Zu gut, um übersehen zu werden: 10 herausragende Miniserien der vergangenen 10 Jahre

Zu gut, um übersehen zu werden: 10 herausragende Miniserien der vergangenen 10 Jahre

Veröffentlicht am21. September 2026

Aktualisiert am21. September 2026

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Der Streaming-Markt ist schnelllebig, sein Gedächtnis bisweilen unerbittlich. Was nicht prominent platziert wird oder unmittelbar zum viralen Hit avanciert, gerät schnell wieder in Vergessenheit. Qualität ist dabei keineswegs immer der Maßstab, nach dem sich entscheidet, welche Produktionen bleiben und welche im Äther verschwinden.

Dabei sind es oft gerade die sehenswerten Produktionen, die es nicht in die Top-Charts der Anbieter schaffen. Vielleicht, weil sie zu eigenwillig, zu besonders sind, um sich auf ein Schlagwort reduzieren zu lassen – und damit auch nicht zum kurzlebigen Trend taugen. Zeit für einen zweiten Blick auf zehn der besten und zugleich unterschätzten Miniserien der vergangenen zehn Jahre.

Keine klassische Kriegsgeschichte, sondern eine über das, was der Krieg von einem Leben übriglässt: The Narrow Road to the Deep North (2025) folgt einem australischen Militärarzt (Jacob Elordi, später Ciarán Hinds) vor, während und Jahrzehnte nach seiner japanischen Kriegsgefangenschaft. Regisseur Justin Kurzel verschränkt die kaum erträgliche Gewalt des Lagers mit einer großen, Hoffnung spendenden und doch verunmöglichten Liebesgeschichte.

So avancieren die fünf Folgen zum ebenso poetischen wie schonungslosen Antikriegsdrama, das letztlich vor allem von der Notwendigkeit, einander zu verstehen, erzählt – und von den Tragödien, die erwachsen, wenn dies misslingt. Selten hat eine Serie so eindringlich für Empathie geworben, ohne ihre Figuren oder deren Schuld zu vereinfachen wie The Narrow Road to the Deep North.

02

Disclaimer
Disclaimer

Disclaimer

2024

Mit Disclaimer (2024) wagte sich Oscarpreisträger Alfonso Cuarón („Roma“) erstmals an eine Serie – und nutzte die sieben Folgen für ein erstaunliches erzählerisches Experiment. Die Investigativjournalistin Catherine (Cate Blanchett) erhält eines Tages einen Roman, in dessen Geschichte sie sich selbst wiedererkennt. Darin wird ein lange zurückliegendes Ereignis erzählt, das Catherine mit aller Macht vergessen wollte und nun auch ihre Familie gegen sie aufbringt.

Alfonso Cuarón erzählt dieselben Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven, was nicht nur eine enorme Spannung erzeugt, sondern obendrein zunehmend infrage stellt, wem wir glauben – und warum. Vor allem ist Disclaimer eine Serie über vorschnelle Urteile – und eine, die das Publikum so geschickt darin verstrickt, dass man sie nach dem Finale am liebsten sofort ein zweites Mal ansehen möchte.

03

Boys
Boys

Boys

2021

Mit It’s a Sin (2021) gelang Russell T Davies ein großes Fernsehdrama, von dem man ahnt, dass es irgendwann zum großen TV-Kanon gehören wird. Als Ritchie (Olly Alexander), Roscoe (Omari Douglas) und Colin (Callum Scott Howells) Anfang der 1980er Jahre nach London kommen, scheint das Leben gerade erst anzufangen. Sie finden Freunde, Freiheit und eine queere Gemeinschaft – während sich beinahe unbemerkt eine Krankheit ausbreitet, die all das bedroht.

In nur fünf Episoden verdichtet It’s a Sin eine ganze Dekade aus Aufbruch und Verlust, politischer Ignoranz, Scham und Solidarität zu einem berührenden Denkmal im Serienformat. Dass It’s a Sin dabei nie zum bloßen Leidensdrama wird, ist seine größte Leistung: Tieftraurig und zugleich voller Lebenslust wird die Serie zum leidenschaftlichen Plädoyer dafür, das eigene Leben wahrhaftig zu leben.

