Cher wird 80: Die 10 wichtigsten Filme ihrer Karriere

Cher wird 80: Die 10 wichtigsten Filme ihrer Karriere

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 20. Mai 2026

Aktualisiert am 20. Mai 2026

Cher feiert ihren 80. Geburtstag, und allein das klingt schon ein wenig unwirklich. Kaum ein anderer Star hat sich über sechs Jahrzehnte so hartnäckig im Zentrum der Popkultur gehalten, ohne jemals wirklich berechenbar zu werden. Und kaum eine andere Künstlerin war gleichzeitig in so vielen verschiedenen Bereichen so erfolgreich wie sie.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie gut Cheryl Sarkisian, so der bürgerliche Name von Cher, auch als Darstellerin ist. So spielte sie neben ihrer glamorösen Musikkarriere etwa eine erschöpfte Arbeiterin, eine zynische Anwältin oder eine chaotische Mutter – und bekam sogar einen Oscar!

Genau das macht diese Karriere bis heute interessant: Cher war nie einfach nur ein Popstar im Kino. Zum 80. Geburtstag blickt diese Liste auf die wichtigsten Filme ihrer Karriere zurück.

Das Beste, was US-Regisseur Robert Altman je für Cher tat, war, ihr zu sagen, sie solle einfach vorsprechen, wenn sie es ernst meine. Sie meinte es ernst, sie sprach vor, und sie bekam eine Rolle in einem Film, den bis heute kaum jemand kennt und der trotzdem alles verändert hat. 

Komm zurück, Jimmy Dean spielt an einem einzigen Nachmittag in einem texanischen Kramerladen, wo sich die Mitglieder eines James-Dean-Fanclubs nach 20 Jahren wiedertreffen und dabei Geheimnisse aufdecken, die sie lieber begraben hätten. 

Altman drehte auf einem einzigen Set und nutzte Zwei-Wege-Spiegel, um Gegenwart und Vergangenheit ineinander zu blenden. Cher spielte Sissy, eine Kellnerin mit der losen Zunge und den sorgfältig verborgenen Wunden, so vollständig und ohne jede Eitelkeit, dass Roger Ebert schrieb, man sehe hier zum ersten Mal jemanden anderen als Cher. Plötzlich war da nicht mehr nur der Popstar, sondern auch eine echte Schauspielerin.

Aktuell kannst du Komm zurück, Jimmy Dean nicht streamen.
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Silkwood
Silkwood

Silkwood

1983

In einer Plutoniumfabrik in Oklahoma arbeitete Ende der Sechzigerjahre eine Frau namens Karen Silkwood, die gefährliche Sicherheitsverstöße aufdeckte und 1974 unter bis heute ungeklärten Umständen starb. Regisseur Mike Nichols verfilmte ihre Geschichte mit Meryl Streep in der Hauptrolle, und Cher spielte Dolly, Silkwoods lesbische Mitbewohnerin und Freundin. 

Es war eine Rolle ohne Glamour und ohne Anlass zur Selbstdarstellung, und Nichols ließ Cher für die Rolle kein Make-up tragen. Er fuhr ihr zur Kontrolle mit dem Finger über die Wange, und als sie einmal heimlich die Wimpern getuscht hatte, bekam sie eine freundliche, aber unmissverständliche Ansage. 

Streep trägt Silkwood, das war so vereinbart, aber Cher ist so vollständig in dieser Nebenrolle verschwunden, dass die Oscar-Nominierung dafür weniger als eine Überraschung wirkte als wie eine fällige Anerkennung.

03

Die Maske
Die Maske

Die Maske

1985

Rocky Dennis war 16, als er starb, und er hatte in diesen 16 Jahren mehr erlebt als die meisten Menschen in einem doppelt so langen Leben. Regisseur Peter Bogdanovich verfilmte seine Geschichte und engagierte Cher als Rockys Mutter Rusty.

Die Story: Rocky leidet an einer seltenen Knochenkrankheit, die seinen Schädel stark verformt hat. Rusty ist eine Frau aus Südkalifornien, die Drogen nimmt, Männer nach Hause bringt und für ihren Sohn gleichzeitig der stabilste Mensch in seinem Leben ist.

Das klingt nach einer Rolle, die man leicht in Richtung Märtyrermutter ziehen kann, und genau das macht Cher nicht. Die Maske gewann in Cannes den Preis für die beste Darstellerin. Zwischen Bogdanovich und Cher soll es am Set so sehr gekracht haben, dass man sich bis heute fragt, wie der Film wohl mit einer besseren Dynamik geworden wäre.

Pflichtverteidigerin Kathleen Riley ist eine der ernsthaftesten Rollen ihrer Karriere. Eine Frau, die in einem Mordfall verteidigt, den niemand haben wollte, gegen ein System, das ihrem Mandanten von Anfang an keine faire Chance gönnt, und die das trotzdem durchzieht. 

Peter Yates inszenierte Suspect – Unter Verdacht ohne jede Sentimentalität, und Cher spielt Riley mit einer sachlichen Hartnäckigkeit, die zeigt, was möglich ist, wenn man ihr ein Drehbuch gibt, das sie tatsächlich fordert. Der Film läuft heute unter dem Radar, was ihm gegenüber ungerecht ist, aber 1987 hatte Cher das Luxusproblem, dass im selben Jahr noch zwei weitere Filme von ihr in den Kinos liefen, die etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Jack Nicholson verführt in diesem Film drei Frauen gleichzeitig, und keine lässt sich wirklich von ihm verführen, was der eigentliche Witz ist.

