
Kommt Staffel 4? Warum das „Euphoria“-Finale wie ein Abschied wirkt
Lange Zeit gab es bei Euphoria eine Gewissheit: Bevor ein Staffelfinale lief, stand die Fortsetzung längst fest. Die 2. Staffel der HBO-Serie wurde durchgewinkt, noch bevor das Finale der ersten überhaupt ausgestrahlt war. Die 3. bekam ihre offizielle Zusage Wochen vor dem Ende der zweiten.
Wer Euphoria schaute, musste sich also nie fragen, ob es weitergeht, nur wie. Dieses Mal ist das anders. Das Finale der dritten Staffel läuft in Deutschland ab dem 1. Juni, und bis heute hat HBO keine vierte Staffel angekündigt. Es gibt keine offizielle Zusage, keine Bestätigung und nicht einmal ein vages Versprechen, dass es überhaupt weitergeht. Für eine Serie, die sonst so planungssicher war, spricht diese Stille Bände.
Worum es bei „Euphoria“ eigentlich geht
Kurz für alle, die nie reingeschaut haben: Euphoria ist eine 2019 gestartete Dramaserie von Sam Levinson, in der Zendaya die drogenabhängige Teenagerin Rue Bennett spielt. Die Serie erzählt vom Erwachsenwerden zwischen Sucht, Liebe, Sex und Trauma und ist dabei oft drastisch, oft schön anzusehen, und sie hat Zendaya 2020 als jüngste Gewinnerin den Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie eingebracht. Um sie herum dreht sich ein ganzer Bekanntenkreis: die gehässig-charismatische Maddy, die brüchige Cassie oder auch der gewalttätige Nate.

Die 3. Staffel hat dieses Personal gehörig durcheinandergewirbelt. Statt im Highschool-Milieu zu bleiben, springt die Handlung fünf Jahre nach vorn. Die einstigen Jugendlichen sind jetzt Anfang 20, und die Serie tauscht Schulflure gegen Vorstadtküchen und Hollywood-Agenturen. Cassie und Nate haben geheiratet und leben in der Vorstadt, Rue arbeitet in Mexiko ihre Schulden bei der Dealerin Laurie ab, Jules studiert Kunst und Maddy ist bei einer Talentagentur gelandet. Levinson selbst nannte den Fünf-Jahres-Sprung naheliegend: Wären die Charaktere aufs College gegangen, wären sie nun fertig damit.
Ein Tod, der alles verschiebt
Und dann, in Folge 7, also der vorletzten Folge der Staffel, passiert das Unerwartete: Nate Jacobs stirbt. Ausgerechnet Nate, von Jacob Elordi gespielt und jahrelang der schöne, gefährliche Mann der Serie, vor dem sich alle anderen in Acht nehmen mussten. Sein Ende ist regelrecht bizarr. Kredithaie, denen er eine Million Dollar schuldet, verscharren ihn in einem flachen Grab und lassen ihm nur einen schmalen Luftschacht zum Atmen. Seine Ehefrau Cassie (Sydney Sweeney) versucht alles, um ihn freizukaufen, doch ausgerechnet durch diesen Schacht kriecht eine Klapperschlange und beißt zu. Als die Rettung kommt, ist es zu spät. Wenige Monate nach der Hochzeit kniet Cassie also über seiner Leiche.

Das ist ein bitterer Abgang für einen Mann, der anderen selbst genug Gewalt zugefügt hat, und er trifft die Serie härter als jeder bloße Schockmoment. Mit Nate verschwindet eine ihrer Hauptfiguren. Cassie ist über Nacht keine unglückliche Ehefrau mehr, sondern Witwe, Maddy steckt mittendrin im Schlamassel, und das ganze Gefüge aus Beziehungen, das Euphoria seit der 1. Staffel trägt, muss sich neu ordnen. Wer noch jahrelang weitererzählen will, schreibt solch eine Szene normalerweise nicht.
Warum niemand „nächste Staffel“ sagen will
Auch jenseits der Handlung mehren sich die Anzeichen. In der „Drew Barrymore Show“ wurde Zendaya gefragt, ob die 3. Staffel die letzte sei. Ihre Antwort: „Ich denke schon, ja.“ Und sie schob nach, dass ein Abschluss komme. Das ist kein Dementi, sondern fast schon ein Abschiedsgruß.
Schöpfer Sam Levinson klingt ähnlich: Er sagte, er schreibe jede Staffel so, als wäre sie die letzte, und habe „keine Pläne“ für eine vierte. Seine ganze Energie, so betonte er, stecke darin, diese Staffel zu einem Volltreffer zu machen.
HBO wiederum schweigt beharrlich und will sich zur Zukunft der Serie nicht äußern. Schwerer als jede dieser Aussagen wiegt allerdings, was hinter den Kulissen geschehen ist. Die Serie hat in den vergangenen Jahren zwei ihrer Darsteller verloren. Angus Cloud, der den sanften Dealer Fezco spielte, starb 2023. Eric Dane, der Nates Vater Cal verkörperte, erlag im Februar 2026 einer ALS-Erkrankung. Dane drehte seine Szenen noch vor seinem Tod und ist posthum zu sehen. Solche Verluste verändern eine Produktion. Sie machen es schwerer, einfach weiterzumachen, als wäre nichts geschehen.
Endgültiges Aus oder nur eine Pause?
Ganz ausgeschlossen ist ein Comeback trotzdem nicht. HBO-Chef Casey Bloys deutete vor dem Staffelstart an, dass Levinson durchaus eine Idee für eine 4. Staffel habe, und zwischen Staffel 2 und 3 lagen ohnehin vier Jahre Pause. Bei Euphoria heißt lange nichts gehört also nicht automatisch vorbei. Allerdings ist der Cast inzwischen so begehrt, dass genau das zum Problem werden könnte.

Zendaya, Sweeney und Elordi sind längst Kinogrößen, und schon beim letzten Mal war es ein Kraftakt, alle Terminkalender unter einen Hut zu bekommen. Was dieses Finale aber wirklich besonders macht, ist der Blick, mit dem man es schaut. Bisher war jedes Euphoria-Ende eine Zwischenstation. Man wusste, es geht weiter, und las jede offene Frage als Versprechen für später. Diese Gewissheit fehlt nun, und plötzlich wiegt alles schwerer, ob es um Rues Schicksal geht, um Cassies Trauer oder um die vielen Beziehungen, die in der Luft hängen. Ob das nur eine sehr lange Pause vor einem nächsten Kapitel ist oder das letzte Mal, dass wir diese Menschen sehen, weiß momentan niemand. Eine Folge fehlt noch. Und zum ersten Mal könnte sie wirklich die letzte sein.






















































