
Die besten TV-Intros 2025/2026 - diese Opening Sequences überspringt man nicht
Es gibt einen Knopf, der das hier alles verhindern könnte. Er heißt „Intro überspringen", und er ist die vielleicht folgenschwerste Erfindung des Streamingzeitalters. Nicht wegen dem, was er tut, sondern wegen dem, was er ausdrückt: dass das Intro einer Serie optional ist. Dabei war es jahrzehntelang das Erste, was eine neue Serie über sich verriet. Nicht die Prämisse, nicht die Besetzung, sondern der Ton. Die Haltung. Der Vibe, um ein Wort zu benutzen, das man eigentlich nicht mehr benutzen sollte. 2025 war in dieser Hinsicht ein gutes Jahr. Mehrere Serien haben bewiesen, dass ein Intro mehr sein kann als 90 Sekunden Überbrückungszeit. Diese acht nicht überspringen.
Staffel 2 (2025)
Wer dachte, James Gunn könnte das Staffel-1-Intro von Peacemaker nicht toppen, hatte technisch recht — und trotzdem verloren. Das Original war ein virales Ereignis: John Cena und Besetzung, stocksteif, in einer High-School-Aula, tanzen zu Wig Wams „Do Ya Wanna Taste It", einem norwegischen Glam-Metal-Song, den vorher niemand kannte und danach jeder im Ohr hatte. Einmal gesehen, nicht vergessen. Gunn wusste, dass er das nicht wiederholen konnte. Also hat er es nicht versucht. Für Staffel 2 wählte er stattdessen „Oh Lord" von Foxy Shazam — einer theatralischen Rock-Band aus Cincinnati, die Gunn öffentlich als „objektiv beste Rockband der Welt" bezeichnet, was entweder Wahnsinn oder perfektes Booking ist, wahrscheinlich beides. Die Choreografin Charissa-Lee Barton bekam zwei Tage statt einen, mehr Figuren, mehr Bühne, mehr Spektakel. Und Eagly, der Adler, versucht zu tanzen. Er ist nicht gut darin. Das ist der Punkt.
Staffel 2 (2025)
Das Intro von Severance war schon in Staffel 1 so unangenehm schön, dass es 2022 den Emmy für Outstanding Main Title Design gewann. Staffel 2 legt nach (und bekam ebenfalls die begehrte Trophäe), was bei einem Intro über Bewusstseinsspaltung und Konzernhorror ungefähr so klingt, als würde jemand sagen: „Das Trauma war gut, aber wir wollten mehr Trauma." Der Berliner CGI-Künstler Oliver Latta, bekannt als Extraweg, schickt die Lumon-Mitarbeiter durch einen surrealistischen Albtraum aus zerfließenden Körpern und Bürokorridoren, die sich in sich selbst falten. Theodore Shapiros Score macht das Ganze noch ungemütlicher. Das Intro dauert ungefähr 90 Sekunden und fühlt sich an wie eine Unternehmensschulung für eine Firma, bei der man auf keinen Fall arbeiten möchte. Funktioniert als Kunstwerk. Funktioniert als Stimmungssetter. Man überspringt es trotzdem nicht, weil man dann möglicherweise etwas verpasst — und bei Severance ist Paranoia bekanntlich angebracht.
Staffel 3 (2025)
Cristóbal Tapia de Veer hat für The White Lotus drei Staffeln lang Titelthemen komponiert, die alle drei auf ihre eigene Art unvergesslich waren. Staffel 1: tropisch, creepy, Ukulele-Wahnsinn. Staffel 2: „Renaissance", ein Club-Banger getarnt als Renaissance-Malerei-Montage, der bis heute auf Partys läuft. Staffel 3: „Enlightenment" — zurückgenommener, subtiler, aber mit einem Sample aus Burials „Endorphin" tief unter der Oberfläche, das ursprünglich aus dem Silent Hill 3-Soundtrack stammt. Was das bedeutet, liegt im Auge des Betrachters, aber es klingt nach jemandem, der nach einer höheren Wahrheit sucht und dabei im falschen Resort gelandet ist. Tapia de Veer hat die Show danach verlassen — er und Showrunner Mike White hatten sich überworfen — und das Extended-Cut des Themas inklusive des Staffel-2-Interpolation eigenmächtig auf YouTube hochgeladen. Das ist entweder unprofessionell oder das rockigste, was ein Komponist 2025 getan hat. Wahrscheinlich beides.
