
Das Ende von „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ erklärt
Am Schluss steht Rey zwischen den vertrauten Sonnen von Tatooine. Sie hat Palpatine besiegt, die Lichtschwerter von Luke und Leia vergraben und sich für den Namen Skywalker entschieden. Das Bild soll einen Kreis schließen, der 1977 begann. Doch nach neun Filmen wirkt dieser Abschied erstaunlich unverdient. Das Problem von Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019) liegt dabei weniger in einem einzelnen misslungenen Moment. Es entsteht daraus, wie häufig der Film vorherige Entwicklungen zurücknimmt, Figuren beiseiteschiebt und Vertrautes hervorholt, sobald eine eigene Antwort nötig wäre.
Was im Finale geschieht
Rey erfährt, dass sie die Enkelin des Imperators ist. Palpatine möchte sie dazu bringen, ihn zu töten, damit sein Geist auf sie übergehen kann. Unterstützung bekommt sie von Ben Solo, der sich von seiner Identität als Kylo Ren abgewandt hat. Palpatine schleudert ihn jedoch in einen Abgrund.

Rey gelingt es, den Imperator zu besiegen, doch sie stirbt dabei. Ben kehrt zurück und überträgt seine Lebenskraft auf sie. Nach einem Kuss stirbt er selbst. Später reist Rey nach Tatooine. Auf die Frage nach ihrem Namen antwortet sie mit Rey Skywalker. Damit sind die unmittelbaren Konflikte gelöst. Ob die Geschichte ihrer Figuren einen überzeugenden Abschluss gefunden hat, ist eine andere Frage.
Palpatines Rückkehr verdrängt die neue Geschichte
Poe Damerons beiläufige Feststellung, Palpatine sei irgendwie zurückgekehrt, wurde zum vielfach zitierten Netzwitz. Sie trifft aber auch einen erzählerischen Schwachpunkt: Der Film setzt die Rückkehr seines wichtigsten Gegenspielers weitgehend voraus, obwohl sie die gesamte Trilogie verändert. Zuvor hatte die Reihe mit Snoke, gespielt von Andy Serkis, eine neue Machtfigur eingeführt. Er hatte Ben Solo beeinflusst und erschien als zentrale Bedrohung. Seine Herkunft blieb offen. Episode neun erklärt ihn schließlich zu einem von Palpatine geschaffenen Werkzeug.

Diese Auflösung liefert zwar eine Verbindung zum alten Imperator, macht Snoke aber nachträglich kleiner. Anstatt die Folgen seines Todes und Kylo Rens Aufstieg weiterzuentwickeln, setzt der Film erneut auf den bekannten Oberbösewicht. Die neue Trilogie bekommt damit einen Schlussgegner aus der alten – und verliert einen Teil ihrer Eigenständigkeit.
Rey muss plötzlich doch aus der richtigen Familie kommen
Ähnlich problematisch ist die Entscheidung über Reys Herkunft. Die letzten Jedi (2017) präsentierte ihre Eltern als unbedeutende Menschen. Für Rey bedeutete das: Ihre Rolle in dieser Geschichte musste sich nicht durch einen berühmten Stammbaum erklären lassen. Dieser Gedanke gab auch Das Erwachen der Macht (2015) rückblickend eine andere Richtung. Die junge Frau von Jakku konnte aus eigener Kraft wichtig werden, ohne dass hinter ihrer Geschichte zwangsläufig ein bekannter Familienname steckte.
Episode neun kehrt davon ab. Nun führt auch Reys Abstammung direkt ins Zentrum der bisherigen Saga. Natürlich lässt sich ihre spätere Entscheidung für den Namen Skywalker als Absage an ein vorbestimmtes Schicksal lesen. Trotzdem bindet der Film ihre außergewöhnliche Bedeutung wieder an eine bekannte Blutlinie. Die größere Offenheit des Vorgängers geht dabei verloren.
Ben Solo darf sich opfern, aber nicht weiterleben
Kylo Ren gehört zu den interessantesten Figuren der drei Filme. Seine Unsicherheit, sein Wunsch nach Größe und sein Schwanken zwischen Zuneigung und Gewalt geben ihm einen Konflikt, der über die übliche Schurkenrolle hinausgeht. Dass er schließlich zu Ben Solo zurückfindet, ist deshalb grundsätzlich nachvollziehbar. Enttäuschend ist, wie wenig Raum der Film den Folgen dieser Entscheidung gibt. Ben rettet Rey und bezahlt dafür mit seinem Leben. Eine Zukunft, in der er Verantwortung für seine Taten übernehmen müsste, bleibt ihm erspart.

