entsetzen. Doch genau das liefert Die Odyssee (2026), Nolans Verfilmung von Homers Epos, die seit dem 16. Juli in den deutschen Kinos läuft. Zwischen den Seeschlachten und der langen Heimfahrt des Odysseus verbergen sich Szenen, die roher, körperlicher und verstörender sind als alles, was der Regisseur je gedreht hat. Und sie werfen eine Frage auf, die sich nach diesem Film geradezu aufdrängt: Warum hat dieser Mann eigentlich noch nie einen richtigen Horrorfilm gemacht – und wann holt er das endlich nach? Denn was in Die Odyssee nur ein paar Sequenzen sind, könnte bei diesem Regisseur ein ganzer Film werden. Ein Plädoyer.

Nolans „Odyssee“ ist streckenweise ein Horrorfilm

Wer die Kritiken zu Die Odyssee liest, stößt immer wieder auf dasselbe Wort: Horror. Zwei Sequenzen ragen heraus. Die erste ist die Begegnung mit dem menschenfressenden Zyklopen Polyphem, die als schreiendes, brüllendes Monster-Kino inszeniert ist und den Riesen so körperlich fassbar macht, dass einem das Grauen in die Glieder fährt.

Polyphem in Odyssee

Die zweite, noch verstörendere, ist die Zauberin Circe: Samantha Morton verwandelt die Männer in Schweine, und was Nolan aus dieser Metamorphose macht, beschreiben mehrere Kritiker als regelrechten Body-Horror, magenumdrehend und mit altmodischen Prothesen umso wirkungsvoller. Es sind die Momente, in denen Nolan die schauerliche Wahrheit der griechischen Mythologie freilegt, statt sie unter Fantasy-Glanz zu begraben. Gedreht wurde alles praktisch, in IMAX, ohne den beruhigenden Abstand des rein Digitalen. Der Schrecken ist echt.

Ein Regisseur, der ständig das Genre wechselt – nur eines fehlt

Was Nolans Laufbahn so ungewöhnlich macht, ist seine Wanderlust durch die Genres. Er begann mit dem Neo-Noir Memento (2000), einem Rätselkrimi, der rückwärts erzählt wird. Er lieferte mit Batman Begins (2005) die Blaupause für den ernsten Superheldenfilm, drehte mit Inception einen Heist im Traum, mit Dunkirk (2017) ein fast dialogloses Kriegsdrama, mit Interstellar (2014) und Tenet (2020) zwei völlig verschiedene Science-Fiction-Entwürfe.

Nolan Filme

Und mit Oppenheimer (2023) schließlich das Biopic, das ihm den Oscar brachte. Nolan bleibt nie zweimal im selben Fach. Und doch fehlt in dieser Sammlung ausgerechnet die Gattung, für die er, wie Die Odyssee nun beweist, ein natürliches Talent besitzt: der Horror. Ein Regisseur, der Angst so präzise erzeugen kann, sollte ihr endlich einen ganzen Film widmen.

Die Spuren waren immer da – man muss nur hinsehen

Tatsächlich hat Nolan das Unheimliche stets mitschwingen lassen, ohne es je in den Mittelpunkt zu rücken. In Batman Begins versprüht der Schurke Scarecrow, gespielt von Cillian Murphy, ein Angstgas, das seine Opfer in albtraumhafte Halluzinationen stürzt – reinste Horror-Ikonografie. In Insomnia – Schlaflos (2002), seinem Alaska-Thriller mit Al Pacino, treibt weniger die Mordermittlung den Schrecken voran als der schleichende psychische Verfall eines Mannes, den die Mitternachtssonne um den Schlaf und den Verstand bringt.

Nolan

Selbst Dunkirk arbeitet mit der nackten Panik des Eingekesseltseins. Nolan weiß, wie man das Publikum in körperliche Anspannung versetzt. Bisher hat er dieses Talent nur als Würze eingesetzt. Die Odyssee zeigt, was passiert, wenn er es zur Hauptzutat macht.

Welchen Horrorfilm Nolan drehen sollte

Bleibt die schönste Frage: Welche Art von Horror wäre die richtige? Den psychologischen Thriller im Stil Hitchcocks hat Nolan mit Insomnia bereits durchgespielt, das muss er nicht wiederholen. Reizvoller wäre der Sprung ins Unerklärliche, das er bisher immer rational auflöste. Man stelle sich eine echte Geistergeschichte von Nolan vor, ein Haus, in dem die Zeit nicht mehr linear verläuft, in dem Vergangenheit und Gegenwart übereinanderliegen wie in Interstellar, nur bösartig. Oder gar eine Exorzismus-Geschichte, in der sich seine Vorliebe für das Unfassbare mit purem Grauen verbindet.

Ein Nolan, der nicht mehr alles bis ins Letzte erklärt, sondern das Rätselhafte stehen lässt, könnte das Fantasy-Genre auf ähnliche Weise verändern, wie er einst den Superheldenfilm neu definierte. Die Odyssee hat gezeigt, dass er dieses Gespür besitzt. Jetzt braucht es nur noch den nächsten Schritt.

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Memento
Memento

Memento

2000

Leonard Shelby hat bei einem Unfall sein Kurzeitgedächtnis verloren. Zwar weiß er, wer er ist, doch er kann sich keine Namen, keine Begegnungen länger als ein paar Minuten merken. Sein Leben besteht aus einem Berg Notizen, Fotos und Tätowierungen, mit denen sein Körper übersät ist. Der Film beginnt mit einem Mord, festgehalten auf einem Polaroid. Der einzige Hinweis, dass Shelby den Mord begangen hat. Ein Mann ohne Gedächtnis kann von seiner Umwelt leicht missbraucht werden. Shelby versucht aus dem Wirrwarr von Notizen und Fotos das Geschehen zu entschlüsseln. Wenn er vor dem Spiegel steht, sieht er die Tätowierung: Finde den Mörder deiner Frau. Töte ihn.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

3,49 €

Gesamtlaufzeit

1h 53min

Genres

Drama, Mystery & Thriller

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