Vor der Fußball-WM 2026: 10 der größten Fußballfilme aller Zeiten

Vor der Fußball-WM 2026: 10 der größten Fußballfilme aller Zeiten

Markus Brandstetter
Markus Brandstetter

Veröffentlicht am 04. Mai 2026

Aktualisiert am 05. Mai 2026

Am 11. Juni 2026 eröffnet Mexiko gegen Südafrika in Mexiko-Stadt die erste Fußball-WM mit 48 Teilnehmern, ausgetragen in 16 Städten in den USA, Kanada und Mexiko. Das DFB-Team von Julian Nagelsmann startet drei Tage später gegen Curaçao. ARD und ZDF zeigen 60 der 104 Spiele live. Bis zum Anpfiff ist noch über ein Monat Zeit, und der lässt sich gut nutzen, denn Fußball ist nicht nur als Sport, sondern auch als Kinothema seit Jahrzehnten ein dankbarer Stoff. Diese zehn Filme zeigen, was das Genre kann: Doku, Drama, Fantasy, Sozialrealismus, Bollywood-Crossover, Kriegsverarbeitung.

Das Wunder von Bern (2003) ist der deutsche Fußballfilm. Punkt. Sönke Wortmann erzählt die WM 1954 nicht als Sportdrama, sondern als Familiengeschichte: Der Bergmann Richard Lubanski, gespielt von Peter Lohmeyer, kehrt nach zwölf Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Essen zurück und findet eine Familie vor, die gelernt hat, ohne ihn zu funktionieren. Sein elfjähriger Sohn Matthias (Louis Klamroth) ist Glücksbringer von Helmut Rahn, der in Bern das entscheidende Tor schießen wird. Wortmann nutzt das Spiel als Folie für die Wiederannäherung zwischen Vater und Sohn. Was den Film über andere Sportdramen hebt, ist seine Doppelstruktur: das Spiel auf dem Platz und der zerrüttete Wiederaufbau in der Nachkriegsgesellschaft. Wortmann hat dafür den Bayerischen Filmpreis und den Deutschen Filmpreis in Silber bekommen.

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Diego Maradona
Diego Maradona (2019) ist der dritte Teil von Asif Kapadias Triptychon über zerstörte Geniefiguren, nach Senna (2010) und Amy (2015). Aus über 500 Stunden bisher unveröffentlichtem Archivmaterial montiert Kapadia die sieben Jahre, die Maradona zwischen 1984 und 1991 beim SSC Napoli verbrachte und in denen er einen Verein aus dem Mittelmaß zur ersten süditalienischen Meisterschaft führte, gleichzeitig aber in die Kokainabhängigkeit und die Camorra-Verstrickungen rutschte, die ihn am Ende kaputt machten. Was Kapadia wie schon bei Senna schafft, ist die Aufhebung der Talking-Head-Konvention. Es gibt keine Interviewbilder. Nur Archivmaterial, Voice-over, Stadionton. Der Effekt: Man ist 1986 dabei, wenn Maradona im WM-Viertelfinale gegen England zuerst die Hand-Gottes-Szene und dann das Jahrhunderttor schießt.
Kick It Like Beckham (2002) ist der Film, der das Wort „Beckham" für eine ganze Generation zur metaphorischen Bezeichnung von Eigensinn gemacht hat. Gurinder Chadha erzählt von Jess Bhamra (Parminder Nagra), Tochter einer britisch-indischen Sikh-Familie in Hounslow, die heimlich für ein Frauenfußballteam spielt, während ihre Eltern sie verheiraten und Jura studieren lassen wollen. Keira Knightley in einer ihrer ersten Hauptrollen spielt Jules, die weiße Mitspielerin, mit der Jess zwischen Freundschaft, Konkurrenz und gemeinsamem Trainerflirt navigiert. Was den Film hebt, ist Chadhas Doppelbewegung: Das Spiel auf dem Platz ist nie nur Sport, sondern immer auch Verhandlung von Tradition, Generationenkonflikt und Selbstbestimmung. Mit sechs Millionen Dollar Budget gedreht, weltweit 76 Millionen Box Office.

