Wer ist hier der Bösewicht? “Der Teufel trägt Prada” und 9 weitere Filme, bei denen wir auf der falschen Seite standen

Wer ist hier der Bösewicht? “Der Teufel trägt Prada” und 9 weitere Filme, bei denen wir auf der falschen Seite standen

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 28. März 2026

Aktualisiert am 02. April 2026

Wer im Kino „gut“ und „böse“ ist, fühlt sich oft eindeutig an, bis ein Film diese Gewissheit langsam unterwandert. Dann kippt etwas ganz leise. Figuren, die zunächst wie klare Antagonisten wirken, bekommen plötzlich nachvollziehbare Motive, während die vermeintlichen Helden beginnen, unangenehm egoistisch oder blind zu handeln.

Gerade jetzt wird das wieder heiß diskutiert, weil rund um Der Teufel trägt Prada 2 neu verhandelt wird, wer eigentlich der wahre „Böse“ ist. Und genau darin liegt der Reiz dieser Filme: Sie stellen keine Fallen, sie drehen nur minimal an der Perspektive und lassen uns damit komplett neu auf Figuren blicken. Am Ende bleibt weniger ein klares Urteil als ein unangenehmes Gefühl, vielleicht von Anfang an auf der falschen Seite gestanden zu haben.

Eine junge Journalistin landet als Assistentin bei einer gefürchteten Modechefin und wird Schritt für Schritt Teil einer Welt, die sie eigentlich ablehnt. Anfangs scheint die Dynamik klar, Miranda ist die kalte, übermächtige Gegenspielerin, Andy die Identifikationsfigur, die sich irgendwie durchkämpft. Doch genau diese klare Linie beginnt zu bröckeln, je länger man hinschaut. Miranda ist nicht einfach grausam, sondern konsequent in einem System, das Härte verlangt, während Andy zunehmend selbst Teil dieses Systems wird und ihre eigenen Grenzen verschiebt. Besonders spannend ist dabei das Verhalten ihres Umfelds, das vermeintlich auf ihrer Seite steht, aber immer weniger Verständnis zeigt, sobald sie sich verändert. Nate kippt dabei von unterstützend zu passiv-aggressiv und wirkt plötzlich weniger wie moralischer Gegenpol als wie jemand, der Andys Entwicklung nicht akzeptieren kann. Der Teufel trägt Prada lebt genau von dieser Verschiebung, weil der Film keine einfache Antwort liefert, sondern die Zuschauer zwingt, ihre erste Sympathie zu hinterfragen.

Nach einer Scheidung verkleidet sich ein Vater als ältere Haushälterin, um weiterhin Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können. Der Film lädt einen zunächst ein, klar Partei zu ergreifen, weil Daniel als warmherziger, kreativer Vater inszeniert wird, während Miranda streng und kontrollierend wirkt. Doch mit etwas Abstand verschiebt sich dieses Bild deutlich. Daniel handelt impulsiv, übernimmt kaum Verantwortung und überschreitet wiederholt Grenzen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Seine Verkleidung ist nicht nur ein harmloser Trick, sondern eine massive Täuschung, die alle Beteiligten betrifft. Miranda hingegen versucht, Struktur und Sicherheit zu schaffen, auch wenn sie dabei hart wirkt. Genau diese Reibung macht Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen so interessant, weil der Film einen emotional auf Daniels Seite zieht, während die Fakten zunehmend gegen ihn sprechen. Diese Diskrepanz bleibt hängen, weil sie zeigt, wie stark Sympathie unsere moralische Bewertung verzerren kann.