Die Hexen von Eastwick basiert auf dem Roman von John Updike und erzählt von drei Freundinnen in einer neuenglischen Kleinstadt, die in Jack Nicholsons Daryl Van Horne zunächst genau den Mann sehen, den sie sich immer gewünscht haben – bis ihnen klar wird, dass sie ihn vielleicht lieber nie getroffen hätten.

Cher spielt Bildhauerin Alexandra, neben Susan Sarandon und Michelle Pfeiffer. Regisseur George Miller, der vorher ausschließlich Endzeitfilme gedreht hatte, inszeniert das alles mit einer Energie, bei der man nie sicher ist, ob gleich jemand stirbt oder lacht. Meistens passiert beides.

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Mondsüchtig

MGM wollte den Film nach einem misslungenen Testscreening am liebsten im Regal lassen. Als der Weihnachtsfilm wegbrach, landete Mondsüchtig fast zufällig im Kino. Zum Glück! Er gewann drei Oscars, darunter einen für Cher als beste Darstellerin, und wurde kommerziell der größte Erfolg ihres Lebens. 

Was Norman Jewison hier gedreht hat, ist im Grunde eine kleine Oper über Brooklyn, über italoamerikanische Familien, über die Unvernunft der Liebe und den Mondschein als Komplizen. Cher spielt Loretta Castorini, eine Witwe, die eigentlich vernünftig heiraten will – bis Nicolas Cage plötzlich in ihrer Küche steht und jede Vernunft aus dem Raum verschwindet.

Gerade weil sie Loretta so trocken und kontrolliert spielt, funktioniert der komplette Wahnsinn um sie herum überhaupt erst. Dass MGM darin damals kein Erfolgspotenzial sah, wirkt rückblickend fast surreal.

Zwei Regisseure verließen diese Produktion, bevor Richard Benjamin das Steuer übernahm. Cher hielt trotz Produktionschaos an dem Film fest, und nach 10 Minuten versteht man, warum. 

Rachel Flax, die Mutter, die sie spielt, löst Probleme auf ihre eigene Art: indem sie umzieht, in die nächste Stadt, mit ihren zwei Töchtern und ihrer Plattensammlung, wann immer das Leben zu verwickelt wird. Meerjungfrauen küssen besser ist ein Film über das Aufwachsen mit einer Mutter, die selbst noch nicht fertig damit ist. Winona Ryder als älteste Tochter und eine neunjährige Christina Ricci als jüngste tragen ihren Teil dazu bei, aber ohne Cher als unberechenbares Zentrum würde das alles nicht funktionieren.

Nach diesem Film legte Cher eine fast 10-jährige Filmpause ein.

Die Frauen in diesem Film trinken Tee, während Europa brennt, und das ist keine Metapher, sondern tatsächlich die Handlung. 

Franco Zeffirelli drehte diesen Film über seine eigene Kindheit in Florenz, über die Gruppe exzentrischer englischer und amerikanischer Frauen, die ihn aufzogen, während um sie herum Europa in den Faschismus glitt, und sie so lange wie möglich so taten, als ginge sie das nichts an. Judi Dench, Maggie Smith und Joan Plowright bilden das britische Herz des Ensembles. Cher spielt Elsa, eine wohlhabende amerikanische Witwe, die den Club mit Geld zusammenhält, und bringt damit eine Unruhe in diese höfliche Gesellschaft, die dem Film sichtbar guttut. 

Tee mit Mussolini war Chers Rückkehr ins Kino nach fast einem Jahrzehnt Pause, und Elsa ist genau die Rolle, die dieser Film benötigte: laut, unerschrocken und unentbehrlich. Genau wie Cher selbst.

09

Burlesque
Burlesque

Burlesque

2010

Steven Antin schrieb diese Rolle nur für Cher, und das merkt man. 

Tess Scali, die Besitzerin eines kriselnden Burlesque-Clubs auf dem Sunset Strip, ist eine Frau, die selbst mal auf der Bühne stand und jetzt weiß, wie man anderen beibringt, was sie selbst längst verinnerlicht hat. Christina Aguilera spielt das junge Mädchen aus Iowa, das unbedingt auf diese Bühne will, und der Film funktioniert am besten, wenn die beiden zusammen sind, weil Cher dann genau das tut, was Tess tut: alles geben und gleichzeitig so wirken, als koste es sie nichts. 

Burlesque ist kein Film, über den man lange nachdenkt, wenn er vorbei ist, aber die Szene, in der Cher singt, sitzt noch, und das nach fast 12 Jahren Kinoabstinenz einfach so hinzustellen, verdient Respekt.

Cher spielt die Mutter von Meryl Streep, die gerade einmal drei Jahre älter ist als sie, und das stört offensichtlich niemanden, am wenigsten Cher selbst. 

Ihre Rolle Ruby Sheridan taucht erst in der letzten halben Stunde des Films auf, singt „Fernando“ mit Andy García auf einer griechischen Insel, und in diesem Moment hört Mamma Mia! Here We Go Again kurz damit auf, sich um alle anderen Handlungsstränge zu kümmern, weil es auch gar nicht nötig ist. 

Es ist ein kleiner Auftritt, gemessen an der Laufzeit, aber er folgt derselben Logik, die Chers ganze Karriere geprägt hat: Sie braucht keine lange Anlaufzeit, um einen Raum vollständig für sich zu beanspruchen. Mit 80 gilt das mehr denn je.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

23,43 €

Gesamtlaufzeit

19h 22min

Genres

Drama, Komödien, Romantik

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