
10 wichtige Filme der letzten 2 Jahre, die du wahrscheinlich verpasst hast
Das Kino der letzten Jahre hatte keinen Mangel an großartigen Filmen – sondern eher damit, ihnen genug Aufmerksamkeit zu geben. Diese Liste versammelt 10 Filme der vergangenen zwei Jahre, die vielleicht keine riesigen Phänomene wurden, aber zu den spannendsten, eigenwilligsten und erinnerungswürdigsten Veröffentlichungen ihrer Zeit gehören.
Zwischen Franchise-Dominanz, Streaming-Überangebot und immer kürzeren kulturellen Halbwertszeiten verschwanden selbst gefeierte Produktionen oft erstaunlich schnell wieder aus dem Fokus. Manche wurden Kritikerlieblinge ohne Publikumserfolg, andere schlicht von lauteren Kinostarts verdrängt.
Bong Joon-ho verwandelt in Mickey 17 beängstigende Klon-Technologie, Kapitalismuskritik und Science-Fiction-Abenteuer in etwas überraschend Menschliches. Robert Pattinson spielt einen sogenannten „Expendable“ – einen Arbeiter, der auf einer Weltraummission immer wieder stirbt und neu erschaffen wird, sobald er für gefährliche Aufgaben benötigt wird. Was zunächst wie eine düstere Satire klingt, entwickelt sich schnell zu einer zugleich seltsam komischen und melancholischen Geschichte über Identität, Austauschbarkeit und den Wert eines einzelnen Daseins in dystopischen Zeiten der Digitalisierung.
Auch deshalb fühlt sich Mickey 17 deutlich interessanter an als viele moderne Sci-Fi-Blockbuster. Bong Joon-ho verbindet absurden Humor mit gesellschaftlicher Schärfe und verleiht selbst den groteskesten Szenen ein gewisses Gewicht. Trotz großer Namen und hohem Budget wirkte der Film im Mainstream-Diskurs überraschend schnell abgehandelt – dabei gehört er zu den eigenwilligsten Studiofilmen der letzten Jahre.
The Bikeriders erzählt weniger eine klassische Gangster- oder Motorradgeschichte als vielmehr vom langsamen Zerfall eines amerikanischen Mythos. Inspiriert von realen Fotoreportagen begleitet der Film eine Motorradgang im Mittleren Westen der 1960er Jahre und beobachtet, wie aus einer Gemeinschaft von Außenseitern zunehmend eine gewaltbereite Subkultur entsteht. Austin Butler, Jodie Comer und Tom Hardy verleihen dem Film durch große Schauspielleistungen einen eigenen Charme.
Besonders faszinierend ist jedoch die melancholische Atmosphäre. The Bikeriders wirkt wie ein Film über das Ende einer bestimmten Vorstellung von Freiheit und Rebellion. Jeff Nichols inszeniert das Ganze mit einer Ruhe und Ernsthaftigkeit, die heute fast altmodisch erscheint – gerade deshalb hebt sich der Film so stark von vielen aktuellen Prestigeproduktionen ab. Trotz hervorragender Kritiken blieb das Drama kommerziell deutlich hinter dem zurück, was Cast und Qualität eigentlich vermuten ließen.
Yorgos Lanthimos bleibt auch nach dem Erfolg von Poor Things (2023) einer der seltsamsten Regisseure des modernen Kinos. Kinds of Kindness treibt seine Vorliebe für das lustvolle Sezieren absurder Machtspiele und zwischenmenschlicher Grausamkeiten dabei noch deutlich weiter. Der Anthologiefilm erzählt in mehreren lose verbundenen Geschichten von Kontrolle, Abhängigkeit und Menschen, die grandios daran scheitern, eine Form von Bedeutung in ihrem Leben zu finden.
