
Wie „Spider-Man: Brand New Day“ den Hulk zurück auf Anfang stellt
Am Ende von Spider-Man: Brand New Day (2026) steht Peter Parker vor einem Neuanfang. Ramponiert, aber im Reinen mit sich. Einer Figur geht es deutlich schlechter, und das ist ausgerechnet der Mann, der ihm eigentlich helfen sollte: Bruce Banner. Der Wissenschaftler taucht als Mentor auf, wird zur Waffe eines fremden Willens und liegt am Schluss auf einer Trage. Vierzehn Jahre Figurenentwicklung, in gut zwei Stunden abgeräumt. Wer den grünen Riesen seit dem ersten Avengers-Film begleitet hat, sieht hier eine Figur, die mühsam Frieden geschlossen hatte und nun wieder da landet, wo alles anfing. Ein Held als Auslöser der Katastrophe, nicht als derjenige, der sie beendet. Warum das kein Betriebsunfall ist, sondern zum Wesen dieser Figur gehört, und warum Fans trotzdem gründlich die Nase voll haben dürften: der Reihe nach.
Was mit Bruce Banner in „Brand New Day“ passiert
Banner tritt zunächst als der ruhigste Mensch im Raum auf. Er unterrichtet an der Empire State University, trägt einen Gamma-Hemmer am Handgelenk und ist wieder ganz Mensch, kein grüner Koloss. Peter sucht ihn auf, weil sein eigener Körper außer Kontrolle gerät, und findet einen Wissenschaftler, der genau weiß, wovon der Junge spricht.

Dann kippt es. Jean Grey dringt in Banners Kopf ein, setzt den Hemmer außer Kraft und benutzt seinen Körper bei ihrem Einbruch ins Department of Damage Control als Waffe, gegen Behördenleiter Bill Metzger und gegen Peter. Banner wehrt sich, ringt sie aus seinem Bewusstsein, und genau dieser Kampf kostet ihn den Rest an Kontrolle. Was zurückbleibt, ist nicht der besonnene Smart Hulk der letzten Jahre, sondern der Savage Hulk: die brüllende, blindwütige Urform. Peter besiegt ihn nicht mit Gewalt. Als der grüne Koloss ihn längst überwältigt hat, sagt er ihm schlicht, dass er es sei, Peter, und im Hulk blitzt etwas auf, das ihn innehalten lässt. Zuletzt sieht man Banner auf einer Trage. Ein Krankenwagen bringt ihn fort. Eine Nachrichtenmeldung im Film hält fest, dass er in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde.
Zurück auf Anfang: Wie weit der Rutsch reicht
Um zu ermessen, wie tief dieser Sturz geht, lohnt der Blick auf den Ausgangspunkt. In Der unglaubliche Hulk (2008) ist Banner ein Gejagter, der sich in brasilianischen Hinterhöfen versteckt, Atemübungen macht und vor sich selbst flüchtet. In Marvel’s The Avengers (2012) tritt er dem Team als wandelnde Zeitbombe bei, deren Wutausbruch das halbe Schiff zerlegt, bevor er lernt, ihn zu lenken. Genau dort steht die Figur nach Brand New Day wieder: ein Mann, der von der eigenen Wut überrannt wird und weggesperrt werden muss.

Der Unterschied zu damals ist bitter. Früher versteckte Banner sich freiwillig, jetzt entscheiden andere über ihn. Aus dem Flüchtenden ist ein Verwahrter geworden. Das ist kein Neustart auf Augenhöhe, das ist derselbe Ausgangspunkt mit weniger Handlungsspielraum.
Das gute Ende, das jetzt kassiert ist
Umso härter trifft es, weil die Figur ihren Frieden längst gefunden hatte. Der Weg dorthin war lang: In Thor: Ragnarok (2017) steckte Banner zwei Jahre am Stück im Hulk fest, in Avengers: Infinity War (2018) weigerte sich der Riese schlicht, überhaupt herauszukommen. Erst Avengers: Endgame (2019) löste den Konflikt und verschmolz Kopf und Körper zum Smart Hulk, einem Wissenschaftler im Muskelberg, der Selfies mit Kindern macht. In She-Hulk: Die Anwältin (2022) wirkte das endgültig besiegelt: Banner als entspannter Cousin, als Mentor, sogar als Vater eines Sohnes von Sakaar. Ein Ruhestand, wie ihn kaum eine Marvel-Figur bekommt. Genau dieser Zustand ist nun weg, und mit ihm die Idee, dass Bruce und der Hulk eine dauerhafte Einigung erzielt hatten.
Warum der Hulk diesen Kreis ständig dreht
Ein Verrat an der Figur ist das trotzdem nicht, und hier wird es interessant. Der Hulk dreht diesen Kreis, seit es ihn gibt. In den Comics wechseln sich die Fassungen seit Jahrzehnten ab: der brüllende Savage Hulk, der berechnende Grey Hulk, der intelligente Professor Hulk, immer wieder unterbrochen von Rückfällen in die reine Wut. Kaum eine Ausgabe erlaubt der Figur einen dauerhaften Frieden, weil dieser Frieden die Figur auflösen würde.

Ein Bruce Banner, der seine Wut endgültig gezähmt hat, ist kein Hulk mehr, sondern ein netter Physiker. Insofern folgt der Film einer alten Logik: Der Deckel muss ab, sonst gibt es nichts zu erzählen. Ärgerlich bleibt nur, dass ausgerechnet ein fremder Wille den Ausschlag gibt. Banner scheitert nicht an sich selbst, er wird benutzt. Das nimmt dem Rückfall die tragische Wucht und macht ihn zum Kollateralschaden einer fremden Geschichte.
Was das für Avengers: Doomsday bedeutet
Ganz nebenbei löst der Film ein Rätsel, das Fans seit der Besetzungsankündigung umtreibt: Warum fehlt der Hulk bei Avengers: Doomsday (2026)? Nach diesem Ende liegt die Antwort auf der Hand. Wer in einer geschlossenen Abteilung sitzt und körperlich am Boden ist, steht für das nächste Weltrettungsteam nicht zur Verfügung. Das ist erzählerisch bequem, aber es funktioniert. Offen bleibt, was Marvel mit der Figur danach vorhat. Zwei Fäden liegen bereit: Peters selbstgebauter Hemmer, der zu klein war, um Hulks Haut zu durchdringen, aber als Idee in der Welt ist. Und die Frage, wer Banner in dieser Einrichtung eigentlich festhält und warum. Beides taugt für eine Rückkehr. Sicher ist bislang nichts davon, doch der Film hat die Figur nicht abgeräumt, sondern nur geparkt.












































