
Die besten Filme und Serien über Lizzie Borden
Am 4. August 1892 wurden Andrew und Abby Borden in ihrem Haus in Fall River, Massachusetts, mit einem Beil erschlagen. Verdächtigt wurde die Tochter Lizzie, ein Geschworenengericht sprach sie 1893 frei, aufgeklärt ist der Fall bis heute nicht. Genau diese Lücke hat über ein Jahrhundert lang Filme, Serien und Theaterstücke hervorgebracht – und seit dem 17. September läuft die nächste bei Netflix.
Wir haben fünf Verfilmungen sortiert, und zwar nicht nach Qualität, sondern nach ihrer Nähe zur Aktenlage. Denn davon hängt ab, für welches Publikum sie taugen. Die Spanne reicht vom Gerichtsdrama, das sich strikt an die Zeugenaussagen hält, bis zur Serie, die Lizzie nach dem Freispruch einfach weitermorden lässt. Beides hat seine Berechtigung, nur eben für unterschiedliche Zuschauer.
Der Fernsehfilm Lizzie Bordens blutiges Geheimnis (1975) hält sich am engsten an das, was dokumentiert ist. Er inszeniert den Prozess von 1893 als Gerichtsdrama und überlässt dem Publikum die Frage nach der Schuld, statt sie zu beantworten. Elizabeth Montgomery spielt die Titelrolle und wurde dafür für einen Emmy nominiert, der Film erhielt zudem eine Golden-Globe-Nominierung sowie Emmys für Kostüme und Schnitt.
Für wen sich das lohnt: Wer den Fall selbst verstehen will, fängt hier an. Der Film verzichtet auf Erklärungen, die es nicht gibt, und arbeitet stattdessen mit den Zeugenaussagen und der Beweislage. Optisch merkt man ihm sein Alter an, dramaturgisch ist er die nüchternste Annäherung, die es gibt.
Der Fernsehfilm Lizzie Borden (2014) folgt der Chronologie des Falls: der Doppelmord an einem drückend heißen Augusttag, die schnelle Verdächtigung der jüngeren Tochter, der Prozess und der Freispruch durch das Plädoyer von Anwalt Andrew Jennings. Christina Ricci spielt Lizzie deutlich kühler und undurchschaubarer als Elizabeth Montgomery, was dem Film seine Spannung gibt.
Für wen sich das lohnt: Wer eine zugängliche Fassung sucht, die den Fall erzählt, ohne ihn zu überhöhen. Zum Erstausstrahlungstermin im Januar 2014 sahen den Film 4,4 Millionen Menschen, was für eine Produktion dieser Größenordnung bemerkenswert ist. Die historische Genauigkeit liegt im Mittelfeld: Der Ablauf stimmt, die Innenansichten sind erfunden. Ricci spielte die Rolle ein Jahr später noch einmal, dann allerdings unter deutlich freieren Vorzeichen.
Hier beginnt die Interpretation. Lizzie Borden – Mord aus Verzweiflung (2018) von Craig William Macneill liest die Tat als Reaktion auf ein Leben unter einem kontrollwütigen Vater. Chloë Sevigny spielt Lizzie, Kristen Stewart die irische Hausangestellte Bridget Sullivan, und zwischen beiden entwickelt sich eine Beziehung, die der Film als Auslöser der Ereignisse setzt. Jamey Sheridan spielt Andrew Borden, Fiona Shaw die Stiefmutter Abby.
Für wen sich das lohnt: Wer keine Aufklärung erwartet, sondern eine Figurenstudie. Der Film verlegt den Schwerpunkt von der Frage, ob Lizzie es getan hat, auf die Frage, warum sie es getan haben könnte. Belegt ist die Beziehung zu Sullivan nicht, sie ist die zentrale Erfindung dieser Fassung. 106 Minuten, Freigabe ab 16 Jahren, Weltpremiere im Januar 2018 in Sundance.
Am weitesten von der Aktenlage entfernt sich die Serie. The Lizzie Borden Chronicles (2015) setzt nach dem Freispruch an und erfindet alles Weitere: Lizzie und ihre Schwester Emma wollen neu anfangen, doch ehemalige Geschäftspartner, ein entkommener Verurteilter und ein misstrauischer Marshall stehen im Weg. Christina Ricci kehrt als Lizzie zurück, Clea DuVall spielt Emma, Cole Hauser den Ermittler.
Für wen sich das lohnt: Wer den Fall bereits kennt und Spaß an einer historischen Serie hat, die sich um Genauigkeit nicht schert. Die acht Folgen behandeln Lizzie als heimliche Serientäterin, die nach ihrem Freispruch weiterermittelt und weitermordet. Das ist reine Fiktion, funktioniert aber als Genre-Stoff – und Ricci spielt sichtlich gern gegen das Bild der unschuldigen Sonntagsschullehrerin an.
Der Neuzugang geht noch einen Schritt weiter. Die vierte Staffel der Anthologie von Ian Brennan und Ryan Murphy läuft seit dem 17. September mit acht Folgen bei Netflix und ist die erste, die sich einer weiblichen Hauptfigur widmet. In Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden (2026) spielt Ella Beatty die Titelrolle, Vicky Krieps die Hausangestellte, Charlie Hunnam den Vater Andrew und Rebecca Hall die Stiefmutter Abby. Dazu kommen Sarah Paulson, Billie Lourd und Jessica Barden.
Für wen sich das lohnt: Wer die bisherigen Staffeln mochte. Die offizielle Beschreibung kündigt keine Rekonstruktion an, sondern eine Fluchtfantasie: Tochter und Hausmädchen, gefangen in einem Haus, das auf Demütigung und Grausamkeit gebaut ist, entwerfen eine eigene Welt. Wer historische Treue sucht, ist bei den älteren Titeln besser aufgehoben.



