04

Mare of Easttown
Mare of Easttown

Mare of Easttown

2021

Kaum eine Krimiserie der vergangenen Jahre ist es so gut gelungen, ihre Ermittlerin nicht zur Heldin zu verklären wie Mare of Easttown (2021). Kate Winslet spielt die titelgebende Mare, und damit eine Polizistin in einer Kleinstadt in Pennsylvania, die den Mord an einer jungen Frau aufklären soll. Zugleich werfen die sieben Folgen einen ehrlichen Blick auf ein Leben zwischen Trauer, Familienzerwürfnissen und alten Verletzungen.

Mit den Privatdramen, wie man sie aus durchschnittlichen Polizei-Serien kennt, hat das allerdings nichts gemein: Dass die Serie allen Copaganda-Debatten zum Trotz so gut gealtert ist, liegt an ihrem unbeschönigenden Blick auf die Ermittlerarbeit, die hier stets als Teil eines sozialen Geflechts erzählt wird. Das eigentliche Ereignis von Mare of Easttown aber bleibt Kate Winslets ungewohnt raue Darstellung einer großartig widersprüchlichen Frauenfigur. Jean Smart und Julianne Nicholson komplettieren ein herausragendes Ensemble.

05

Half Man
Half Man

Half Man

2026

Nur eine einzige Emmy-Nominierung erhielt Half Man (2026), obendrein kaum mediale Beachtung – damit lässt sich Richard Gadds erste Serie nach dem Überraschungserfolg Rentierbaby (2024) schon jetzt unter die sträflich unterschätzten Miniserien der Dekade einreihen. Im rauen Glasgow der 1980er Jahre lernen sich Ruben (später Gadd) und Niall (Jamie Bell) kennen und über vier Jahrzehnte folgt der Sechsteiler diesen zwei Männern, die wie Brüder aufwachsen, einander Halt geben und zugleich zugrunde richten.

In Rückblenden legt Half Man dabei frei, wie Klasse, Gewalt, Scham und schädliche Vorstellungen von Männlichkeit ihre Beziehung prägen. Vor allem aber erzählt die Serie meisterhaft von den Unwahrheiten, die Menschen über sich selbst erfinden, um mit den eigenen Entscheidungen weiterleben zu können – und davon, wie aus solchen Selbsttäuschungen über Jahre eine Tragödie erwächst. Die Härte, gleichzeitige Zärtlichkeit und psychologische Präzision erinnern an die Romane von Douglas Stuart. Wer „Shuggie Bain“ oder „Young Mungo“ mochte, darf Half Man erst recht nicht verpassen.

06

Irma Vep
Irma Vep

Irma Vep

2022

Gleiche Branche, andere Geschichte – und vor allem: Dass Irma Vep (2022) in besagtem, zum verschlagwortbaren „Content“ neigenden Streaming-Zeitalter überhaupt entstehen konnte, grenzt an ein kleines Wunder. Olivier Assayas’ achtteilige Miniserie ist Vampir-Remake, Branchenfarce, Künstlerdrama und Liebeserklärung ans Kino zugleich – und weigert sich beharrlich, gefällig zu sein. Alicia Vikander spielt einen Hollywoodstar, der beim Dreh eines französischen Stummfilm-Remakes nach künstlerischem Sinn sucht; Vincent Macaigne den neurotischen Regisseur und Lars Eidinger herrlich entfesselt einen deutschen Schauspieler am Rande des Wahnsinns.

Daraus entsteht eine ebenso selbstironische wie melancholische und überraschend sinnliche Abrechnung mit einer Filmindustrie zwischen Kunst und Kalkül. Mit anderen Worten: Irma Vep ist sperrig, verspielt, zunehmend fantastisch – und über alledem eine jener seltenen Serien, die ihrem Publikum tatsächlich etwas zutrauen. Oder muss man sagen: zumuten?

Über die vergangenen zehn Jahre ist Jessica Lange den Fans des Ryan-Murphy’schen Serienkosmos wohl vor allem in diversen Rollen innerhalb der grellen Gruselwelt von American Horror Story (seit 2011) in Erinnerung geblieben. Dabei findet sich eine ihrer herausragendsten schauspielerischen Leistungen in einer Serie, die zumindest hierzulande kaum Beachtung gefunden hat. Feud: Die Feindschaft zwischen Bette und Joan (2017) erzählt von der Rivalität zweier Grande Dames des klassischen Hollywoods: Bette Davis (Susan Sarandon) und Joan Crawford (Jessica Lange).