Emma Stone, Jesse Plemons und Willem Dafoe spielen Figuren, die gleichzeitig grotesk, tragisch und oft schlicht überraschend komisch sind. Wohl auch weil Kinds of Kindness sperriger und unangenehmer ist als Yorgos Lanthimos’ zugänglichere Arbeiten, verschwand der Film relativ schnell wieder aus größeren Debatten. Dabei gehört er zu den gelungensten der unerbittlichen Autorenfilme der letzten Jahre.
Mit Memoiren einer Schnecke beweist Adam Elliot erneut, dass Animation nicht automatisch leicht oder familienfreundlich sein muss. Der Stop-Motion-Film begleitet die introvertierte Grace, die sich nach mehreren Verlusten immer weiter von der Welt zurückzieht und emotional buchstäblich in ihr eigenes Schneckenhaus flüchtet. Was folgt, ist eine zugleich tragische und warmherzige Geschichte über Einsamkeit und den schwierigen Versuch, wieder Nähe zuzulassen.
Visuell wirkt der Film mit seinen detailreichen Figuren und (trotz) grotesken Designs zunächst fast verspielt. Emotional entwickelt Memoiren einer Schnecke jedoch eine enorme Wucht. Gerade das Zusammenspiel aus schwarzem Humor, Melancholie und dem Makabren macht den Film so besonders. Obwohl Animation für Erwachsene in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, blieb dieses kleine Meisterwerk außerhalb von Filmfestivals und Kritikerlisten erstaunlich weit unter dem Radar.
Luca Guadagnino adaptiert William S. Burroughs’ berühmten Roman in Queer als fiebrige, intime Studie über Sehnsucht, Einsamkeit und Selbstzerstörung. Daniel Craig spielt darin einen drogensüchtigen amerikanischen Expat in Mexiko-Stadt der 1950er-Jahre, der sich obsessiv zu einem jüngeren Mann hingezogen fühlt. Der Film bewegt sich dabei ständig zwischen romantischer Fantasie, emotionaler Verzweiflung und halluzinatorischer Überhöhung.
Vor allem atmosphärisch entfaltet Queer eine enorme Dringlichkeit. Luca Guadagnino interessiert sich weniger für klassische Dramaturgie als für die Intensität von Gefühlen wie Begehren und Isolation. Daniel Craig liefert zudem die sicherlich eindringlichste Performance seiner Karriere ab. Vielleicht war der Film schlicht zu eigenwillig und literarisch, um wirklich breite Aufmerksamkeit zu erzeugen – dennoch bleibt Queer einer der außergewöhnlichsten Liebesfilme der letzten Jahre.
Ari Aster verwandelt in Eddington eine kleine amerikanische Stadt während der Pandemie in ein paranoides Pulverfass. Der Film verbindet Western, Gesellschaftssatire und politische Perspektiven zu einer Geschichte, in der sich die Absurdität der bloßen Realität, Medienhysterie und persönliche Konflikte zunehmend gegenseitig aufschaukeln. Joaquin Phoenix und Pedro Pascal liefern sich dabei ein intensives Duell um Macht, Wahrheit und öffentliche Wahrnehmung.
Was Eddington so spannend macht, ist die Art, wie der Film moderne Spannungen geradezu albtraumhaft verdichtet. Aris Aster zeigt ein Land, das sich permanent selbst beobachtet, radikalisiert und über alledem emotional erschöpft. Auch deshalb dürfte der Film für manche Zuschauerinnen und Zuschauer fast zu nah an der unangenehmen Realität gewesen sein. Gleichzeitig macht genau das Eddington zu einem der interessantesten und provokantesten US-amerikanischen Filme dieses Jahrzehnts.
Kristen Stewart adaptiert in The Chronology of Water die autobiografischen Memoiren von Lidia Yuknavitch als rohes, fragmentiertes und körperlich intensives Drama über Trauma, Sexualität und Selbstzerstörung. Im Zentrum steht eine junge Frau, die versucht, nach familiärem Missbrauch und dem darauffolgenden Kontrollverlust eine eigene Identität zu finden. Der Film bewegt sich dabei weniger wie eine klassische Lebensgeschichte als vielmehr wie ein Strom aus Erinnerungen, Emotionen und verdrängten Erfahrungen.