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Looking for Eric
Looking for Eric (2009) ist Ken Loachs einziger expliziter Fußballfilm, und er ist genau das geworden, was man von Loach erwartet, und gleichzeitig etwas vollkommen Anderes. Der Manchester-Postbeamte Eric Bishop (Steve Evets) ist am Ende seiner Kräfte, seine Frau ist weg, seine Stiefsöhne entgleiten ihm, und nach einem Joint erscheint ihm sein Idol Éric Cantona, der sich selbst spielt. Cantona ist Geist, Mentor, Cantona-Aphorismen-Maschine in einem. Was Loach mit dieser Magic-Realism-Konstruktion eigentlich erzählt, ist nicht die Fußballgeschichte, sondern die soziale: Es geht um Arbeiterklasse-Solidarität, um die Verkommenheit des modernen kommerzialisierten Fußballs, der den Stehplatzfan ausgesperrt hat. Cantona selbst hat das Projekt initiiert.
Die zwei Escobars – Kolumbien, der Fußball und die Drogen (2010) ist die ESPN-30-for-30-Doku, die in Listen der besten Sportdokumentationen aller Zeiten regelmäßig ganz oben steht, und das aus gutem Grund. Die Brüder Jeff und Michael Zimbalist erzählen die parallel laufenden Lebenswege von Pablo Escobar, dem reichsten Drogenboss der Welt, und Andrés Escobar, dem Kapitän der kolumbianischen Nationalmannschaft, die nicht miteinander verwandt waren, deren Schicksale aber tragisch verflochten waren. Pablos Drogengeld floss in den kolumbianischen Vereinsfußball und brachte das Nationalteam 1994 in den Status eines WM-Favoriten. Bei der WM in Los Angeles unterlief Andrés gegen die USA das berühmte Eigentor, das Kolumbien aus dem Turnier kickte und ihn zehn Tage später in einem Parkhaus in Medellín das Leben kostete. Die Doku verwebt Sport, Politik und Kriminalität zu einer Erzählung von erschreckender Konsequenz, in der die Kameraperspektive zwischen Fußball, Kartelle und kolumbianischer Politik wechselt, ohne den Faden zu verlieren.
The Damned United – Der ewige Gegner (2009) erzählt die 44 Tage, in denen Brian Clough 1974 Trainer von Leeds United war, und die zur unrühmlichsten Episode der englischen Trainerlegende geworden sind. Michael Sheen spielt Clough als hoch begabten, größenwahnsinnigen Provokateur, der Don Revies erfolgreiches Leeds-Team übernimmt und in sechs Wochen so gegen die Wand fährt, dass der Verein ihn entlässt. Tom Hooper inszeniert das nach David Peace' Roman als duales Zeitportrait: 1974 in Leeds und parallel dazu Cloughs Aufstieg in Derby County, wo er mit Peter Taylor (Timothy Spall) ein Trainerduo gebildet hatte, das Derby zur englischen Meisterschaft führte. Was den Film vom Sportbiopic abhebt, ist die psychologische Schärfe: Clough wird nicht heroisiert, sondern als getriebener, eitler Mann gezeigt, dessen Ehrgeiz ihn frisst.

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Flucht oder Sieg
Flucht oder Sieg (1981) ist der unwahrscheinlichste Fußballfilm aller Zeiten und wahrscheinlich genau deshalb auf jeder Bestenliste. John Huston inszeniert eine Kriegs-Sport-Hybrid-Geschichte, in der Kriegsgefangene ein Fußballspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft im besetzten Paris austragen und gleichzeitig einen Fluchtplan aushecken. Sylvester Stallone spielt den amerikanischen Torwart, Michael Caine den englischen Captain. Im Team: Pelé, Bobby Moore, Osvaldo Ardiles, Paul Van Himst, Werner Roth, allesamt echte Fußballer in Schauspielrollen. Die Spielszenen, choreografiert von Pelé selbst, sind das Argument für den Film. Pelés Fallrückzieher in der Schlussphase ist Filmgeschichte. Dass das alles stark realitätsfern ist, weiß man sofort. Aber genau dieser Tonbruch zwischen Kriegsgefangenenlager-Drama und Fußball-Märchen macht den Film unvergesslich.