Doch nicht nur Lange, auch Showrunner Ryan Murphy zeigt sich hier von einer anderen, weniger beachteten Seite. Zuletzt vor allem mit zweifelhaften True-Crime-Interpretationen wie Dahmer (2022) zu neuer Popularität gelangt, beweist er hier ein ungleich feineres Gespür dafür, wie ein gnadenloser Medienzirkus zunächst Frauen gegeneinander ausspielt und anschließend an ihrer Feindschaft verdient. Damit ist Feud nicht nur eine fantastisch ausgestattete und grandios besetzte Serie über ein sehr spezifisches Showbiz-Kapitel, sondern eine überraschend kluge Geschichte über misogyne Mechanismen, die weit über die Filmbranche hinausreichen.

08

WeCrashed
WeCrashed

WeCrashed

2022

Als WeCrashed (2022) erschien, war das volle Ausmaß des Ärgers, den selbsternannte Tech-Visionäre der Welt noch bereiten würden, noch gar nicht abzusehen – und ist es wahrscheinlich immer noch nicht. So aberwitzig die Geschichte vom Aufstieg und Fall des „WeWork“-Gründers Adam Neumann auch ist, auch hier hat die Realität inzwischen ein paar skurrile Wendungen mehr genommen. Doch gerade das macht die achtteilige Miniserie in der Rückschau so interessant. Immerhin zeigt sie mit erstaunlicher Präzision den Kult um charismatische Gründer, die Größenwahn als Vision und jede technische Neuerung als Weltverbesserung verkaufen.

Jared Leto spielt Neumann als egozentrischen Verführer, Anne Hathaway seine nicht minder entrückte Ehefrau Rebekah. Gemeinsam verkaufen sie schnöde Büroräume als Lifestyle-Produkt – und treiben ihr Start-Up damit zeitweise zu einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar. WeCrashed macht daraus eine herrlich böse Satire auf eine Geschäftswelt, in der Selbstüberschätzung zum Erfolgsrezept geraten ist.

09

Them
Them

Them

2021

Der Einfluss von Jordan Peele („Get Out“, „Wir“, „Nope“) ist unverkennbar, dennoch findet Them (2021) für seinen Horror eine lange im Gedächtnis bleibende, eigene Form. Im Jahr 1954 zieht die Familie Emory ins kalifornische Compton, wo das pastellfarbene Vorstadtidyll binnen kürzester Zeit zur Falle wird. Deborah Ayorinde und Ashley Thomas spielen Lucky und Henry, die vom rassistischen Terror ihrer weißen Nachbarschaft ebenso verfolgt werden wie von übernatürlichen Erscheinungen.

Bemerkenswert bleibt, wie virtuos Them beides miteinander verschränkt: Hitchcock’sche Bildkompositionen und grelle Fünfzigerjahre-Ästhetik mit psychologischem Horror, der selbst sonnendurchflutete Vorgärten zu Orten der Bedrohung werden lässt. Und auch hier gilt: Die gesellschaftliche Diagnose dahinter hat, leider, nicht an Aktualität verloren.

10

Years and Years
Years and Years

Years and Years

2019

Wenige Serien wurden so schnell von der Wirklichkeit eingeholt – und gleichsam in vielerlei Hinsicht bestätigt – wie Years and Years (2019). Über 15 Jahre folgt die Miniserie einer Familie aus Manchester während ringsum die Welt ins Wanken gerät. Krisen, Kriege und technologische Umbrüche sorgen für immer neue Disruptionen, und obendrein macht Emma Thompson als Populistin Vivienne Rook aus Enthemmung ein politisches Erfolgsmodell.

Nicht jede Zukunftsvision ist bislang eingetroffen, andere (wie die Corona-Pandemie) hat die sechsteilige Miniserie nicht kommen sehen. Die Grundstimmung des Sechsteilers aber stimmt: In schwindelerregender Geschwindigkeit überschlagen sich die Katastrophenschlagzeilen und werden doch sogleich wieder Alltag.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

19,98 €

Gesamtlaufzeit

72h 56min

Genres

Drama, Mystery & Thriller, Komödien

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Auf dieser Liste befinden sich 10 Titel und du kannst 4 von ihnen auf HBO Max anschauen. 11 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 4 TitelHBO Max
  2. 4 TitelHBO Max Amazon Channel
  3. 2 TitelApple TV
  4. 1 TitelWOW
  5. 1 TitelSky Go