Vor „Citadel“ Staffel 2: Die 10 besten Spionageserien, die das Genre seit den 2010ern definieren

Vor „Citadel“ Staffel 2: Die 10 besten Spionageserien, die das Genre seit den 2010ern definieren

Markus Brandstetter
Markus Brandstetter

Veröffentlicht am 07. Mai 2026

Aktualisiert am 07. Mai 2026

Am 6. Mai 2026 kehrt Citadel auf Prime Video zurück. Drei Jahre nach dem chaotischen Start der ersten Staffel im April 2023 bringen die Russo-Brüder alle sieben Episoden auf einmal raus, weltweit in 240 Ländern. Richard Madden als Mason Kane, Priyanka Chopra Jonas als Nadia Sinh, Stanley Tucci als Bernard Orlick, dazu Lesley Manville, Ashleigh Cummings und neu im Cast: Jack Reynor, Matt Berry und Lina El Arabi.

300 Millionen Dollar Budget machten die erste Staffel zu einer der teuersten Serien aller Zeiten, das Echo bei den Kritikern war trotzdem verheerend (52 Prozent auf Rotten Tomatoes), die Spin-offs aus Italien und Indien wurden nach einer Staffel beerdigt. Manticore-Syndikat, gelöschte Erinnerungen, eine neue Bedrohung. Wer das Genre ernsthaft kennenlernen will, sollte vorher diese zehn Serien gesehen haben. Sie zeigen, was Spionage im seriellen Erzählen tatsächlich kann, wenn 300 Millionen Dollar nicht genügen, sondern Drehbuchqualität entscheidend ist.

Joe Weisberg, ein ehemaliger CIA-Mann, schreibt eine Serie über zwei KGB-Agenten in Reagans Amerika und macht damit das beste Spionage-Drama der 2010er. The Americans (2013–2018) folgt Philip und Elizabeth Jennings (Matthew Rhys, Keri Russell), zwei sowjetischen Schläferagenten, die in einem Vorort von Washington unter falschen Identitäten leben, eine arrangierte Ehe führen und zwei amerikanische Kinder großziehen, die nichts ahnen. Die Brillanz der FX-Serie liegt darin, dass sie nie über Spionage erzählt, sondern über die emotionalen Kosten des Doppellebens. Jeder Auftrag, jede Verkleidung, jeder Honigfallen-Einsatz hinterlässt Spuren in der Ehe und in den Kindern. Sechs Staffeln, eine der bestbewerteten Serien des goldenen TV-Zeitalters, das Finale 2018 ist eines der vollendetsten Schlüsse der Seriengeschichte. Wer Spionage als psychologisches Drama statt als Action versteht, fängt hier an.
Gary Oldman als alkoholkranker, mürrischer, brillanter MI5-Veteran Jackson Lamb in einer Apple-TV+-Adaption von Mick Herrons Roman-Reihe um Slough House, das Abstellgleis für gescheiterte britische Geheimagenten. Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb (2022–) macht aus dieser Prämisse ein modernes Spionage-Meisterwerk: Lamb herrscht über River Cartwright (Jack Lowden), Catherine Standish (Saskia Reeves) und einen Haufen weiterer Versager mit einer Mischung aus Zynismus und unerwarteter Loyalität. Kristin Scott Thomas spielt seine Erzfeindin Diana Taverner im MI5-Hauptquartier The Park. Die Drehbücher sind messerscharf, die Spionage realistisch ranzig statt glamourös, und Oldmans Performance ist eine der besten seiner Karriere. Staffel 5 lief im September 2025, Staffel 6 ist bereits in Produktion. Eine der wenigen Serien, die jährlich erscheinen und nie an Qualität verlieren.
John le Carrés Roman von 1993, Susanne Bier hinter der Kamera, Tom Hiddleston als Hotel-Nachtmanager Jonathan Pine, Hugh Laurie als Waffenhändler Richard Roper, Olivia Colman als MI6-Strippenzieherin Angela Burr. The Night Manager (2016) wurde von BBC und AMC als Sechsteiler produziert und sahnte 2017 drei Golden Globes ab. Die Geschichte: Pine wird von Burr rekrutiert, um Ropers internationales Waffennetzwerk zu unterwandern, was ihn von Kairo über Mallorca in die Türkei und auf eine moralische Achterbahn führt. Hiddleston spielt das mit kontrollierter Eleganz, Laurie liefert als charmant-soziopathischer Antagonist eine Performance, die ihm einen Golden Globe einbrachte. Die Adaption ist großzügig mit dem Originalmaterial, weicht aber sinnvoll von der Vorlage ab. 2026 startete eine zweite Staffel auf BBC und Prime Video, neun Jahre nach der ersten, mit Hiddleston in Kolumbien gegen einen neuen Waffenhändler. Eine dritte Staffel ist bestätigt.
Killing Eve
Killing Eve