Staffel 2 (2025)
Das Intro von The Last of Us ist das leiseste auf dieser Liste. Gustavo Santaolalla, der argentinische Komponist, der das Thema bereits für die Videospiele geschrieben hat, spielt hier buchstäblich selbst Gitarre — man sieht ihn in Staffel 2, Episode 1, kurz am Rand einer Szene. Das Titelthema ist dasselbe wie in Staffel 1: zerbrechlich, akustisch, wie ein Lied, das jemand in einem leeren Haus für sich selbst spielt, weil draußen die Welt schon längst aufgehört hat zuzuhören. Was es auf diese Liste bringt, ist nicht Spektakel — sondern das genaue Gegenteil. In einer Ära, in der Intros immer lauter, immer elaborierter, immer viraler werden wollen, ist dieses hier einfach still. Und diese Stille macht einem klar, dass man gerade etwas sehr Ernstes beginnt.
Staffel 2 (2025)
Andor ist die klügste Star-Wars-Produktion seit dem Original — darüber sind sich Kritiker und die nicht ganz so zahlreichen der Zuschauer einig, die sie tatsächlich gesehen haben. Das Intro der zweiten Staffel, komponiert von Brandon Roberts mit Britells Originalthema im Fundament, ist eine Masterclass im Aufbau von Erwartung ohne ein einziges bekanntes Raumschiff zu zeigen. Wo andere Star-Wars-Produktionen mit Fanfare und TIE-Fightern winken, arbeitet Andor mit dumpfen Schlägen und Stille. Zum Ende der Staffel hin wird der Score orchestraler, bewusst — weil die Serie auf Rogue One zuläuft und klanglich die Brücke zu Michael Giacchinos Score bauen muss. Das Intro tut das auch: Es klingt wie eine Vorahnung, nicht wie eine Ankündigung. Der Unterschied ist wichtig, und die wenigsten Serien wissen, dass es ihn gibt.
Staffel 2
Pachinko gehört eigentlich zur ersten Staffel von 2022 — aber weil Staffel 2 2025 erschienen ist und das neue Intro dieselbe DNA trägt und noch einmal intensiver funktioniert, kommt es auf diese Liste. Das Designstudio Elastic hat eine Eröffnungssequenz gebaut, die Archivmaterial koreanischer Einwanderer mit Slow-Motion-Choreografie im Pachinko-Salon zusammenführt, alles zu einer Cover-Version von „Let's Live for Today", im Original von den Grass Roots. Die Besetzung tanzt. Sie tanzen mit einer Leichtigkeit, die dem Schmerz des Rest der Serie wie ein Kommentar vorangestellt wird. Es ist eine der wenigen Intro-Sequenzen der Fernsehgeschichte, bei der man nicht sicher ist, ob man lächeln oder weinen soll — und der Umstand, dass man am Ende beides gleichzeitig tut, ist Absicht.
Staffel 3
Euphoria hat seit Staffel 1 kein klassisches Intro, kein Titelsequenz-Spektakel, nur eine Namenseinblendung und dann direkt rein in die Hölle. Was diese dritte Staffel trotzdem auf diese Liste bringt: Labrinth ist weg. Der britische Komponist, der Staffeln 1 und 2 ihren halluzinatorischen Klangraum gegeben hat — „All for Us", „Formula", das kollabierte Klavierthema iwst im März 2026 auf Instagram explodiert. „Fuck Columbia. Double fuck Euphoria. I'm out." Begründung, einen Tag vor Staffelpremiere: Er ließ sich nicht schlecht behandeln. Hans Zimmer hat übernommen, mit einem Western-inspirierten Score, der von Sergio Leones C'era una volta il West inspiriert ist. Das klingt auf dem Papier großartig. In der Praxis: Die Fans sind wütend, die Kritiker gespalten, und das Erste, was man in Staffel 3 hört, ist „Ride Like the Wind" von Christopher Cross. Das Intro ist also das Schweigen, das Labrinth hinterlassen hat. Manchmal ist die abwesende Musik das Lauteste.



















