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Pelé
Pelé

Pelé

2021

Pelé (2021) ist die Netflix-Doku, die der dreifachen Weltmeister-Legende ein vollständiges Porträt verschafft, jenseits der heiligen Mythenbildung. Ben Nicholas und David Tryhorn lassen Pelé selbst sprechen, gestützt auf Archivmaterial der WMs 1958, 1962 und 1970, und kontextualisieren die Spielereinsätze mit der politischen Realität Brasiliens unter der Militärdiktatur. Pelé wird dabei nicht zum reinen Heiligen erklärt: Sein politisches Verhalten unter dem Regime, seine Zurückhaltung gegenüber der Bürgerrechtsbewegung, seine fragwürdigen Geschäftsentscheidungen werden offen verhandelt. Was den Film auszeichnet, ist die Bildqualität des Archivmaterials und die Tatsache, dass Pelé selbst, damals bereits gesundheitlich angeschlagen, eines der letzten ausführlichen Interview seines Lebens für diesen Film gegeben hat. Er starb 2022.

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Trainer!
Trainer!

Trainer!

2013

Trainer! (2013) ist die deutsche Doku, die Fußballfilmen einen ganz neuen Zugang verschafft hat: keine WM-Legende, keine Spielergeschichte, sondern drei Bundesliga-Trainer in der Saison 2012/13. Aljoscha Pause begleitet Stephan Schmidt (SC Paderborn), André Schubert (FC St. Pauli), Frank Schmidt (1. FC Heidenheim)  durch Trainingslager, Vorstandssitzungen, Niederlagen und in den Fall von Schmidt auch durch die Entlassung. Was die Doku einzigartig macht, ist der Zugang zu Räumen, die normalerweise hinter verschlossenen Türen bleiben: die Kabinenrede vor dem Anpfiff, der Smalltalk im Bus nach der Pleite, die Diskussionen mit dem Sportdirektor. Pause arbeitet ohne Voice-over, ohne Erklärbilder, ohne Sportreporter-Floskeln. Das Ergebnis ist 152 Minuten Sozialethnografie, die mehr über den Profifußball aussagt als jede Spieler-Biografie. Streambar über Apple TV und Amazon Video.
Real Madrid gegen Villarreal, 23. April 2005, Santiago Bernabéu. 17 synchronisierte Kameras filmen 90 Minuten lang einen einzigen Spieler: Zinédine Zidane. Zidane – Ein Porträt im 21. Jahrhundert (2006) ist das Ergebnis und einer der eigenwilligsten Fußballfilme, die je gedreht wurden. Douglas Gordon und Philippe Parreno haben mit ihrem Filmessay nicht nur den größten Fußballer seiner Generation porträtiert, sondern eine ganze Form der Sportbeobachtung neu definiert. Es gibt keine Voice-over, keine Statistiken, keine Spielanalyse. Nur Zidane, in Großaufnahme, im Nahbereich, manchmal kaum atmend, manchmal in einer Rangelei. Den Soundtrack lieferte die schottische Post-Rock-Band Mogwai, was dem Ganzen die hypnotische Qualität gibt, die der Film braucht. Cannes-Premiere 2006, César-Nominierung 2007. Zidane wurde im Spiel rotgesperrt, was der Film ohne Erklärung mitschneidet und damit die Tragödie des Spielers vorwegnimmt, der ein Jahr später im WM-Finale 2006 wegen des Kopfstoßes gegen Materazzi vom Platz musste.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

26,42 €

Gesamtlaufzeit

18h 45min

Genres

Sport, Produziert in Europa, Dokumentationen

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