
Sechs Musikdokus über britische Künstler, die du gesehen haben solltest
Mit Oasis: Don’t Look Back in Anger (2026) ist am 11. September eine neue britische Musikdokumentation in ausgewählten Kinos gestartet. Dylan Southern und Will Lovelace begleiten darin die Wiedervereinigung von Noel und Liam Gallagher. Eine Veröffentlichung im Stream soll später im Jahr folgen.
Wer danach tiefer in die britische Musikgeschichte einsteigen will, findet bereits jetzt zahlreiche sehenswerte Dokumentationen. Die folgenden fünf Filme und Serien erzählen keine vollständige Chronik. Jeder Titel konzentriert sich auf einen bestimmten Moment: die Entstehung einer Band, ihren größten Triumph, die Arbeit kurz vor dem Ende oder den Blick zurück auf ein abgeschlossenes Leben.
Dylan Southern und Will Lovelace, die bereits Oasis: Supersonic (2016) inszenierten, dokumentieren in Oasis: Don’t Look Back in Anger die restlos ausverkaufte Reunion-Tour der Band im Jahr 2025. Der Film verbindet Konzertmitschnitte mit gemeinsamen Interviews von Liam und Noel Gallagher – nach mehr als zwei Jahrzehnten öffentlicher Zerwürfnisse die ersten dieser Art. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden und acht Minuten läuft die britische Produktion im September 2026 in deutschen Kinos, vertrieben von Walt Disney Germany.
Anders als Oasis: Supersonic, der die frühen Jahre der Band bis zu den Knebworth-Konzerten 1996 nachzeichnet, richtet sich der Blick hier auf die Gegenwart: auf zwei Brüder, die nach Jahren der Funkstille wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Für Zuschauer, die Oasis über die Reunion-Berichterstattung hinaus verstehen wollen, liefert der Film damit den direkten Gegenpart zu den fünf hier versammelten Rückblicken – eine Momentaufnahme statt einer historischen Einordnung.
Viele Musikdokumentationen beginnen mit dem Erfolg und arbeiten sich anschließend durch Abstürze, Konflikte und Trennungen. Becoming Led Zeppelin (2025) wählt einen anderen Ansatz. Der Film konzentriert sich fast vollständig auf das erste gemeinsame Jahr der Gruppe.
Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones führen selbst durch die Anfänge. Der 1980 verstorbene Schlagzeuger John Bonham ist über historische Aufnahmen vertreten. Damit handelt es sich zugleich um die erste Led-Zeppelin-Dokumentation, an der die überlebenden Bandmitglieder offiziell mitgewirkt haben.
Auf einer Laufzeit von zwei Stunden und zwei Minuten zeigt der Film, wie vier Musiker mit unterschiedlichen Erfahrungen zu Led Zeppelin werden. Dabei greift er auch auf Material zurück, das Jimmy Page zuvor jahrzehntelang nicht öffentlich gemacht hatte.
Gerade die zeitliche Begrenzung macht die Dokumentation interessant. Sie betrachtet eine Band, die ihre spätere Bedeutung noch nicht kennen kann. Statt das gesamte Werk zusammenzufassen, untersucht sie, wie aus ersten Begegnungen, Proben und Auftritten eine gemeinsame musikalische Identität entsteht. Freigegeben ist der Film ohne Altersbeschränkung.
Oasis: Supersonic (2016) erzählt ebenfalls keine vollständige Bandgeschichte. Die Dokumentation beginnt bei den frühen Jahren in Manchester und endet mit den beiden Konzerten in Knebworth im August 1996. Alles, was danach zur Trennung von Oasis führte, bleibt außen vor.
Noel und Liam Gallagher, ihre Mutter Peggy und weitere Beteiligte berichten aus dem Off. Klassische Interviewsituationen vor der Kamera gibt es nicht. Ihre Stimmen liegen stattdessen über Konzertmitschnitten, privaten Aufnahmen und anderem Archivmaterial.
Der von Mat Whitecross inszenierte Film dauert 117 Minuten. Produziert wurde er von demselben Team, das zuvor an der Amy-Winehouse-Dokumentation gearbeitet hatte. Der Einfluss zeigt sich vor allem in der Montage: Die damaligen Bilder sollen die Geschichte erzählen, ohne dass heutige Gesprächspartner sie vor laufender Kamera nachträglich erklären.
Für Zuschauer des neuen Kinofilms liefert der Film die passende Vorgeschichte zur Reunion. Er zeigt, wie schnell Oasis aufstiegen und warum die Bindung zwischen Band und Publikum bis heute anhält. Weil er auf dem Höhepunkt in Knebworth endet, wirkt sein Rückblick allerdings versöhnlicher, als es der weitere Verlauf der Bandgeschichte nahelegen würde.