Killing Eve

2018

Phoebe Waller-Bridge schreibt die erste Staffel, danach übernimmt jede Saison eine andere weibliche Showrunnerin, das Ergebnis ist eine der eigenwilligsten Spionageserien überhaupt. Killing Eve (2018–2022), basierend auf Luke Jennings' Villanelle-Romanen, dreht das Genre um: Sandra Oh spielt Eve Polastri, eine gelangweilte MI5-Schreibtischtäterin, die plötzlich der psychopathischen Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer) auf die Spur kommt. Was als Katz-und-Maus-Spiel beginnt, mutiert zu einer obsessiven, sexuell aufgeladenen Beziehung zwischen den beiden Frauen, die das gesamte Genre-Vokabular sprengt. Comer gewann für ihre Performance als Villanelle einen Emmy und einen BAFTA, Oh war dreimal Emmy-nominiert. Vier Staffeln, das Finale 2022 spaltete die Fans, der Rest der Serie ist eine Klasse für sich. Zentrale Pflicht für jeden, der versteht, dass Spionage nicht nur Männerbusiness ist.
Teheran
Teheran

Teheran

2020

Israelische Produktion für Apple TV+, geschrieben von Moshe Zonder, der zuvor an Fauda mitgearbeitet hatte. Tehran (2020–) folgt Tamar Rabinyan (Niv Sultan), einer Mossad-Hackerin mit iranisch-jüdischen Wurzeln, die nach Teheran zurückkehrt, um die iranische Luftabwehr zu sabotieren und einen israelischen Luftschlag auf das Atomprogramm zu ermöglichen. Die Mission läuft fast sofort schief, und Tamar muss in einer Stadt überleben, die ihre Heimat ist und ihr trotzdem den Tod bringen will. Shaun Toub spielt Faraz Kamali, den Geheimdienstchef der Revolutionsgarde, der sie jagt, mit einer Komplexität, die seine Figur zur eigentlichen tragischen Hauptperson macht. 2021 gewann die Serie den International Emmy für die beste Drama-Serie, als erste israelische Produktion überhaupt. Staffel 3 lief 2026 mit Hugh Laurie als britischem Mossad-Schläferagenten.
Wer noch nie französisches Spionage-Fernsehen geschaut hat, hat das beste Spionage-Fernsehen überhaupt verpasst. Büro der Legenden (2015–2020), im Original Le Bureau des Légendes, erzählt vom DGSE, dem französischen Auslandsgeheimdienst, und der titelgebenden Abteilung, die Agenten unter falscher Identität (Legende) ausbildet und in Krisengebiete wie Syrien, Russland und den Iran schickt. Mathieu Kassovitz spielt Guillaume Debailly alias Malotru, der nach sechs Jahren in Damaskus zurückkehrt und seine syrische Liebhaberin nicht vergessen kann, was die DGSE in eine existenzielle Krise stürzt. Showrunner Éric Rochant arbeitet mit ehemaligen DGSE-Beratern zusammen, das Resultat ist eine fast schon dokumentarische Realität, in der Geheimdienstarbeit mehr aus Bürokratie und Geduld besteht als aus Schießereien. Fünf Staffeln, jede einzelne ist Pflichtprogramm. George Clooney produziert derzeit ein US-Remake bei Showtime.
Homeland
Homeland