Exakt diese radikale Subjektivität macht The Chronology of Water so faszinierend. Kristen Stewart inszeniert fiebrig und bewusst unruhig, wodurch sich der Film emotional oft eher entlang innerer Zustände als an einer klassischen Dramaturgie bewegt. Vielleicht war diese kompromisslose Intensität auch der Grund, warum der Film trotz viel Festivalaufmerksamkeit eher ein kleineres Publikum erreichte. Dabei gehört er zu den aufregendsten Regiedebüts der letzten Jahre.
Colonos dekonstruiert den klassischen Western und verwandelt die Kolonisierung Patagoniens in einen brutalen Albtraum. Der Film von Felipe Gálvez folgt mehreren Männern, die Ende des 19. Jahrhunderts indigene Menschen aus einem Gebiet vertreiben sollen. Was zunächst wie ein historisches Abenteuer erscheint, entpuppt sich schnell als schonungslose Beobachtung über die Mechanismen von Gewalt, Rassismus und die Entstehung nationaler Mythen.
Visuell erinnert Colonos teilweise an klassische Western-Epen, gleichzeitig unterläuft der Film permanent deren heroische Erzählungen – und das deutlich erfolgreicher als etwa Killers of the Flower Moon (2023) von Martin Scorsese. Die majestätischen Landschaften wirken hier nicht befreiend, sondern beinahe bedrohlich. Obwohl der Film international viel Lob erhielt, blieb er außerhalb von Festival- und Arthouse-Kreisen vergleichsweise wenig gesehen.
Lynne Ramsay inszeniert Die, My Love nicht als konventionelles Familiendrama, sondern als mitreißende Flut emotionaler Ausnahmezustände. Jennifer Lawrence brilliert als Frau, die nach einem Umzug in die lähmende Langeweile eines ländlichen Amerikas in inneren Aufruhr gerät. Wie schon in We Need to Talk about Kevin (2011) interessiert sich die schottische Filmemacherin dabei weniger für lineare Erklärungen als für das Gefühl radikaler Entfremdung innerhalb einer Beziehung, innerhalb einer Familie.
Auch hier arbeitet Lynne Ramsay mit subjektiven Eindrücken, fragmentierten Bildern und intensiver Körperlichkeit. Dadurch entwickelt Die, My Love eine fast klaustrophobische Energie, die gleichzeitig faszinierend und anstrengend wirken kann. Vielleicht war das auch der Grund, warum das Psychodrama trotz prominenter Besetzung – Robert Pattinson spielt schließlich den überforderten Ehemann – keine größere Aufmerksamkeit generierte.
The Testament of Ann Lee verbindet religiöse Geschichte, amerikanische Mythenbildung und psychologisches Drama zu einer ungewöhnlich hypnotischen Biografie. Im Zentrum steht Amanda Seyfried als Ann Lee, die Gründerin der Shaker-Bewegung, deren spirituelle Visionen von Regisseurin Mona Fastvold weniger als echte religiöse Offenbarungen denn als Ausdruck persönlicher Traumata interpretiert werden.
Besonders beeindruckend ist die fast tranceartige Atmosphäre, die vor allem in den aufwendig choreografierten Tanzszenen entsteht. Viele Sequenzen wirken durch sie wie mitreißende spirituelle Erinnerungsfragmente – für nüchternes Historienkino interessiert sich die norwegische Filmemacherin jedenfalls nicht. Obwohl der Film nie wirklich breite Aufmerksamkeit erreichte, gehört er zu den interessantesten amerikanischen Independent-Produktionen der letzten Jahre – ungewöhnlich, herausfordernd und visuell beeindruckend.















