Eine Frau verschwindet spurlos, und schnell richtet sich der Verdacht auf ihren Ehemann. Was wie ein klassischer Thriller beginnt, entwickelt sich zu einem komplexen Spiel aus Manipulation, öffentlicher Wahrnehmung und bewusst konstruierten Narrativen. Nick wirkt zunächst wie der offensichtliche Täter, nicht zuletzt durch sein Verhalten vor der Kamera, das ihn unsympathisch und distanziert erscheinen lässt. Doch mit jeder neuen Wendung wird klarer, dass Amy eine ebenso aktive, kontrollierende Rolle spielt und die Geschichte gezielt lenkt. Gleichzeitig ist auch Nick kein unschuldiges Opfer, sondern jemand, der selbst durch Gleichgültigkeit und Untreue zur Eskalation beiträgt. Gone Girl – Das perfekte Opfer funktioniert deshalb so stark, weil der Film konsequent verhindert, dass man sich auf eine Seite festlegt. Jede neue Information verschiebt die Perspektive, bis klar wird, dass die Frage nach dem „wahren“ Bösewicht ins Leere läuft.

Die Entstehung von Facebook wird hier nicht als klassische Erfolgsgeschichte erzählt, sondern als Abfolge von Konflikten, gebrochenen Beziehungen und verletzten Egos. Mark Zuckerberg erscheint zunächst wie ein brillanter Außenseiter, der sich gegen ein elitär wirkendes Umfeld behaupten muss. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie kalkuliert und rücksichtslos er vorgeht. Gleichzeitig sind aber auch seine Gegenspieler nicht frei von Eigeninteressen und Ambitionen. Eduardo fühlt sich verraten, handelt aber selbst nicht immer klar, während die Winklevoss-Zwillinge stark aus einer Position der Privilegien heraus argumentieren. The Social Network lebt genau von dieser Ambivalenz, weil keine Figur eindeutig auf der „richtigen“ Seite steht. Stattdessen entsteht ein Bild, in dem jeder Beteiligte seine eigene Version der Wahrheit verteidigt, während das Gesamtbild immer komplexer wird.

05

Prisoners
Prisoners

Prisoners

2013

Zwei kleine Mädchen verschwinden, und ein Vater beginnt zu glauben, dass er das Zepter in die Hand nehmen muss, wenn die Polizei nicht schnell genug vorankommt. Der Film baut diese Wut so nachvollziehbar auf, dass man sich erschreckend bereitwillig mitziehen lässt. Keller Dover ist kein cooler Rächer, sondern ein Mann in Panik, aber genau diese Panik sorgt dafür, dass man seine Eskalation länger akzeptiert, als man sollte. Das Unbehagen kommt schleichend. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr einfach nur mit einem verzweifelten Vater mitfühlt, sondern längst Taten mitträgt, die man aus sicherer Distanz sofort verurteilen würde. Prisoners ist auf eine unangenehme Art brillant, weil der Film das Publikum nicht über einen Twist erwischt, sondern über Empathie. Man steht auf der falschen Seite, weil man verstehen kann, warum jemand dorthin geht. Genau das macht diese Fehlparteinahme so hartnäckig. 

Zwei Magier treiben ihre Rivalität immer weiter, bis aus Ehrgeiz Besessenheit wird und aus Konkurrenz regelrechte Selbstzerstörung. Der Film verteilt seine Sympathien zunächst so geschickt, dass man ganz selbstverständlich anfängt, einen der beiden als emotional näher und den anderen als problematischer zu lesen. Nur hält diese Zuordnung nicht lange. Mit jeder neuen Enthüllung wird klarer, dass hier keiner bloß Opfer des anderen ist. Beide verbrennen sich selbst und andere Menschen für den eigenen Mythos. Gerade das macht Prestige – Die Meister der Magie so stark für dieses Thema. Man sitzt nicht vor einem simplen Duell zwischen Held und Antagonist, sondern vor einer Erzählung, die einen aktiv dazu bringt, vorschnell Partei zu ergreifen. Und je weiter sie voranschreitet, desto peinlicher wirkt diese frühe Sicherheit. Der Film lässt einen am Ende nicht mit einem Sieger zurück, sondern mit dem Gefühl, beiden viel zu lange falsch geglaubt zu haben.