Peter Jackson komprimiert in The Beatles: Get Back (2021) drei Wochen aus dem Januar 1969 zu einer knapp achtstündigen Dokumentarserie. Seine Grundlage bildeten 56 Stunden Filmmaterial und etwa 140 Stunden Tonaufnahmen, die für das Projekt restauriert wurden.
In drei Teilen lässt sich beobachten, wie die Beatles unter Zeitdruck neues Material entwickeln. Die Kameras halten lange Phasen fest, in denen scheinbar kaum etwas geschieht. Gerade dadurch wird sichtbar, wie beiläufig aus Gesprächen, Spielereien und Wiederholungen schließlich fertige Songs entstehen.
Auch die Spannungen innerhalb der Band bleiben erhalten. George Harrison verlässt die Gruppe und kehrt drei Tage später zurück. Gleichzeitig entsteht aus einem zunächst unfertigen musikalischen Einfall nach und nach der Song „Get Back“.
Den Abschluss bildet das Konzert auf dem Dach des Apple-Gebäudes in der Londoner Savile Row am 30. Januar 1969. Es war der letzte öffentliche gemeinsame Auftritt der Beatles.
Die ausführliche Laufzeit ist deshalb keine Begleiterscheinung, sondern das eigentliche Konzept. Jackson verdichtet die Arbeit der Musiker nicht zu einer schnellen Erfolgsgeschichte. Er lässt das Publikum stattdessen an Pausen, Umwegen, Konflikten und überraschenden Einfällen teilhaben. Für die Serie gab es fünf Emmys, darunter die Auszeichnung als beste Dokumentarreihe.
Asif Kapadia erzählt in Amy: The Girl Behind the Name (2015) vom Leben und Tod Amy Winehouses, ohne seine Gesprächspartner vor der Kamera zu zeigen. Rund 80 Menschen aus ihrem Umfeld wurden für den Film interviewt. Zu hören sind ihre Stimmen, während private Videos, Fernsehaufzeichnungen, Konzertbilder und eingeblendete Songtexte zu sehen sind.
Die Dokumentation dauert 128 Minuten und kam am 16. Juli 2015 in die deutschen Kinos. Sie gewann den Oscar als bester Dokumentarfilm.
Bis heute bleibt der Film umstritten. Kapadia betrachtet Winehouses Tod nicht ausschließlich als Folge ihrer persönlichen Entscheidungen. Er richtet den Blick ebenso auf ihr Umfeld, die Musikindustrie und die aggressive Berichterstattung der Boulevardmedien.
Das macht ihn unbequem, aber auch einflussreich. Seine Form wurde zum Vorbild für spätere Musikdokumentationen. Oasis: Supersonic übernahm den konsequenten Verzicht auf sichtbare Gegenwartsinterviews, und auch der aktuelle Oasis-Kinofilm arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip.
Wer von Moonage Daydream (2022) eine geordnete Lebensgeschichte David Bowies erwartet, dürfte überrascht werden. Regisseur Brett Morgen verzichtet auf eine chronologische Erzählung, erklärende Sprechertexte und eine eindeutige historische Einordnung.
Stattdessen montiert er Konzerte, Interviewausschnitte, Zeichnungen und Szenen aus Filmen zu einem audiovisuellen Porträt. Fünf Jahre arbeitete Morgen an dem Projekt. Dafür erhielt er Zugang zu Bowies Archiv und die Zustimmung der Familie.
Der Film versucht weniger, Bowies Karriere zu erklären, als ihre Wirkung nachzuempfinden. Epochen, Rollen und Ideen gehen ineinander über. Dadurch ähnelt die Form der Dokumentation ihrem Gegenstand: wechselhaft, experimentell und schwer auf eine einzige Identität festzulegen.
Gezeigt wurde er bei den Filmfestspielen von Cannes außer Konkurrenz und später für einen BAFTA nominiert. Wer nach Daten und Stationen sucht, ist hier falsch. Wer sich auf die freie Struktur einlässt, bekommt dagegen keinen gewöhnlichen Rückblick, sondern eine Annäherung an Bowies künstlerische Denkweise.
Zusammen decken diese fünf Produktionen mehrere Jahrzehnte britischer Musik ab. Ihre Stärke liegt jedoch gerade darin, nicht alles erzählen zu wollen. Jede beschränkt sich auf einen klaren Blickwinkel – und kommt ihren Künstlern dadurch näher als viele lückenlose Karrierechroniken.








