Homeland

2011

Showtime adaptiert die israelische Serie Hatufim und macht daraus den definierenden Post-9/11-Spionagethriller des amerikanischen Fernsehens. Homeland (2011–2020) gibt Claire Danes als bipolare CIA-Agentin Carrie Mathison eine Rolle, die sie mit obsessiver Intensität spielt und die ihr zwei Emmys einbringt. Mandy Patinkin als ihr Mentor Saul Berenson ist die ruhige Gegenkraft. Damian Lewis spielt in den ersten drei Staffeln den heimkehrenden Marine Nicholas Brody, der vielleicht oder vielleicht auch nicht zum Al-Qaida-Schläfer geworden ist, eine Performance, die ihm 2012 einen Emmy einbrachte. Die Serie verliert in den mittleren Staffeln Tempo, findet aber zum Ende mit Carrie in Berlin und schließlich in Afghanistan zu einer beeindruckenden Schlusskurve zurück. Acht Staffeln, ein dichtes Stück amerikanischer Selbstreflexion über den War on Terror, das nur mit Carries manischen Augen funktioniert.
Bevor das britische Fernsehen prestigeträchtig wurde, gab es schon Spooks – Im Visier des MI5 (2002–2011), die BBC-Serie, die ein Jahr nach 9/11 startete und über zehn Staffeln das Hauptquartier des britischen Inlandsgeheimdienstes in Thames House zur fiktiven Hochburg machte. Die Besonderheit: Hauptfiguren konnten jederzeit sterben, und sie taten es regelmäßig, oft brutal. Was als Schock-Kniff begann, wurde zur Marke: Wer Spooks schaute, konnte sich nie sicher sein, ob die Figur, mit der man gerade mitfieberte, die nächste Folge überlebte. Matthew Macfadyen, Keeley Hawes, Hermione Norris, Peter Firth, Rupert Penry-Jones, Richard Armitage zogen über zehn Staffeln durch das Team, das gegen Terrorismus, russische Spionage, Atomschmuggel und korrupte Politiker kämpfte. Eine Vorlage für so vieles, was später kam, von 24 bis zu modernen Apple-TV+-Produktionen. 86 Episoden, immer noch ein Maßstab.
The Old Man
The Old Man

The Old Man

2022

Jeff Bridges, 73 Jahre alt, kehrt nach einer Krebserkrankung auf die Leinwand zurück und liefert in The Old Man (2022–) eine seiner intensivsten Performances. Die FX-Serie nach Thomas Perrys gleichnamigem Roman von 2017 zeigt Dan Chase, einen ehemaligen CIA-Agenten, der nach 30 Jahren Versteck plötzlich wieder gejagt wird. John Lithgow als sein alter Freund Harold Harper, jetzt FBI-Vizedirektor für Spionageabwehr, soll die Jagd anführen, hat aber ein eigenes Geheimnis. Die Serie balanciert zwischen Action-Thriller und meditativem Charakterdrama über alte Männer, die mit den Konsequenzen ihrer jungen Entscheidungen leben müssen, und die Rückblenden in den afghanischen Mudschahedin-Konflikt der 80er Jahre geben dem Ganzen eine historische Tiefe, die im Genre selten ist. Bridges und Lithgow als Schauspielergrößen am Zenit ihrer Karrieren, die einander die Bälle zuspielen.
Jack Ryan
Jack Ryan

Jack Ryan

2018

Tom Clancys Romanfigur, schon viermal verfilmt mit Alec Baldwin, Harrison Ford, Ben Affleck und Chris Pine, bekommt bei Amazon ihre eigene Serien-Inkarnation: John Krasinski, dem niemand vor dem Casting eine ernsthafte Action-Rolle zugetraut hätte, spielt den CIA-Analysten, der gegen seinen Willen ins Feld geschickt wird. Jack Ryan (2018–2023) macht über vier Staffeln aus einer mainstreamigen Spionage-Konstellation eine erstaunlich solide Serie: Wendell Pierce als Jim Greer ist die emotionale Erdung, Michael Kelly als CIA-Veteran Mike November bringt die nötige Schärfe, die Locations wechseln zwischen Jemen, Venezuela, Russland und Westafrika. Die Staffeln folgen jeweils einem geopolitischen Krisenszenario, das nah an realen Konflikten gebaut ist und Geheimdienstarbeit eher als Krisenmanagement denn als Heldengeschichte zeigt. 2026 erscheint mit Jack Ryan: Ghost War zudem ein Spielfilm-Ableger auf Prime Video, der die Figur weiterführt. Die zugänglichste Serie dieser Liste, aber besser als ihr Ruf.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

10,95 €

Gesamtlaufzeit

374h 37min

Genres

Drama, Mystery & Thriller, Krimi

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Auf dieser Liste befinden sich 10 Titel und du kannst 3 von ihnen auf Disney Plus anschauen. 15 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 3 Titel Disney Plus
  2. 3 Titel Amazon Prime Video
  3. 3 Titel Amazon Prime Video with Ads
  4. 2 Titel Apple TV
  5. 2 Titel Apple TV Amazon Channel