Eine klassische Vorstellung davon, wie Weihnachtsfilme aussehen und sich anfühlen, wird seit Jahrzehnten vorrangig von Hollywood geprägt. Und so verwundert es nicht, wenn dort zum Standard gewordene Musiken, Motive und Figuren Eingang auch in Weihnachtsfilme aus anderen Teilen der Welt finden. Und trotzdem: Auch deutsche Weihnachtsfilme lohnen sich, denn sie variieren all diese Mythen und Motive auf ihre ganz eigene Art und Weise.
Wir präsentieren Euch eine Auswahl deutscher Filme, die mal mehr und mal extrem wenig mit diesen klassischen Motiven und Narrativen zu tun haben und sie für ganz unterschiedliche Bedürfnisse erzählen: für Kinder oder die ganze Familie, für Kultur- oder historisch Interessierte.
1. Weihnachten bei Hoppenstedts (1978)
Ein herrlich komisches, satirisches und doch sehr warmes Abbild eines typisch deutschen Weihnachten lieferte Loriot mit seinem nur 37 Minuten dauernden TV-Special Weihnachten bei Hoppenstedts. Die 1997 entstandene Schnittfassung der sechsten Folge Loriot von 1978 hat sich als Kultspecial zum unverzichtbaren selbstironischen Pflichtprogramm im deutschen Weihnachtsfernsehen entwickelt. Der Film stellt eine episodische Reise durch den typischen weihnachtlichen Alltag der Familie Hoppenstedt dar, gipfelnd im chaotischen Heiligabend und Opa Hoppenstedts Feststellung: „Früher war mehr Lametta.” In gewohnt einzigartiger Manier gelingt es Loriot mit seiner kongenialen Spielpartnerin Evelyn Hamann, mit liebevollen Figuren und verrückten Momenten gutbürgerlichem Irrsinn den Spiegel vorzuhalten. Deutscher als Weihnachten bei Hoppenstedts kann ein Weihnachtsfilm nicht werden.
2. Die Weihnachtsgans Auguste (1988)
Friedrich Wolfs gleichnamige Erzählung war in der DDR sehr populär. Ihre Verfilmung von Bodo Fürneisen wurde dort an Heiligabend 1988 erstmals ausgestrahlt und gehört seitdem bis heute vor allem in Ostdeutschland zur festen Weihnachtstradition. Im Mittelpunkt steht die Familie um Opernsänger Löwenhaupt, der eine Gans kauft, um sie für Weihnachten zu mästen. Seine Kinder jedoch lieben das sprechende Tier und retten es nach einigen Turbulenzen schließlich vor dem Schlachten. Einer der letzten DEFA-Familienfilme lebt neben den Gesangseinlagen insbesondere auch vom Spiel der Kinder (u.a. Stefanie Stappenbeck) und natürlich des Ganters, der seine Filmkarriere später u.a. sogar in Männerpension (1996) von Detlev Buck und Roland Emmerichs Anonymous (2011) fortsetzen konnte. Ein witziger und einfallsreicher Weihnachtsfilm jenseits des Gängigen und gleichzeitig ein auch historisch spannender Blick in die Gegenwart der letzten DDR-Jahre.
3. Zwei Weihnachtsmänner (2008)
Seine deutsche Version von Ein Ticket für Zwei (1987) verlegte Autor Tommy Jaud kurzerhand von Thanksgiving auf Weihnachten und schuf so eine turbulente Komödie, die das Zeug zum festen Festtagsstandard hat. In erster Linie Spaß macht der immerhin dreistündige Film natürlich wegen des Aufeinandertreffens von Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst. Als zwei völlig gegensätzliche Geschäftsreisende geraten die beiden in ein heilloses Chaos beim Versuch, nach dem ausgefallenen Heimflug auf andere Weise nach Hause zu gelangen. Das Buch reizt hier alle Möglichkeiten, in Schlamassel zu geraten, weidlich aus und kann sich vor allem bei seinen beiden bestens aufgelegten Comedystars dafür bedanken, dass der Film bei aller Überdrehung nicht vollkommen abhebt, sondern ein wahrhaft wilder Spaß ist.
4. Bach – Ein Weihnachtswunder (2024)
In vielen Familien gehört es genauso selbstverständlich zu Weihnachten wie der geschmückte Tannenbaum: das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Florian Baxmeyers 90-Minuten-Film Bach – Ein Weihnachtswunder (2024) blickt zurück in das Jahr seines Entstehens: Im Dezember 1734 bereitet sich die Familie Bach in Leipzig auf das Weihnachtsfest vor, während Familienvater Johann Sebastian noch darum kämpft, dass seine Neukomposition in der Thomaskirche zur Aufführung gelangt. Mit seinem Weihnachtsoratorium möchte er am Dresdner Hofe auf sich aufmerksam machen, doch bis dahin müssen noch einige offizielle und auch familiäre Hürden überwunden werden. Mit Devid Striesow und Verena Altenberger in den Hauptrollen ist ein spannender Einblick in die Genese einer wahrhaft klassischen kulturellen Weihnachtstradition gelungen, der für kulturell Interessierte ebenso geeignet ist wie für jene, die nach vorweihnachtlicher Stimmung suchen.
5. Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel (2011)
Nach der gleichnamigen literarischen Vorlage von Cornelia Funke entstand ein höchst unterhaltsamer Familienfilm, der in perfekter Manier die Freude auf Weihnachten schürt. In 107 Minuten erzählt Regisseur Oliver Dieckmann die Geschichte des neunjährigen Ben, der dem flüchtenden Weihnachtsmann Niklas dabei hilft, einen Schurken daran zu hindern, das Weihnachtsfest in ein lieblos-kapitalistisches Konsumevent zu verwandeln. Der Film entwickelt viel Witz und Schwung und hat ein bemerkenswert ausgewogenes Verhältnis von herrlich phantastischen Szenen und äußerst realen Momenten. Großen Spaß bereiten neben den überzeugenden Fantasyanteilen besonders auch der von Alexander Scheer wunderbar eigenwillig gespielte Weihnachtsmann mit seinen schrägen Kobolden und Engeln.
6. Alles ist Liebe (2014)
Weihnachten als das Fest der Liebe: Markus Gollers Kinoerfolg Alles ist Liebe aus dem Jahr 2014 nimmt diese Vorgabe wörtlich und schickt ein vielfältiges Ensemble aus Figuren in der Weihnachtszeit in amouröse Verwicklungen. In den fünf miteinander verwobenen Episoden dreht sich alles um die Liebe, womit der Film nicht ganz zufällig wie eine deutsche Version von Tatsächlich…Liebe wirkt. Auch das Ambiente des zweistündigen Films, das in der Ausstattung strotzt vor weihnachtlichem Schmuck, erinnert überdeutlich an den Lichter- und Lametta-Prunk eines klassischen Hollywood-Weihnachtsfilms. Wer dieses Vorbild nicht scheuen muss ist auf jeden Fall das spielfreudige Ensemble, das sich aus dem Who is Who des deutschen Unterhaltungskinos zusammensetzt – von Nora Tschirner über Heike Makatsch und Christian Ulmen bis zu Wotan Wilke Möhring und Elmar Wepper: Dieser Weihnachtsfilm zieht wirklich alle Register.
7. Pettersson und Findus 2 – Das schönste Weihnachten überhaupt (2016)
Dieser zweite Film, den Regisseur Ali Samadi Ahadi nach den Bestsellern von Sven Nordqvist gedreht hat, handelt von der sprichwörtlich schönsten Zeit im Jahr, die Pettersson für Findus noch schöner als sonst gestalten will. Doch die großen Weihnachtspläne der beiden drohen jäh zu platzen, als sich Pettersson verletzt und alles vom findigen Findus abhängt. In liebevoller Verbindung der realen Bilder und Figuren mit sanft eingebetteten Computereffekten erschafft der Film mit seiner idealen Lauflänge von 79 Minuten eine warme und sehr eigenwillige Welt, die gerade für Kinder bis acht Jahre hervorragend geeignet scheint und durch hintergründigen Witz auch dem Rest der Familie viel Lust auf das kommende Weihnachten verschaffen dürfte.
8. Hexe Lilli rettet Weihnachten (2017)
Auch Hexe Lilli rettet Weihnachten ist als Teilanimation gestaltet. Doch wie in seinen beiden Vorgängerfilmen so orientieren sich auch in diesem dritten Film nach Figuren des Kinderbuchautors Knister die Animationen eher an Vorbildern aus dem Bereich des Fantasygenres. Was bei Pettersson und Findus noch so ein wenig den Eindruck von „handgemacht“ behält, das wandelt sich hier deutlicher in Richtung CGI-Magie. Aber warum auch nicht: Immerhin geht es hier ja auch um eine junge Hexe, die ihren Zauber dafür einsetzen muss, Knecht Ruprecht zurück in seine Welt zu führen und nach 99 Minuten – der Titel spoilert es selbst – nichts weniger als Weihnachten zu retten. Ein flotter Zeitreise-Weihnachtsspaß für Kinder im Alter von etwa 10 Jahren sowie für die ganze Familie.






































































































































































































