Der Vergleich mit Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) liegt nahe. Auch Darth Vader stirbt nach einer rettenden Tat. Dort bildet die Annäherung zwischen Vater und Sohn jedoch das emotionale Zentrum des Schlusses. Bei Ben wirkt das Opfer stärker wie eine rasche Lösung für eine schwierige Figur. Gerade sein Weiterleben hätte Fragen eröffnet, denen sich der Film nun nicht mehr stellen muss.
Für Rose bleiben kaum mehr als eine Minute
Besonders bitter ist der Umgang mit Rose Tico. Kelly Marie Trans Figur hatte in Die letzten Jedi rund elf Minuten Leinwandzeit und eine wichtige Rolle an Finns Seite. Nach der Veröffentlichung wurde die Schauspielerin rassistisch und sexistisch angefeindet. Sie löschte ihre Instagram-Beiträge und schrieb in der „New York Times“ über ihre Erfahrungen. In Episode neun schrumpfte Roses Auftritt auf eine Minute und sechzehn Sekunden. Diese Zahl stammt aus einer Messung von Violet Kim für „Slate“. Der gesamte Film dauert zwei Stunden und 22 Minuten.
Drehbuchautor Chris Terrio verwies auf Schwierigkeiten mit der Handlung und dem verwendeten Archivmaterial von Carrie Fisher. Cutterin Maryann Brandon erklärte, Rose gehöre nicht zur zentralen Figurengruppe. Diese Begründungen änderten für viele Fans wenig am Ergebnis. Unter dem Hashtag RoseTicoDeservedBetter kritisierten sie, dass Rose ausgerechnet nach den Angriffen auf ihre Darstellerin an den Rand rückte. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Hetze und den Kürzungen ist damit nicht bewiesen. Als erzählerische Entscheidung bleibt die weitgehende Entfernung einer zuvor wichtigen Figur dennoch enttäuschend.
Nicht jede Kritik am Film überzeugt
Der Kuss zwischen Rey und Ben wurde häufig als bloßes Entgegenkommen gegenüber Fans abgetan. Das greift zu kurz. Ihre besondere Verbindung und gegenseitige Anziehung hatten die vorherigen Filme durchaus vorbereitet. Man kann die Szene ablehnen, ohne so zu tun, als käme sie aus dem Nichts. Auch wirtschaftlich war der Film kein Flop. Weltweit spielte er mehr als eine Milliarde Dollar ein, blieb allerdings hinter den beiden anderen Teilen der Sequel-Trilogie zurück.
Das größere Problem ist die fehlende erzählerische Geschlossenheit. J. J. Abrams inszenierte den ersten und dritten Film, Rian Johnson den zweiten. Episode neun wirkt häufig damit beschäftigt, Entscheidungen des Vorgängers zu korrigieren. Dadurch muss das Finale zugleich neue Voraussetzungen schaffen und eine jahrzehntelange Geschichte abschließen. Für die Figuren bleibt zwischen diesen Aufgaben wenig Platz.
Die Saga endet mit einem vertrauten Bild
Mit The Mandalorian and Grogu (2026) kehrte Star Wars später ins Kino zurück. Die Konzentration auf zwei Figuren und einen überschaubareren Auftrag setzt einen anderen Schwerpunkt als der Versuch, die gesamte Skywalker-Saga zu einem Ende zu führen. Gerade daran zeigt sich, wie viel Episode neun gleichzeitig leisten wollte. Der Film sollte überraschen, vertraute Gefühle wecken, offene Fragen beantworten und möglichst niemanden enttäuschen. Heraus kam ein Finale, das seine stärksten neuen Figuren immer wieder hinter bekannten Namen verschwinden lässt.

Rey nimmt am Ende den Namen Skywalker an. Als persönliche Entscheidung könnte das ein kraftvoller Schluss sein. Nach einem Film, der ihre Herkunft erneut zum großen Geheimnis erklärt und dafür Palpatine zurückholt, bleibt jedoch der Eindruck, dass diese Galaxis ihren neuen Helden noch immer zu wenig zutraut.





