Jordan Belfort steigt auf, redet schnell, lebt laut und wird vom Film mit genau der Energie inszeniert, die auch seine Umwelt in ihn hineinprojiziert. Das ist der eigentliche Trick von The Wolf of Wall Street. Er zeigt Korruption, Größenwahn und Verwüstung nicht trocken von außen, sondern so verführerisch, dass man die Abstoßung erst verspätet wirklich fühlt. Man lacht, man staunt, man wird von dieser manischen Kraft fast mitgerissen, und dann merkt man plötzlich, dass der Film nicht Jordan verklärt hat, sondern nur sichtbar gemacht hat, wie bereitwillig wir bei Charisma beide Augen zudrücken. Genau deshalb passt er hier so gut. Die falsche Seite ist nicht die einer missverstandenen Nebenfigur, sondern die des Protagonisten selbst. The Wolf of Wall Street zwingt einen dazu, den eigenen Reflex zu hinterfragen, Erfolg und Witz viel zu lange als moralische Entlastung zu behandeln.

Ein Mann steckt im Stau fest, steigt aus seinem Auto und läuft durch Los Angeles, während aus Frust langsam offene Gewalt wird. Der Film beginnt so, dass man sehr genau versteht, warum der Protagonist D-Fens kurz vorm Explodieren ist. Hitze, Lärm, Demütigungen, kleiner Ärger und großer Ärger - alles staut sich auf, und genau das macht diesen Film anfangs so gefährlich anschlussfähig. Man erkennt den Alltagsfrust wieder und sitzt plötzlich näher an dieser Figur, als einem lieb sein sollte. Das Raffinierte an Falling Down – Ein ganz normaler Tag ist, dass der Film diese Nähe nicht belohnt. Er schält immer klarer heraus, dass hier kein ehrlicher kleiner Mann gegen ein kaputtes System aufsteht, sondern ein zutiefst bedrohlicher Mensch seine Aggression zur Weltsicht erklärt. Die falsche Seite fühlt sich am Anfang verständlich an und wird dann von Minute zu Minute hässlicher.

09

Memento
Memento

Memento

2000

Leonard versucht, den Mörder seiner Frau zu finden, obwohl ihm durch sein Kurzzeitgedächtnis jede neue Information wieder entgleitet. Ein Film muss sich schon einiges trauen, um mit so einer Ausgangslage noch dafür zu sorgen, dass man irgendwann die eigene Parteinahme anzweifelt, aber genau das macht Memento. Weil wir an Leonards Wahrnehmung gebunden sind, nehmen wir seine Ziele, seine Wut und seine Urteile viel unmittelbarer an, als wir es sonst vielleicht tun würden. Das ist emotional vollkommen logisch und genau deshalb so effektiv. Erst nach und nach sickert durch, dass diese Perspektive nicht nur lückenhaft, sondern auch gefährlich formbar ist. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, ob Leonard die Wahrheit findet, sondern ob wir ihm viel zu bereitwillig gefolgt sind. Memento macht einen nicht nur unsicher, sondern lässt einen merken, dass man eine ganze Geschichte auf einem Fundament gebaut hat, das nie stabil war.

10

Shutter Island

Ein US-Marshal reist auf eine abgelegene Insel, um das Verschwinden einer Patientin aus einer psychiatrischen Einrichtung zu untersuchen. Die Geschichte wird strikt aus seiner Perspektive erzählt, wodurch seine Wahrnehmung lange als verlässlich erscheint. Doch genau das wird zum zentralen Spiel des Films. Hinweise, die zunächst wie Beweise wirken, bekommen plötzlich eine andere Bedeutung, und die Realität beginnt zu kippen. Shutter Island nutzt diese Unsicherheit, um die Zuschauer aktiv in die Irre zu führen, ohne dabei unfair zu sein. Stattdessen entsteht ein komplexes Bild, in dem die Frage nach Schuld und Wahrheit immer schwerer zu greifen ist. Am Ende bleibt weniger eine klare Antwort als die Erkenntnis, wie sehr Perspektive darüber entscheidet, wen wir als „Bösewicht“ wahrnehmen.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

29,41 €

Gesamtlaufzeit

22h 10min

Genres

Drama, Mystery & Thriller, Komödien

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  1. 2 Titel Disney Plus
  2. 1 Titel Amazon Prime Video
  3. 1 Titel Joyn Plus
  4. 1 Titel Amazon Prime Video with Ads
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